Landkreis Jagd auf den Kormoran eröffnet

500 Gramm Fisch frisst ein Kormoran pro Tag, dieses Exemplar verschlingt gerade einen Hecht.
500 Gramm Fisch frisst ein Kormoran pro Tag, dieses Exemplar verschlingt gerade einen Hecht. © Foto: iStockphoto.com / Michael Skelton
Landkreis / JENS SITAREK 03.08.2016
Jetzt ist es amtlich. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat eine Ausnahmegenehmigung für die letale Vergrämung von Kormoranen an der Jagst erteilt.

Letale Vergrämung – was in der Behördensprache vermeintlich so harmlos klingt, meint schlichtweg den Abschuss des Kormorans. Das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde hat für Teilstrecken der Jagst und der Nebenflüsse Seckach und Kessach eine entsprechende Erlaubnis erteilt ( das HT berichtete ). Diese gilt vom 1. September an bis zum 15. März, von 2016 bis 2022.

In den fünf Jahren dürfen 170 Kormorane getötet werden, maximal 50 pro Jahr. Der Abschuss an der Jagst ist zwischen der Brücke in Hessenau bis zur Neckar-Mündung zulässig – mit Ausnahme folgender Strecken: Einmündung Stechbergklinge bis Einmündung Schindbach (Langenburg), Brücke Mulfingen bis Brücke Dörzbach und Brücke Gommersdorf bis Kläranlage Schöntal.

Fischhegegemeinschaft Jagst "für uns völlig unakzeptabel"

„Die Auswertung der Fischbestandsuntersuchungen lässt darauf schließen, dass der Fraßdruck des Kormorans dazu führt, dass die Fischbestände in der Individuendichte stark ausgedünnt werden“, heißt es beim RP zur Begründung. Und weiter: „Es ist erkennbar, dass ohne nachhaltige Vergrämungsmaßnahmen sich die Schäden an Populationen heimischer Fischarten weiter vergrößern werden.“ Zudem sieht das RP darin eine „flankierende Maßnahme nach dem Schadensereignis“. Mit Schadensereignis ist der Mühlenbrand in Lobenhausen im August vergangenen Jahres gemeint, bei dem giftiges Löschwasser in die Jagst gelangte und tonnenweise Fische starben. Von einer flankierenden Maßnahme kann lediglich die Rede sein, weil das Gutachten, auf das sich die Behörde stützt, bereits vor dem Schadensereignis entstand.

Demzufolge wundert es nicht, dass Markus Hannemann, der Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst, das Ergebnis als „für uns völlig unakzeptabel“ bezeichnet, „da selbst in den geschädigten Gebieten weiterhin keine Vergrämung möglich sein wird“. Naturschutzgebiete sind von der Ausnahmeentscheidung nicht betroffen. Hannemann macht keinen Hehl daraus, dass er es sich gewünscht hätte, wenn die ganze Jagst-Strecke berücksichtigt worden wäre. Dann würde seiner Meinung nach auch die Umsetzaktion Sinn machen, die Mitte Juli über die Bühne ging, bei der eine Tonne Lebendfisch ausgesetzt wurde. Im Vergleich zu früher – von 2008 bis 2011 war die Vergrämung des Kormorans schon mal erlaubt – ändere sich nicht viel, findet Hannemann. „Das Jagstunglück wurde völlig außer Acht gelassen.“ Er versteht nicht, wieso das RP dann knapp drei Jahre für die Entscheidung brauchte.

„Der Druck für Crailsheim wird größer werden“

„Ein langer Entscheidungsfindungsprozess“, so klingt das bei Bruno Fischer. Als Vorsitzender des Naturschutzbundes Kirchberg und Mitglied des Fischereivereins Kirchberg hat er ein Herz für Kormorane und ein Herz für Fische. Auf der einen Seite findet Fischer es gut, dass die Naturschutzgebiete ausgespart bleiben. Auf der anderen Seite sei die besondere Situation an der Jagst nicht berücksichtigt. „Das hätte man ein bisschen flexibler gestalten müssen“, sagt er.

Dafür scheint der Kormoran flexibel, immerhin. Da es gerade nicht viele Fische für ihn ab Kirchberg zu holen gibt, steht zu befürchten, dass er ausweicht. „Der Druck für Crailsheim wird größer werden“, meint Fischer. Michael Stephan, Vorsitzender des Angelsportvereins Crailsheim, berichtet, dass es von Jahr zu Jahr weniger Fische gibt. Ob das am Kormoran liegt, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen. Aber Fakt ist: Im Bereich Rothmühle bei Ingersheim gibt es schon einen Kormoran-Schlafbaum, dort wurden zuletzt rund 60 Tiere gesichtet.

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