Crailsheim / HERIBERT LOHR  Uhr
Es gibt Menschen, die haben eine Linie. Der scheidende IHK-Präsident Harald Unkelbach gehört dazu. Ein Kommentar von Heribert Lohr.

Während andernorts die Kammeroberen trotz höchstrichterlicher Entscheidung an ihren Sesseln kleben, zieht der promovierte Mathematiker die Konsequenzen aus einem Verstoß gegen rechtliche Formalien, die er gar nicht zu verantworten hat.

Wäre er im Amt geblieben, hätte er sich angreifbar gemacht und das Präsidentenamt, um dessen Reputation sich der gebürtige Hesse so intensiv bemüht, wohl Schaden genommen. Dass er sich obendrein bereit erklärt, nach Änderung der Wahlordnung für eine neue Kandidatur zur Verfügung zu stehen, sagt viel über sein Verständnis von gesellschaftlicher Verantwortung aus. Sollte am 3. Dezember, wie angedacht, neu gewählt werden, schlägt für die Vollversammlungsmitglieder allerdings auch die Stunde der Wahrheit. Denn dann müssen sie auch darüber befinden, ob sie einen Mann an der Spitze wollen, der für eine transparent geführte Kammer steht, dabei aber konsequent-streitbar für seine Positionen ficht und sich deswegen nicht verbiegt. Eine rechtliche Formalie zu übersehen, ist eine (ärgerliche) Sache - einen Präsidenten ohne eindeutiges Votum im Regen stehen zu lassen, wäre eine andere.

Ein Kommentar von Heribert Lohr.