Michelfeld In Witzmannsweiler und Blindheim gibt's keine kabelgebundenen DSL-Neuanschlüsse

Auf dem Wasserturm bei Mainhardt-Maibach sind Mobilfunkantennen montiert, die schnelles Internet per LTE übermitteln können.
Auf dem Wasserturm bei Mainhardt-Maibach sind Mobilfunkantennen montiert, die schnelles Internet per LTE übermitteln können. © Foto: Oliver Färber
OLIVER FÄRBER 12.03.2015
Schnell und kostengünstig im Internet surfen, darüber Filme anschauen oder zu telefonieren, ist für viele so normal wie Wasser aus dem Hahnen. Doch in Witzmannsweiler oder Blindheim ist das ein Problem.

81 Bürger aus Witzmannsweiler und Blindheim haben eine Unterschriftenliste bei der Gemeinde Michelfeld eingereicht. Bürgermeister Wolfgang Binnig kann das auch verstehen. "Das ist ein Zeichen. Sie wollen, dass man sie bei der Internetversorgung nicht vergisst", meint er. Denn dass die Kommune tätig sei, um auch in anderen Teilorten eine schnelle Breitbandversorgung einzurichten, das sei laut Binnig bekannt. Das gelte auch für Witzmannsweiler und Blindheim, die zum Telefonortsnetz Mainhardt mit der Vorwahl 07903 gehören. Aus dem dortigen Gemeindegebiet gebe es, wie Binnig sagt, auch die Alternative: Auf dem Maibacher Fernsehturm hat der Mobilfunkanbieter Vodafone Antennen montiert, welche drahtlos über das System LTE einen Datenanschluss ermöglichten. "Das funktioniert teilweise sogar sehr gut", hat Binnig von Nutzern erfahren und verdeutlicht: "Damit sind diese Orte kein Nirvana."

Doch er kennt das Problem: "Gewünscht wird eine leitungsgebundene Internetverbindung", berichtet er. Denn in Untergeschosse reiche der Mobilfunk nicht, außerdem gebe Orte im Funkschatten. "Deshalb arbeiten wir konzeptionell schon länger daran, wie wir Orte besser versorgen können", fügt er hinzu. Aber selbst wenn die Gemeinde Leerrohre und Leitungen auf eigene Kosten verlege, müssen man erst einmal einen Internet-Anbieter finden, der auch die wenigen Anschlüsse dort versorgt. "Und das zu einem normalen Tarif. Denn wenn der Anschluss monatlich mehrere hundert Euro kostet, dann macht auch niemand mit", meint Binnig. Er sehe aber eine Chance, bald Lösungen zu finden.

Friedrich Schoch, der in Witzmannsweiler eine Metallbau-Firma hat, kennt die Sorgen vieler seiner Nachbarn: "Es gibt unzufriedene Leute hier." Eine ultimative Lösung für den Internetanschluss hat er aber auch nicht. Er hat reichlich Erfahrungen gesammelt. In seiner Firma ist das Funk-Internet installiert: "Das erreicht manchmal die Geschwindigkeit eines 5000er-DSL-Anschlusses." Der Nachteil: Es kostet selbst im geringsten Tarif mehr als eine übliche drahtgebundene Flatrate - und dann gibt es nur Volumentarife. Große Datenmengen sind teuer. "Wer Filme schauen will, der muss 50 Euro und mehr monatlich hinlegen", verdeutlicht Schoch.

Nächstes Problem: Nicht an und in allen Häusern gibt es auch Empfang. In seinem von der Firma nur ein paar Meter weiter stehenden Wohnhaus geht's mit Vodafone nicht. Manche hantierten mit Außenantennen - ohne Erfolg. Andere könnten im Internet surfen, aber wenn es regnet oder schneit nicht über den Anschluss telefonieren, weil die Kapazität zu gering sei.

Wenigstens nehme aber Vodafone Bestellungen auf, und wenn es nicht funktioniert, könne man wieder kündigen. Anders sei das beim Festnetz-DSL: Wer es vor längerer Zeit bestellt hat, bekam zumindest eine der langsamsten verfügbaren Anschlüsse gelegt - und hat ihn heute noch. Mittlerweile nehme die Telekom gar keine Anträge mehr im Ort an, weil sie wisse, dass Kunden damit am Ende unzufrieden seien.

Schoch dachte schon, er habe Glück gehabt, weil ein Anbieter seinen Antrag angenommen hat. "Der Techniker ist hier aus seinem Auto ausgestiegen und hat gemeint, er hätte heute früh gar nicht aufstehen müssen, weil er genau wisse, dass das hier nicht funktioniert", berichtet Schoch. Er habe sofort gekündigt. "Da habe ich heute noch Scherereien, weil sie die Kosten für den Techniker erstattet haben wollen."

Internet auf dem Gebiet der Gemeinde Michelfeld

Kostenlos Michelfeld und die anderen Teilorte, die an die Vermittlung mit der Vorwahl 0791 angeschlossen sind, wurden vor nicht allzu langer Zeit von der Telekom besonders bedacht: Dort kommt das moderne VDSL zum Einsatz, das besonders schnelle Verbindungen zulässt. "Und das ohne zusätzliche Kosten", berichtet Bürgermeister Wolfgang Binnig.

Mobilfunk Nicht nur Vodafone, auch andere Mobilfunkanbieter setzen mit der LTE-Technik darauf, weiße Flecken bei der Internetversorgung zu bekämpfen. Doch bis jetzt sind alle Angebote - anders als bei einer Kabelversorgung - auf ein bestimmtes Übertragungsvolumen beschränkt. Außerdem teilen sich dabei alle Nutzer eines Senders eine bestimmte Bandbreite.

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