Es war nicht der Mühlenbrand bei Lobenhausen, der die Jagst auf der fünfstufigen Skala der Gewässerbewertung um eine Stufe zurückfallen ließ. Genau so aber hat Referatsleiterin Eva de Haas bei einem Besuch von Umweltminister Franz Untersteller in Crailsheim die Folgen des Unglücks zusammengefasst, bei dem 2015 mit dem Löschwasser Mineraldünger in die Jagst gespült wurde. Das HT wollte mehr wissen, etwa zum Zustand der Jagst bis Lobenhausen, sowie vor und nach dem Brand – und erfuhr Erstaunliches.

Von Maulach bis Ette

Die Wasserqualität der Jagst habe sich durch das Jagstunglück nur vorübergehend verändert, so das Regierungspräsidium. Die Düngemittel seien mit der Strömung flussabwärts bis in den Neckar getrieben und hätten dort aufgrund zunehmender Verdünnung keinen Schaden mehr angerichtet. Nachdem die Giftstoffe ausgespült waren, habe sich in der Jagst wieder dieselbe Wasserqualität eingestellt wie vor dem Unglück. Allerdings habe sich in der Jagst unterhalb Maulach bis inklusive Ette bei der aktuellen Bewertung nach der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) die Einstufung auf der fünfstufigen Skala um eine Stufe von „mäßig“ nach „unbefriedigend“ verschlechtert.

Fischsterben nicht maßgeblich

Obwohl nach dem Brand unterhalb der Unglücksstelle auf nahezu 20 Kilometern alle Fische verendeten – also sowohl die, die sich natürlich dort entwickelt hatten, als auch die von den Fischereiverbänden eingesetzten – war die Bewertung der Fischbestände in den Folgejahren für die Verschlechterung der Bewertung nicht maßgeblich. Umfangreiche Besatzmaßnahmen im Sommer 2016 im Rahmen des Aktionsprogramms Jagst sowie natürliche Reproduktion der Fischbestände führten dazu, dass diese, wie vor dem Brandereignis, wieder mit „mäßig“ eingestuft wurden.
Der Zustand der wirbellosen Kleintiere, die im Wasser leben und mit dem Auge noch erkennbar sind (Makrozoobenthos, MZB), hat sich in der aktuellen Bewertung allerdings von „mäßig“ nach „unbefriedigend“ verschlechtert. Die Ursache dieser Verschlechterung kann freilich nicht das Jagstunglück sein, da die MZB-Beprobung dem Regierungspräsidium zufolge bereits vor dem Brand im Juli 2015 stattfand. Die Verschlechterung dieser einen biologischen Qualitätskomponente hat dann zu einer schlechteren Bewertung der gesamten Jagst geführt.

Aufwertung der Jagst

Die außergewöhnlich naturbelassene Jagst mit ihren botanischen und zoologischen Raritäten ist für das Land von großer Bedeutung, wie immer wieder betont wurde: Um die Brandschäden zu beheben, aber auch um die ökologische Widerstandsfähigkeit der Jagst beispielhaft zu erhöhen, wurde das Aktionsprogramm aufgelegt, mit dem unter anderem für Durchgängigkeit gesorgt wird.
Finanziert wird das Ganze über das Wasserentnahmegeld, früher Wasserpfennig genannt, das in Baden-Württemberg mittlerweile zweckgebunden für Maßnahmen zum Hochwasserschutz und der Gewässerökologie eingesetzt wird. „Im Altkreis Crailsheim wurden damit durch den Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium Stuttgart über 50 Maßnahmen verwirklicht“, so teilt der Fachbereich mit. Benannt werden etwa die Ausräumung des verlandeten Nebenarms bei Unterregenbach, die Entfernung des harten Uferverbaus nordwestlich von Hürden bei Langenburg – verbunden unter anderem mit einer neu angelegten Eisvogelwand – oder die Wiederherstellung eines bestehenden Nebenarms bei Kirchberg.