Jugend Jugendgemeinderat: "Desinteresse war schon in den Klassen spürbar"

Eine Szene, wie es sie wohl vorerst nicht mehr geben wird: Die Stimmenauszählung nach der Jugendgemeinderatswahl 2011. Archivfoto: Bianca-Pia Duda
Eine Szene, wie es sie wohl vorerst nicht mehr geben wird: Die Stimmenauszählung nach der Jugendgemeinderatswahl 2011. Archivfoto: Bianca-Pia Duda
Crailsheim / MARIUS LEUSCHNER 06.06.2013
Mindestens 16 Bewerber hätte es gebraucht, um den siebten Crailsheimer Jugendgemeinderat neu zu besetzen. Beworben haben sich aber nur sechs.

"Zu eurer Motivation haben wir uns einen kleinen Wahlwerbespot überlegt. Wir wünschen euch viel Spaß", heißt es in einem Video, das der Jugendgemeinderat (JGR) der Stadt Crailsheim bei Youtube veröffentlichte. Genutzt hat es nichts. Diesmal konnte man kaum Jugendliche dazu motivieren, sich als potenzielle Nachfolger aufstellen zu lassen - trotz intensiver Werbung auch an den Schulen. Die Wahl hätte eigentlich vom 8. bis 13. Juli stattfinden sollen. Erforderlich gewesen wären wenigstens 16 Bewerber, es blieb aber bei sechs.

"Hätte" und "Wäre" sind Begriffe, die man bei den bisher sechs erfolgreichen Wahlen des Jugendgemeinderats nie verwenden musste. Dass sich das geändert hat, bestürzt Margarete Ruck von der Stadtverwaltung als Betreuerin des JGRs. "Das war nicht zu erwarten", sagt sie. Bewerbungen "auf den letzten Drücker" sei man von den Vorjahren zwar schon gewohnt, "aber dass sich letztlich so wenige bewerben, ist überaus enttäuschend." Am 22. Juni trifft sich der jetzige Rat nochmals zu einer Sitzung. Dann will man besprechen, wie es nun weitergehen soll - und wie es zu der geringen Beteiligung kommen konnte.

Darauf weiß Ruck noch keine Antwort. "Ich würde den Ratsmitgliedern auf keinen Fall die Schuld geben. Sie haben sich mit der Werbung viel Mühe gegeben", betont sie. "Das Desinteresse war wohl schon in den Klassen spürbar."

Neben vier Kandidaten, die sich wieder aufstellen lassen wollten, zeigten mit Sebastian Arendt und Domenic Hofmann nur zwei Neubewerber Interesse.

Oberbürgermeister Rudolf Michl hat nun vorgeschlagen, dass die sechs Bewerber als eine Art "Jugendbeirat" am kommunalpolitischen Geschehen teilhaben könnten - allerdings ohne offizielles Mandat. Auch denkt man im Moment über einen erneuten Wahlgang nach. Ein klares Konzept gibt es dafür allerdings noch nicht.

Der von 2011 bis 2013 aktive JGR sorgte vor allem mit dem "Projekt Bahnhof" für Aufsehen, als die Jugendgemeinderäte in Eigeninitiative den Crailsheimer Bahnhof strichen. Der Innenraumenovierung durch die Bahn war eine Debatte um den miserablen Zustand des Bahnhofs vorausgegangen, die der JGR mitinitiiert hatte.