Crailsheim Kirchenbezirk: in größeren Dimensionen denken

© Foto: Ufuk Arslan
Crailsheim / Johannes Ihle 23.08.2018
3,75 Pfarrstellen muss der Kirchenbezirk Crailsheim bis Ende 2024 streichen. Neben einzelnen Gemeinden geht es auch der Krankenhausseelsorge an den Kragen. Aber es gibt auch Win-Win-Situationen.

Er verbreitet Angst und Schrecken in vielen Gemeinden der Region: der Pfarrplan. Rund alle sechs Jahre kommt ein neuer Plan, der vorsieht, weitere Pfarrstellen zu streichen. Welche Kirchengemeinde trifft es als Nächstes? Welcher Pfarrer muss seine Koffer packen und weiterziehen? Welche Gemeinden werden zusammengelegt? Was passiert mit den leeren Pfarrhäusern?

All diese Fragen treiben die einzelnen Kirchengemeinden um. Der Kirchenbezirk Crailsheim, zu dem 30 Kirchengemeinden gehören, hat derzeit 24 volle Pfarrstellen. Der neue Pfarrplan 2024, der ab dem kommenden Jahr umgesetzt werden soll, sieht vor, weitere 3,75 Stellen zu streichen – 20,25 Stellen bleiben dann noch.

Bis Ende des Jahres müssen alle Forderungen der Landeskirche aus dem Pfarrplan 2018 erfüllt sein. In den vergangenen Jahren wurde daran gearbeitet, die letzten Schritte sind auf dem Weg. So wurde beispielsweise die Stelle in Oberspeltach gestrichen und diese Kirchengemeinde Gründelhardt zugeteilt. Auch die Gemeinden Tiefenbach und Triensbach/Lobenhausen wurden zusammengelegt. Im Juni ging Goldbachs Pfarrerin Ursula Arend-Nonnenmann in den Ruhestand, seit ­diesem Zeitpunkt ist Inga Keller, Pfarrerin in Westgartshausen, für beide Gemeinden verantwortlich.

Zuletzt traf es die Gemeinden Rechenberg und Weipertshofen. Das Pfarrerehepaar Ingetraud und Wolfram Niethammer musste das Feld Anfang August räumen. Aus den beiden 75-Prozent-Stellen wird eine 100-Prozent-Stelle für Weipertshofen und Rechenberg zusammen entstehen.

300 Betten nötig

Und im neuen Pfarrplan, der bis Ende 2024 umgesetzt werden muss, sieht es nicht besser aus. In Unterdeufstetten, in Ellrichshausen und in der Gemeinde Johanneskirche III in Crailsheim fallen jeweils eine ganze Stelle weg. Christus II in Crailsheim, bisher noch eine 50-Prozent-Stelle, wird im Februar 2020, wenn Pfarrer Matthias Brix in den Ruhestand geht, gestrichen. Dann wird auch die 50-Prozent-Stelle der Krankenhausseelsorge auf 25 Prozent reduziert, da die Bettenzahl im Krankenhaus zu gering ist. „300 braucht man für 50 Prozent. Hier gibt es keine 200“, sagt Dekanin Friederike Wagner (Bild).

Hummelsweiler, die einzige Gemeinde im Kirchenbezirk, die zum Ostalbkreis gehört, wird ebenfalls reduziert: von 75 auf 50 Prozent. Lediglich Ingersheim kann sich freuen: Hier wird wieder von 75 auf 100 Prozent aufgestockt. Allerdings übernimmt Pfarrerin Birgit Rügner dann Aufgaben bei Johannes III.

„Es ist traurig, dass man Stellen streichen muss“, sagt Wagner. Doch man muss auch den einen oder anderen Vorteil darin sehen: „An vielen Stellen herrscht keine Vakanz, wenn jemand in den Ruhestand geht.“ Bei beiden Pfarrplänen trifft dies in den meisten Fällen zu.

Doch alles Leiden hilft nichts. Der demografische Wandel macht auch vor der Kirche nicht halt. Die Pfarrer werden älter, junge kommen zu wenige nach und es gibt weniger Gemeindeglieder.

Jugendreferenten im Pfarrhaus

Daher gilt es anzupacken und das Beste daraus zu machen. „Die Pfarrhäuser, die leer stehen, müssen anders genutzt werden. Da entstehen auch Win-win-Situationen für die Gemeinden“, sagt Wagner. Das Pfarrhaus in Unterdeufstetten beispielsweise stand drei Jahre lang leer. Dort sind nun Jugendreferenten eingezogen. In Triensbach wohnt eine Mitarbeiterin vom Haus der Diakonie. „Man könnte die Häuser auch mit Ruhestandskollegen füllen, die dann auch gerne den einen oder anderen Gottesdienst übernehmen“, sagt die Dekanin.

Auch für junge Kollegen biete die Zusammenlegung der Kirchengemeinden Chancen. „Man muss über die Gemeindegrenzen schauen, man muss in größeren Dimensionen denken. Was kann ich gut, was kann vielleicht mein Kollege besser?“, sagt Friederike Wagner.

Ziele der Kirche müssten sein, Dinge wie Jugendarbeit, Seelsorge oder Kirchenchöre ­miteinander zu verknüpfen, so die Dekanin weiter. „Mehr für die Kirche in der Region denken als nur an die eigene Gemeinde.“

Das große Rechenspiel Pfarrplan

Der Pfarrplan ist der Stellenplan für Pfarrer der Landeskirche. Laut Pfarrplan soll ein Pfarrer für rund 1700 Gemeindemitglieder zuständig sein. „Alle drei Jahre verliert man 1000 Gemeindemitglieder durch den demografischen Wandel“, sagt Dekanin Friederike Wagner. Aktuell hat der Kirchenbezirk Crailsheim rund 29.000 Mitglieder. Doch nicht nur die sinkenden Mitgliederzahlen führen zu den Stellenstreichungen. Viele Pfarrer gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, zu wenige Theologiestudenten kommen nach. Ein Kriterienkatalog besagt, welche Stellen gestrichen beziehungsweise zusammengefasst werden könnten. Die Hauptkriterien sind dabei: Hat eine Gemeinde weniger als 1000 Mitglieder, wackelt die Pfarrstelle. Welche Stellen liegen innerhalb einer Gemeinde und könnten eine kommunale Einheit bilden? Gibt es vielleicht historische Beziehungen oder gemeinsame Gruppen wie Konfirmanden oder Seniorenkreise? jole

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