Crailsheim Interview: Daniel Wirtz über Rothenburg, Lob an der Wursttheke und ausgerollte Teppiche

Daniel Wirtz tritt am Samstag, 1. August, in Rothenburg auf - vor Xavier Naidoo. Karten gibt es im HT-Shop.
Daniel Wirtz tritt am Samstag, 1. August, in Rothenburg auf - vor Xavier Naidoo. Karten gibt es im HT-Shop. © Foto: Ina Bohnsack
Crailsheim / JOACHIM MAYERSHOFER 16.07.2015
Daniel Wirtz ist durch die TV-Show "Sing meinen Song" der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Am Samstag, 1. August, tritt er in Rothenburg auf. Das HOHENLOHER TAGBLATT bat ihn zum Interview mit seinen Songtiteln.

HOHENLOHER TAGBLATT: Herr Wirtz, die Fernsehsendung "Sing meinen Song" ist für Sie schon "Ne Weile her". Wie hat die Show Ihr Leben verändert?

DANIEL WIRTZ: Wenn es um mein eigenes Leben geht, hat sich nicht so viel verändert vom inneren Gefühl her. Es ist natürlich ungewohnt, sich im Fernsehen zu sehen. Ansonsten hat sich der eine oder andere alte Freund aus der Heimatstadt mal wieder kurz gemeldet und sich gefreut. Oder dass man an der Tankstelle oder über die Wursttheke die Hand gereicht kriegt: "Ich wollte mal sagen, es ist jede Woche eine unglaubliche Bereicherung, Sie da sehen zu dürfen. Das gefällt mir so gut." Es gibt ein paar nette Sprüche mehr als vor der Sendung.

Ist "Der lange Weg" zum Star damit endlich geschafft?

WIRTZ: Ich betrachte die Leute, die auf meine Konzerte kommen, nicht als Fans und würde mich auch nicht als Star betrachten. Dafür bin ich vielleicht zu geerdet. Es ist einfach total schön, mit dem, was man liebt und was man macht, seinen Unterhalt bestreiten zu können und damit sowohl mich als auch andere Menschen glücklich machen zu können. Aber auch jeder Handwerker hat wahrscheinlich leuchtende Augen, wenn er sieht, dass er mit seinem Werk jemand anderen erreicht. Ich bin froh, dass ich einen langen Weg hinter mir habe und nicht davon abweichen musste. Und ich hoffe, dass der Weg, den ich vor mir habe, noch sehr lang ist.

Fühlen Sie sich als "Goldenes Kind"?

WIRTZ: Plakativ betrachtet bin ich natürlich ein goldenes Kind. Wenn man das Glück hat, von dem, was man liebt, leben zu dürfen und dann auch noch gesund ist - das kann im nächsten Leben nur schlechter werden. Ich genieße es sehr und bin jeden Tag dankbar dafür, dass ich mich selbst als goldenes Kind sehen darf.

Fühlen Sie sich "Frei"?

WIRTZ: Ich fühle mich sehr frei. Es ist toll, dass ich in der unglaublich schönen Situation bin, dass ich als freier Mann mit dem Soloprojekt angefangen habe, mich nicht verbiegen lassen musste und es alles trotzdem so einen Anklang findet. Das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt.

Haben Sie sich in Südafrika manchmal gedacht: "Hol mich heim"?

WIRTZ: Ich bin einer, der gerne nach Hause kommt. Aber nach ein paar Tagen bin ich auch froh, wenn ich wieder los darf. In Südafrika hätte ich gerne etwas mehr Zeit verbracht, weil man so viele Eindrücke gesammelt hat, die man gar nicht verarbeiten konnte. Ich konnte es oft gar nicht so aufsaugen und genießen, wie ich es wollte. Vielleicht ist auch mein Gehirn zu klein und zu alt.

Auf der Eiswiese in Rothenburg werden am 1. August mehr als "Elf Zeugen" Ihrer Musik lauschen. Stört es Sie, dass ein Großteil der Zuhörer vermutlich wegen Xavier Naidoo kommt, der direkt nach Ihnen auftritt?

WIRTZ: Das Schönste, was man einem anderen Musiker schenken kann, sind seine hart erspielten Menschen. Dafür ist er sehr lange durch die Lande gezogen und hat gute, tolle Songs und tolle Platten gemacht, um dahin zu kommen, wo er jetzt ist. Von daher ist es ein Beleg mehr dafür, was für ein toller Mensch er ist, indem er sagt: Ich schenke dir noch das, was ich hier alles habe, und nimm dir die Menschen mit, denen dein Zeug gefällt. Er moderiert mich jeden Abend an und sagt, dass er sich in meine Musik verliebt hat. Besser kann man mir den Teppich nicht ausrollen. Das ehrt mich total.

Haben Sie "Sehnsucht", einmal an einem bestimmten Ort zu spielen und das Publikum zu begeistern?

WIRTZ: Es gibt so viele schöne Orte, die ich schon einmal gesehen habe und noch sehen will. Die Kulisse in Rothenburg ob der Tauber hat aber etwas Einmaliges. Ich habe einmal mit Sub7even und einmal solo auf der kleinen Bühne beim Taubertal-Festival gespielt. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, würde ich gerne noch einmal solo auf der großen Bühne beim Taubertal spielen. Es ist ein großes Festival, aber man hat immer noch das Gefühl, die Mama steht hinten und backt mit Liebe die Brötchen.

Werden Sie "Wenn sie diesen Tango hört" dann bei Ihrem Auftritt in Rothenburg auch spielen, obwohl es ja ein Lied von Pur ist?

WIRTZ: Ich wusste, dass ich Hartmut damit berühre. Ich hätte aber nie gedacht, dass ich so viele andere Menschen damit berühre, inklusive meiner eigenen Leute. Ich bin gerade dabei, die Songs für die Tour zusammenzustellen. Ich werde meine Leute im Internet explizit fragen, was sie gerne dabei hätten. Sollte da der Tango als Bitte kommen, werde ich den Teufel tun und dem Gast das verwehren. Im Klub auf meiner Tour kann ich mir das sehr gut vorstellen. Open air könnte das aber etwas kontraproduktiv zu der Stimmung sein, wenn alle gerade gute Laune haben.

Was tat Ihnen zuletzt "Richtig weh"?

WIRTZ: Der letzte Videodreh. Ich habe eine wahre Begebenheit, die einmal in hundert Jahren vorkommt, niedergeschrieben. Dementsprechend gab es harte Nachbeben, die jetzt noch einmal reproduziert wurden. Da dachte ich mir: Achte mal drauf, was du für Songs schreibst.

Das Interview führte HT-Redakteur Joachim Mayershofer.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel