Region Interview: "Mannschaftssportarten tendenziell weniger betroffen"

Dieter Schmidt-Volkmar Privatfoto
Dieter Schmidt-Volkmar Privatfoto
Region / JULIA VOGELMANN 29.11.2014
Der Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg Dieter Schmidt-Volkmar sieht den "Drop-out" als vorrangig weibliches Phänomen.

Seit wann sind Drop-out und Fluktuation als Problem erkannt?

DIETER SCHMIDT-VOLKMAR: Dieses Phänomen existiert schon seit Längerem und betrifft insbesondere Mädchen beziehungsweise junge Frauen zwischen elf und 17 Jahren. Deren Freizeitverhalten ändert sich in dieser Phase weg von Vereinen jeglicher Art, so auch im Sport. Mädchen und junge Frauen sind in dieser Lebensphase nicht durchweg kompetitiv ausgerichtet, wie es in klassischen Sportangeboten der Sportvereine bei Ligabetrieben und Meisterschaften vorherrscht.

Wie reagieren Sportvereine auf das Phänomen?

SCHMIDT-VOLKMAR: Lösungsansätze sind überfachliche Angebote, die den Interessenlagen der Zielgruppe entsprechen. Die Übungsleiterausbildung gibt es für die Vertiefung Wettkampfsport als auch Freizeit-Breitensport. Für die nicht wettkampforientierten Mädchen können eher gesellige Breitensportangebote zum Verbleib beitragen. Zudem können sich Engagierte zu Jugendleitern ausbilden lassen, die Angebote für die Zielgruppe jenseits des Sports unterbreiten, wie zum Beispiel Ausflüge, Freizeiten, Feste et cetera.

Gibt es Sportarten, die dieses Problem nicht haben? Und gibt es welche, die massiver darunter leiden?

SCHMIDT-VOLKMAR: Mannschaftssportarten sind tendenziell weniger betroffen; allerdings sind die Einzelsportarten Leichtathletik, Schwimmen und Turnen durchaus davon berührt.

Die Fragen stellte Julia Vogelmann.

Zur Person

Nach der Jugend- und Studienzeit war Dieter Schmidt-Volkmar in Heidelberg zunächst eher der Leichtathletik verbunden, avancierte bald zum Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes. Von 1970 bis 1973 war er in München als Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Organisationskomitee der Olympischen Spiele. Von 1991 bis 2009 führte er den Basketballverband Baden-Württemberg. 2007 wurde er zum Präsidenten des Landessportverbandes gewählt. Für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten bekam er 2001 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

JUVO