Crailsheim / Birgit Trinkle Bei acht Gegenstimmen hat der Gemeinderat den Stadtstrand  samt Gastronomielösung beschlossen und die Planung in Auftrag gegeben.

Das Kulturwochenende 2017 wird auch als eines in Erinnerung bleiben, an dem Stadträte aus allen vier Fraktionen die Idee eines Stadtstrands entwickelt haben. 21 Monate und eine Machbarkeitsstudie später hat der Gemeinderat diesen Stadtstrand nicht nur endgültig auf den Weg gebracht, sondern auch entschieden, dass ein mobiles Bistro den Bedürfnissen der Bevölkerung und den Stadtfinanzen gleichermaßen entspricht.

Das Baden am künftigen Stadtstrand in der Jagstaue war recht schnell als unattraktiv und unverhältnismäßig aufwendig verworfen worden. Was nicht feststand und vom Gemeinderat entschieden werden musste: Soll generell ein Stadtstrand auf den Weg gebracht werden, wenn ja, in welcher Variante? Der Standort eines möglichen Jagstauen-Sandstrands steht seit einer Machbarkeitsstudie fest – am Fuß- und Radweg, der vom ZOB zum neuen Steg an der Grabenstraße führt. Hier soll am Modellbootsee und in der Nähe der Jagst Sand aufgeschüttet werden. Am Jagstufer selbst sollen Holzstufen den Fluss zumindest für Barfußgeher erlebbar machen. Notwendig ist auch
ein WC-tauglicher Abwasseranschluss. Einig waren sich alle Beteiligten, dass ein unbewirtschafteter Strand Gefahr läuft, zu verdrecken. Auch die Verletzungsrisiken durch beispielsweise Glas­scherben seien damit verbunden. Sanitäre Einrichtungen wären dann kaum möglich.

Surfen, skaten oder einfach entspannen: Mit dem Sommerfestival setzte das Stadtpalais ein Glanzlicht.

Drei Möglichkeiten für einen gastronomischen Betrieb standen zur Diskussion – ein Kiosk, der die Stadt zwischen 50.000 und 70.000 Euro kosten würde, ein mit 150.000 Euro mehr als doppelt so teures mobiles Bistro samt Terrasse und Raum für Veranstaltungen – mithin die „mittlere Lösung“ – oder die große Lösung, ein ebenfalls dem Hochwasser trotzendes Bootshaus für bis zu 900.000 Euro.

Vorsichtige Skepsis

Von einem schönen Projekt sprach Gerhard Neidlein (CDU), „das uns frommen würde“. Allein: „Wir sollten’s uns nicht leisten.“ Dennis Arendt (SPD) war anderer Ansicht und sah den Stadtstrand als Möglichkeit der „Attraktivierung von Stadt und Jagstaue“; immer wieder werde schließlich überlegt, wie sich Bewegung und Lebendigkeit nach Crailsheim bringen ließen. Arendt regte eine Kooperation mit dem Stadtmarketing-Verein an und erklärte, die SPD-­Fraktion stehe mehrheitlich hinter der mittleren Lösung. Natürlich gefalle die große Lösung besser, aber die nun bevorzugte, bei Weitem günstigere sei stimmig.

Hermann Wagner (AWV) fand die Grundidee ebenfalls gut, befürchtete aber, ein Stadtstrand könnte die Planung für ZOB und Landesgartenschau beeinträchtigen: „Gibt es keine Probleme, wenn man jetzt Tatsachen schafft?“ Das verneinte die Stadtverwaltung.

Die Diskussion über den Entwurf des Nachtragsetats für 2018 entwickelt sich zu einer Generaldebatte.

„Ein Elend vor dem Herrn“

Peter Gansky (BLC) meinte, der vergangene Hochsommer sei kein Maßstab. Er schreie „nicht Hurra“ bei der Aussicht auf dieses Projekt, teile die Bedenken der AWV und wolle zudem an den 500 Meter weiter realisierten und kaum genutzten Biergarten erinnern: „ein Elend vor dem Herrn“. Er bezweifle, dass ein als Provisorium angelegtes Bistro so ganz anders angenommen werde. An dieser Stelle ergriff Baubürgermeister Jörg Steuler das Wort und verwahrte sich zunächst gegen das „Provisorium“. Davon könne keine Rede sein, nur weil aufgrund der Hochwassergefahr auf eine mobile Lösung mit Containern gesetzt werde.

Vor allem zeigte sich Steuler verwundert über die Diskussion, nachdem das Thema bereits im Bau- und Sozialausschuss eineinhalb Stunden lang diskutiert worden sei. Er verwies auf die „hohe städtebauliche Qualität“ eines solchen Stadtstrands, außerdem auf die Machbarkeitsstudie, der zufolge das Projekt „betriebswirtschaftlich machbar“ sei. Ohne Investitionen in die Infrastruktur, so Steuler, „gibt es gar nichts“. Zudem gehe es in der Abstimmung lediglich darum, die Verwaltung mit der Planung zu beauftragen; die Detailplanung sei erst später Thema. Frühestens im Herbst werde es in die Ausschreibung gehen, sodass im Frühjahr ein Betreiber gefunden werden könne.

Nutzung das ganze Jahr über?

Sebastian Klunker (AWV) meinte mit Blick auf die „sehr gut angenommene Hütte vor der Rathaus-Tür“, das Bistro sei ja möglicherweise nicht nur im Sommer, sondern auch in der kalten Jahreszeit Treffpunkt, was aus der Sicht potenzieller Betreiber für mehr Attraktivität sorgen könne.

Bei acht Gegenstimmen wurde die Planung des vom Ausschuss vorgeschlagenen, fürs Überschwemmungsgebiet taugenden Bistros in Auftrag gegeben.

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