Crailsheim Thema Unterbringung von Flüchtlingen im Gemeinderat

In den Gebäuden in der Burgbergsiedlung wird weiterer Dachraum zu Wohnungen für Flüchtlinge und Obdachlose ausgebaut.
In den Gebäuden in der Burgbergsiedlung wird weiterer Dachraum zu Wohnungen für Flüchtlinge und Obdachlose ausgebaut. © Foto: Andreas Harthan
Crailsheim / Andreas Harthan 09.10.2018
Drei bis vier Millionen Euro erforderlich für weiteren Wohnraum für Flüchtlinge und Obdachlose. Grüne und Bürgerliste fordern Rathaus auf, auch anderswo als in der Burgbergsiedlung in der Stadt tätig zu werden.

Es gibt Stadträte, die würden inzwischen Wetten darauf abschließen, dass immer die Burgbergsiedlung ins Spiel kommt, wenn es um die Bereitstellung von weiterem Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen geht. „Wir landen jedes Mal in der Burgbergsiedlung“, empörte sich Markus Schmidt, der Grünen-Fraktionsvorsitzende in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Zur Diskussion stand der Vorschlag der Stadtverwaltung, für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen und für die Versorgung von Obdachlosen weiteren Dachraum in den ehemaligen Kasernengebäuden in der Burgbergsiedlung auszubauen. Konkret geht es um die vorderen Gebäude, also den Bereich, in dem sich auch das Torbogengebäude und damit die Einfahrt in die Siedlung befindet. Schon seit einiger Zeit werden insbesondere im Bereich der Dächer Wohnungen ausgebaut. Jetzt hat die Verwaltung weitere Baumaßnahmen in mehreren Häusern mit einem Kostenvolumen von rund 3,5 Millionen Euro vorgeschlagen. Mit dem Geld können etwa 120 Unterbringungsplätze geschaffen werden. Die Verwaltung hofft, mit der erneuten Investition in die Burgbergsiedlung den Platzbedarf bis ins Jahr 2020 decken zu können.

Schmidts Fraktionskollegin Charlotte Rehbach machte klar, dass ihre Fraktion keiner weiteren Anschlussunterbringung von Flüchtlingen in der Burgbergsiedlung – dort stehen auch die Container des Landkreises für die Erst­unterbringung von Geflüchten – zustimmt. Durch die Zusammenballung von Menschen in der Burgbergsiedlung seien soziale Probleme vorprogrammiert. Die Grünen machen sich deshalb für eine dezentrale Unterbringung in der Stadt stark. Das ist auch das Interesse von Peter Gansky (Bürgerliste). Er verwies auf das Neubaugebiet auf dem Sauerbrunnen. Dort solle die Stadt ein Gebäude erstellen.

Ganskys Einschätzung, die Burgbergsiedlung sei ein „Ghetto“, widersprach AWV-Stadtrat Hermann Wagner. Er hält den Begriff angesichts dessen, was im historischen Kontext als Ghetto verstanden wird, als „unangemessen“, wenn er auf die Burgbergsiedlung angewendet wird. Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer hielt sich an die bereits von Ex-Baubürgermeister Holl bekannte Argumentation, indem er davor warnte, die Siedlung „schlechtzureden“. Das wiederum rief den CDU-Stadtrat Uwe Berger auf den Plan, der davor warnte, die soziale Problematik  nicht sehen zu wollen.

Auch die SPD-Fraktion ist nicht begeistert davon, immer mehr Flüchtlinge und Obdachlose in der Burgbergsiedlung zu konzentrieren. Fraktionsvorsitzender Gernot Mitsch wörtlich: „Wünschenswert ist was anderes, aber wir können uns dem Notwendigen nicht entziehen.“ Letztendlich stimmte eine große Mehrheit aus CDU, SPD und AWV dem Antrag der Verwaltung zu, den Ausbau weiterer Dachgeschosse in den nächsten Jahren umzusetzen.

Auf Drängen von Stadtrat Berger sagte Oberbürgermeister Dr. Grimmer zu, dass sich die Verwaltung Gedanken macht, wie Obdachlosigkeit vermieden werden kann – etwa durch Übernahme von Mietschulden. Zuvor hatte Berger gefordert, dass die Stadt nicht erst aktiv wird, wenn Obdachlosigkeit eingetreten ist.

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