Landkreis INS VISIER GENOMMEN: Landratsamt gibt kein gutes Bild ab

Andreas Harthan zum Thema JAGST a.harthan@swp.de
Andreas Harthan zum Thema JAGST a.harthan@swp.de © Foto:  
Landkreis / ANDREAS HARTHAN 05.09.2015
Den Hohenlohern blutet das Herz: Ihre geliebte Jagst kämpft ums Überleben. Die Folgen des Mühlenbrandes in Lobenhausen sind kein Schadensfall, sie stellen eine Katastrophe dar - auch wenn nie Katastrophenalarm ausgelöst wurde. Warum eigentlich nicht? Ein Kommentar von ANDREAS HARTHAN.

Umweltminister Franz Untersteller spricht von einer "ökologischen Katastrophe", Naturschutzminister Alexander Bonde erinnert an die Sandoz-Katastrophe am Rhein. Übertreiben da zwei grüne Landesminister? Keinesfalls! Was am 23. August und in den Tagen danach passiert ist, ist nicht irgendein Fischsterben, weil irgendwo mal wieder ein bisschen Kunstdünger ins Wasser gelangt ist. Die Giftfahne, die von Lobenhausen jagstabwärts driftete, sorgte dafür, dass über mehrere Flusskilometer hinweg so gut wie jedes Leben ausgelöscht wurde.

Die Jagst wird sich trotzdem erholen, das ist mittlerweile ziemlich sicher. Darüber freuen sich alle Hohenloher. Keine Frage: Unser Blick sollte sich nach vorne richten. Aber das, was in den vergangenen zwei Wochen geschehen ist, darf nicht vergessen werden. Es muss jetzt schnell und umfassend aufgearbeitet werden. Gab es Fehler beim Feuerwehreinsatz? Wie kann es sein, dass aus einem abgedichteten Überlauf plötzlich kontaminiertes Löschwasser fließt? Hat das Landratsamt die Brandfolgen unterschätzt? Vieles spricht dafür. Warum stellt sich erst zwei Tage nach dem Brand ein Großaufgebot von Feuerwehren und Technischem Hilfswerk am Fluss ein? Warum tagt der Jagst-Arbeitskreis im Haller Landratsamt hinter verschlossenen Türen und nicht öffentlich wie im Hohenlohekreis? Warum geht der Landrat trotz Jagst-Katastrophe in den Urlaub, während der Umweltminister wegen ihr seinen abbricht?

Das Landratsamt hat sich bei der Bewältigung der Katastrophe nicht mit Ruhm bekleckert. Umso mehr sollte es sich jetzt bei den Anstrengungen um die Wiederbelebung der Jagst ins Zeug legen und nicht mit der Einrichtung eines Spendenkontos Symbolpolitik betreiben. Der Jagst helfen Taten - keine Spenden.