Gerabronn Israel Landauer: ein wichtiger Mann für die Stadt

Gerabronn / Nina Piorr 27.07.2018
Israel Landauer kam am 26. Juli 1843 in der Hauptstraße 8 zur Welt. Am Sonntag gedenkt man beim Kulturbahnhofsfest dem ersten Gerabronner Ehrenbürger.

Israel Landauer wäre 175 Jahre alt geworden, das wollen wir feiern“, erklärt Erwin Seckel. Als Mitglied des Historischen Arbeitskreises Gerabronn engagiert er sich für die Aufbereitung der Stadtgeschichte und sammelt historische Dokumente. Bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit stößt er immer wieder auf Israel Landauer, der in der Stadthistorie eine wichtige Rolle spielte: „Er hat die Entwicklung Gera­bronns von einem bäuerlichen Dorf zu einem regionalen Gewerbe- und Industriezentrum als sein Lebenswerk angesehen“, sagt Seckel. So habe er die Abwanderung vieler Gerabronner in den stärker industrialisierten Raum Stuttgart verhindert. Seckels Arbeitskreiskollege August Degenhart fügt an: „Israel Landauer war ein wichtiger Mann für Gerabronn.“

Vielseitiger Förderer

Die Liste an Verdiensten des gelernten Bankkaufmanns Landauer ist lang. Mit der „Landwirtschafts- und Gewerbebank“ hat das fünfte Kind des jüdischen Ehepaars Marx und Gidel Landauer 1869 nicht nur den Vorläufer der späteren Volksbank Hohenlohe gegründet. Ebenso hat er 1882 eine Molkereigenossenschaft ins Leben gerufen und sieben Jahre danach die „Hohenlohesche Präservenfabrik Landauer & Co.“, aus der die „Schüle-AG“ hervorging. Die dort hergestellte „Erbswurst-Suppe“ wurde deutschlandweit sowie an die Armee des Deutschen Kaiserreichs geliefert. Zudem hat sich der Unternehmer durch eine Baugenossenschaft für günstigen Arbeiter-Wohnraum eingesetzt und das örtliche Vereinswesen mit dem Bau einer Turnhalle gefördert.

Heute existieren in Gerabronn nur noch wenige Bauwerke Landauers. Eines davon ist das alte Bahnhofsgebäude. „Israel Landauer hat sich für den Bau der Nebenbahnlinie Blaufelden-Langenburg engagiert und 1900 noch die Einweihung der Bahnlinie erlebt“, so Seckel. Aus diesem Grund finden die Feierlichkeiten zum Gedenken an den 1909 zum ersten Ehrenbürger der Stadt berufenen Gerabronner kommenden Sonntag von 10.30 Uhr bis 18 Uhr rund um das ehemalige Bahngebäude statt. „Daran hätte Landauer seine Freude gehabt“, glaubt Seckel.

In Kooperation mit dem Förderverein Nebenbahn, der die 1996 stillgelegte Bahnlinie reaktivieren möchte, hat der Historische Arbeitskreis ein Programm zusammengestellt. Die Erlöse des Fests, zu dem auch Nachfahren von Landauers Brüdern aus England und Kanada erwartet werden, kommen der Arbeit des Fördervereins zugute.

Musik, Bilder und Replikate

Unter dem Motto „Israel Landauer – ein Leben für Gerabronn“ informiert eine Ausstellung im Bahnhof mit alten Werbeschildern und Replikaten über das Lebenswerk des Geschäftsmanns. Bürgermeister Christian Mauch spricht um 14 Uhr im Güterschuppen ein Grußwort. Die Besucher erwartet ebenfalls ein Bildervortrag des Arbeitskreises. Für die musikalische Umrahmung des Festtags sorgen ab 11 Uhr die Stadtkapelle Gerabronn sowie am Nachmittag die „Crailsheimer Straßen- und Wirtshausmusik“ und die „Gerabronner Drehorgelspieler“. Um das leibliche Wohl kümmert sich der Förderverein Nebenbahn.

Wem das Essen gemundet hat, kann die Gerichte im Anschluss zu Hause nachkochen. Denn ähnlich wie anlässlich Landauers 100. Todestag 2013 gibt der Historische Arbeitskreis ein Werk zu Gerabronns Ehrenbürger heraus. „Dieses Mal haben wir ein Kochbuch mit Werberezepten aus der ‚Schüle AG‘ zusammengestellt“, erläutert Degenhart. Am Sonntag wird das 140 Seiten umfassende Werk mit dem Titel „Haferflocken, Erbswurst & Co. – Gute Rezepte für Hohenloher“ vorgestellt. „Es ist interessant, wie unsere Vorfahren gekocht haben“, findet Seckel: gut, preiswert und gesund. Ein weiteres Verdienst des Gerabronners Israel Landauers.

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