Nach Bob Dylan gastierte eine weitere lebende Rock-Legende im Äußeren Schlosshof von Bad Mergentheim: Mark Knopfler, Kopf der Band Dire Straits, spielte auf seiner "Privateering Tournee" in der Kurstadt, tags darauf zog er nach Stuttgart um. Knopflers neues Doppelalbum ist erst seit Kurzem auf dem Markt - nur fünf Konzerte spielt er in Deutschland; Bad Mergentheim sah und vor allem hörte eines davon.

"Meisterwerke relaxter Rockmusik" werden Knopfler immer wieder attestiert, zu Recht. Waren die Dire Straits trotz des unverwechselbaren Sounds von Knopflers Gitarre noch vergleichsweise standard-rockig, tönt es seit einigen Jahren immer country- und folkartiger. Da legt sich der Teppich der Ruhe schnell übers Konzertgelände, die Fans stehen paarweise oder in kleinen Grüppchen, trinken Bier und hören einfach zu. "Shangri-La" hat Knopfler im Gepäck und das wunderschöne "Juliet when we made love you used to cry" ("Romeo & Juliet"), da geht einem schon das Herz auf. Doch ein Best-of-Oldies spielt er nicht, der Folk hält Einzug mit Akkordeonklängen, Violinen und Flöten. Mark Knopfler, ein mal trockener, mal lyrischer Geschichtenerzähler, der Schicksale in seinen Texten verdichten kann.

Sein Doppel-Album "Privateering" gleicht einem Geografiealbum voll amerikanischer Musik, die ihn, den in Glasgow Geborenen, geformt hat. Die großen Kracher wie "Sultans of Swing" oder "Money for nothing" lässt er folgerichtig aus. Dennoch klingt Knopfler wie Knopfler: Charakteristisch, neben seiner warmen, manchmal knurrig-rauchigen Stimme, ist sein Gitarrenspiel. Die Saiten der E-Gitarre werden nicht hart mit dem Plättchen angeschlagen, sondern mit den Fingerkuppen gepickt. Das ist mitunter sogar butterweich, das Publikum schwingt und singt im Sound mit, sentimental und eine Reise an Orte der Vergangenheit, mit eher fast schon harmlosen Versatzstücken aus dem Setzkasten der Rock- und Bluesgeschichte. Auf den Grammy-Gewinner trifft die Bezeichnung Superstar wirklich zu, obwohl er sich selbst nie als solchen bezeichnet. Seine Musik beschrieb ein Kritiker als "Gegenentwurf zum hektischen Popzirkus, der selbst zum Welterfolg avancierte" - besser kann man es nicht ausdrücken.