Wenn Pfarrer Joachim Frisch am Sonntag verabschiedet wird, wird er zum letzten Mal als offizieller Pfarrer der Johannesgemeinde von der Kanzel steigen. Dann wird er zum Schluss die Gemeinde noch einmal segnen. Normalerweise sagen die Pfarrer dann: „Gott segne dich und behüte dich ...“ und erheben segnend die Hände in Richtung Gemeinde. Bei Joachim Frisch wird das wie immer anders aussehen: Er wird die Hände falten und sagen: „Gott segne uns und behüte uns ...“.

Diese etwas andere Art der Segnung stellt den Pfarrer nicht als Segnenden über die Gemeinde. Es zeigt ihn als Teil von ihr. Das ist nicht selten in der Pfarrer-Generation, die in den 1970ern sozialisiert wurde. Das ist auch bezeichnend für Joachim Frisch. „Ich wollte nie der priesterlich Vermittelnde sein.“ Und: „Wir wollten bei den Leuten sein“, sagt er über das Berufsverständnis von sich und seiner Frau, Pfarrerin i. R. Sibylle Frisch. Besuchsdienste zum Beispiel zählt Joachim Frisch bis heute zum Wichtigsten, was ein Pfarrer tun kann – und wer schon einmal erlebt hat, mit welcher Zugewandtheit und Selbstverständlichkeit er sich an ein Krankenbett setzt, wird das bestätigen.

Handfeste Probleme wichtig

Deshalb waren ihm im Pfarrdienst die handfesten, die „menschlichen“ Probleme der Gemeinde immer mindestens genauso wichtig wie die geistigen – bei aller Auseinandersetzung mit der Theologie natürlich. So ist in ihm als Jugendlichem, der in Kirchberg/Jagst aufwuchs, die Lust am Pfarrersberuf gereift, weil ihn die Frage „Warum fragt der Mensch nach Gott?“ fasziniert hat. So ist es bezeichnend, dass er am Sonntag bei seiner Abschiedspredigt die Theodizee thematisiert, die Frage also, wieso Gott das Böse zulassen kann.

Auch deshalb hat er in seiner Zeit an der Johanneskirche – immerhin fast 22 Jahre lang – Aktionen angestoßen, die diese Geisteshaltung erkennen lassen. Sie alle zeigen eine diesseitige Kirche, die den Menschen Raum zum Miteinander gibt. „Jazz und Leberkäs“ zum Beispiel, bei dem sich seit über 20 Jahren ohne viel Chichi Menschen auf dem Kirchplatz treffen. Oder der Kirchenkaffee in der Johanneskirche, den es seit 2006 gibt. Oder der Stand auf dem Weihnachtsmarkt der Vereine, der ursprünglich zur Finanzierung der Glockenreparatur gedacht war. Zu erwähnen auch die Aufnahme des Weihnachtsmarkts auf dem Berliner Platz und das Sommerfest, das dort alle zwei Jahre gefeiert und mit einem Gottesdienst eröffnet wird.

Joachim Frisch kam 1997 mit seiner Frau Sibylle nach Crailsheim. Wie zuvor in Ludwigsburg teilten sie sich eine Pfarrstelle. Joachim Frisch wurde zum geschäftsführenden Pfarrer bestellt und war viel mit dem Bauen beschäftigt. „Auch das habe ich gern gemacht“, sagt er, „ich interessiere mich sehr für Architektur.“ Glockenturm auf dem Kreuzberg, Renovierung der Liebfrauenkapelle, Dach der Johanneskirche: All das fiel in seine Zuständigkeit. „Bauen ist mehr, als Steine aufeinanderzusetzen. Ich habe das immer auch als ‚Aufbau der Gemeinde‘ begriffen.“

„Ich war gerne Pfarrer“, sagt er im Rückblick. 85 Gemeindebriefe, unzählige Konfirmanden, Hochzeiten und Beerdigungen und in den letzten Jahren die Verbindung zu den Übersiedlern auf dem Kreuzberg und deren Schicksalen. „Der Kontakt mit den Menschen. Das war und ist mir das Wichtigste.“ Deshalb freut er sich auch, dass er erstens seine Konfirmanden noch konfirmieren und seine Abiturienten in der Schloss-­Schule noch zum Abitur führen kann. Und zweitens, „dass wir in Crailsheim bleiben. So brechen die Kontakte nicht ab.“

Info Joachim Frisch wird am Sonntag, 17. Februar, in der Johanneskirche beim Gottesdienst um 9.30 Uhr und bei einem anschließenden Stehempfang mit Grußworten und Musik im Johannesgemeindehaus verabschiedet.