Crailsheim / JOACHIM MAYERSHOFER  Uhr
"Lagerfeuergeschichten" hat der Überlebensexperte Rüdiger Nehberg am Sonntag in Crailsheim dabei. Unter anderem spricht er über seinen Kampf gegen grausame Tradition und über unappetitliches Essen.

Herr Nehberg, Sie sind mit Ihren Lagerfeuergeschichten auf Tour. Auf was dürfen sich Ihre Gäste freuen?

RÜDIGER NEHBERG: Es ist ein Lebenslauf, dargestellt in sehr besonderen Bildern und Geschichten. Der erste Schwerpunkt sind Survival-Anekdoten. Einige erzähle ich ohne Bilder, andere mit Filmen. Dabei sind auch Beispiele von angewandten Survival-Erlebnissen in Deutschland wie mein Marsch von Hamburg nach Oberstdorf über 1000 Kilometer ohne Nahrung. Oder das Angstüberwindungstraining bei den Kampfschwimmern, als ich gefesselt an Händen und Füßen ins tiefe Wasser geworfen wurde. Ich hatte Angst vor Wasser, als ich die ersten Male über den Atlantik fuhr mit einem Baumstamm oder einem Tretboot. Das sind amüsante Geschichten.

Danach geht es um ernste Themen?

NEHBERG: Dann komme ich auf die Indianervernichtung durch Goldsucher zu sprechen, auch mit vielen Filmbeispielen, weil die einfach eindringlicher sind als stehende Bilder. Nach der Pause kommt mein aktueller Lebensschwerpunkt: der Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung in engster Kooperation mit den höchsten Würdenträgern des Islam.

Welche witzige Lagerfeuergeschichte ist Ihnen am meisten im Gedächtnis haften geblieben?

NEHBERG: Eine erzähle ich immer gerne. Die habe ich auch als Film dabei. Ich habe beim Training eine Ringelnatter gefangen, die ich aber nicht essen durfte, weil sie unter Naturschutz steht. Man sah jedoch, dass sie etwas gefressen hatte. Ich dachte einen Fisch. Den wollte ich essen und habe ihn herausmassiert. Zu meiner Überraschung war es aber ein Frosch, der auch unter Naturschutz stand. Also wollte ich ihn wieder zurückstecken. Das hat die Schlange aber nicht mit sich machen lassen. Und dann habe ich ihn doch gegessen. Das wurde im Fernsehen gezeigt. Daraufhin bekam ich viele Zuschriften. Darunter ein Klassiker. Ein Zwölfjähriger schrieb: "Lieber Rüdiger. Dein Film lief genau an meinem Geburtstag. Das Tollste war, als du der Schlange den Frosch geklaut hast. Da rutschte meine Mama langsam vom Stuhl und wurde ohnmächtig. Das war mein schönstes Geburtstagsgeschenk." Es gab aber auch viele tolle Episoden in Verbindung mit dem Islam, was man normalerweise gar nicht für möglich hält.

Zum Beispiel?

NEHBERG: Meine Frau und ich haben die Erlaubnis erhalten, in einem der höchsten Heiligtümer im Islam, die Azhar zu Kairo, eine internationale Gelehrtenkonferenz zum Thema weibliche Genitalverstümmelung zu veranstalten. Die hohen Geistlichen, oft sehr alte Männer, haben den Mut aufgebracht, diese lebenslang vertretene Meinung zu ändern und den Brauch zu ächten, ihn zur Sünde zu erklären.

Hat sich seit Ihrem ersten Kontakt mit dieser Thematik etwas entscheidend verändert?

NEHBERG: Das Bewusstsein in der Öffentlichkeit ist gewaltig gestiegen. Dort, wo wir speziell arbeiten, in der Danakil-Wüste in Äthiopien, wo die übelste Form praktiziert wurde, dort ist es zu 95 Prozent vorbei. Vor Kurzem haben die Scheichs vorgeschlagen, endlich auch eine Bestrafung einzuführen. 25 Kamele, wer es immer noch tut. Da ist schon was passiert. Aber weltweit gesehen, ist es mir noch zu wenig. Deswegen arbeite ich mit großer Power und Intensität daran, dass auch der saudi-arabische König mitmacht und diese tolle Botschaft, dass es Sünde ist, in Mekka verbreitet: mit einem Transparent über der Kaaba. Die Türken in Hamburg fanden die Idee so gut, dass sie mir gestatteten, mein Transparent zwischen den Minaretten ihrer größten Moschee Probe zu spannen. Im Vortrag zeige ich auch Filmsequenzen, wie wir im Auftrag eines hohen mauretanischen Geistlichen diese Botschaft auf Fahnen drucken und diese mit einer eigenen Kamelkarawane in die Wüste tragen, um in jeder Oase eine solche Fahne zu hinterlassen. 1001 Nacht pur.

Sind Sie zuversichtlich, dass Sie das Ende dieser unsäglichen Tradition noch erleben werden?

NEHBERG: Das ist meine große Hoffnung. Vielleicht ist es eine Illusion, aber ich habe noch vier heiße Eisen im Feuer, die alle sehr verschieden sind. Die darf ich aber noch nicht verraten. Wenn die Leute jedweder Religion merken, es ist eine Sünde, dann wird das ein Ende haben.

Banker oder Manager zahlen oft viel Geld, um einige Tage lang Abenteurer zu sein und das Gemeinschaftsgefühl in der Firma zu stärken.

NEHBERG: Das findet ja immer unter Überwachung statt. Das ist noch keine besondere Leistung. Das ist wie Schulunterricht. Was man daraus macht, ist eine zweite Sache.

Wo ist für Sie im kommerziellen Bereich die Grenze überschritten?

NEHBERG: Zum Beispiel beim Dschungelcamp. Das ist eine Beleidigung jedes Grashalmes und absoluter Nonsens. Alles ist abgesichert, in einem umzäunten Gebiet, mit Teichen aus Gummifolie. Im Grunde ist jeder Kommentar schon zu viel Zeitvergeudung.

Auf Ihrem Speiseplan standen Maden, Würmer und ähnliche Leckereien. Welches Essen hat Sie am meisten Überwindung gekostet?

NEHBERG: Die Asche von toten Indianern in Bananensuppe. Das ist bei den Yanomami in Brasilien Tradition. Wenn einer stirbt, wird das Fleisch im Urwald abgefault, die Knochen werden verbrannt und pulverisiert und in die Suppe gestreut.
 


Info Welches "bissfeste" Essen Rüdiger Nehberg im damaligen Jugoslawien den Appetit verdorben hat und vieles mehr erzählt er am Sonntag, 10. November, von 17 Uhr an im Kammerkino in Crailsheim. Karten gibt es bei Sport Leiberich in Crailsheim, Telefon 0 79 51 / 9 45 90.

Zur Person vom 5. November 2013