In Pixner-Klängen und Volksweisen schwelgen

RALF SNURAWA 12.09.2012

Schon im vergangenen Jahr hatte der Hohenloher Kultursommer mit dem "Bauerntschäss" in Crailsheim einen Sprung über die übliche Crossover-Schnittmenge von Klassik und Jazz oder Rock hinausgewagt.

Damals war Herbert Pixner im Rathaus aufgetreten. Am Samstagabend folgten ihm nun in der Frankschen Scheune in Oberaspach drei junge, um die 19 Jahre alte Musikerinnen aus Tirol nach, die sich schlicht als Trio "Jung und frisch" bezeichnen.

Deren zweite CD "Nö Oane" hatte Pixner selbst der Öffentlichkeit präsentiert, waren doch auch Stücke von ihm darauf zu finden. Und Pixner war Aufnahmeleiter bei der Produktion. Pixner, der Stücke irgendwo zwischen Singer-Songwriter, Tom-Waits-Anklängen, Jazz, Rock, Pop und traditionellen Tänzen aus den Alpen wie dem Boarischen, der Polka oder dem Walzer ansiedelt, ist für die Violinspielerin Katharina Kuen, die Harmonika-Spielerin Anna Rausch und die Aushilfsharfenistin Teresa Klingler ein musikalisches Vorbild.

Das gestanden sie auch in ihrer Moderation beim Konzert des Hohenloher Kultursommers in der Frankschen Scheune, als sie von ihrem Besuch auf der Alm bei Pixner berichteten. Eigentlich seien sie ja dort hingekommen, um mit ihm, der ebenfalls die steirische Harmonika spielt, gemeinsam zu musizieren. Aber dazu hat es dann nur noch ab und zu neben Bedienen von Gästen, Abspülen und dem Kümmern ums Vieh gereicht. Doch die drei Musikerinnen entpuppten sich nicht nur als Sympathieträgerinnen. Schon nach den ersten beiden Stücken, einem Landler und einer Polka wusste das Publikum - teilweise Volksmusikfans - sehr schnell, dass das Trio hervorragend abgestimmtes Können auf seinen Instrumenten zeigte. Da war ging die Harfe klanglich nie vor der Harmonika in die Knie. Auch die Violine wusste sich gegen das kräftig klingende Ziehharmonikainstrument beim Melodieren zu behaupten.

Darüber hinaus gelangen den Musikerinnen perfekt abgestimmte Akzentsetzungen und wurde mit viel Lust musiziert. Espritvolle, federnde Staccati waren so im "Maxglaner Zigeunermarsch" zu hören oder später in Peter Margreiters "Substituten-Marsch", den Anna Rausch solo auf der steirischen Harmonika für die Harfenaushilfe spielte.

Die Substitutin Teresa Klingler erwies sich nicht bloß als Ersatz für die nicht mehr zum Ensemble gehörige Katharina Elmer. Zum "Isartal-Landler" bewies sie virtuoses Können und zu Hugo Blancos "Moliendo Café" Sinn für lateinamerikanische Rhythmen. Und bei den von Katharina Kuen und Anna Rausch im Duett gesungenen Volksweisen wusste sie einfühlsam zu begleiten.

Vor allem zu "Du alte Rumbumbl" klangen die beiden Sängerinnen dann aber doch ein wenig zu lieb von der Stimme her. Es funktionierte aber hervorragend zum wehmütigen "Und die Liab isch a Bach" oder zu den Jodelabschnitten von "Sieb"n Berg und sieb"n Tal und sieb"n Buam auf amoal".

Und in den durch ihren ganz eigenen Ton herausstechenden Pixner-Stücken ließ sich mit dem Trio schwelgen: im Walzerwiegen zum "Blondinen"-, "Verena"-, "Augenstern"- oder "Emanzen"-Walzer; im gesanglichen Spiel zu "Beautiful Seeress"; und in Roma-Tönen zu "Komisch Pannonisch" oder in Balalaika-Imitationen auf der Harmonika in der langsamen Einleitung des Zugabestücks "Der Russische". Dafür gab es im fast vollständigen gefüllten Saal frenetischen Applaus.

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