Gastronomie Im Zentrum beginnt die Nachtruhe bereits um 22 Uhr

Den Tag mit den letzten Strahlen der Sonne im Biergarten ausklingen lassen – herrlich! Crailsheimer Wirte müssen ihre Außengastronomie künftig um 22, 23 oder 0 Uhr schließen, je nachdem wo ihr Betrieb angesiedelt ist.
Den Tag mit den letzten Strahlen der Sonne im Biergarten ausklingen lassen – herrlich! Crailsheimer Wirte müssen ihre Außengastronomie künftig um 22, 23 oder 0 Uhr schließen, je nachdem wo ihr Betrieb angesiedelt ist. © Foto: Sven Hoppe
Crailsheim / Christine Hofmann 13.10.2018

Was war das für ein herrlicher Sommer: Sonne satt von früh bis spät und lange Abende, die man mit kurzen Hosen und kühlem Bier im Freien verbringen konnte. Viele Crailsheimer besuchten Gastwirtschaften in der Stadt – vor allem die, in denen man draußen sitzen konnte. So schön der Sommer für die Kneipengänger war, so anstrengend war er für die Anwohner. Sie hatten – ob sie wollten oder nicht – über Monate hinweg akustischen Anteil an den abendlichen Gastronomievergnügen.

Kompromiss erarbeitet

Im Gemeinderat wurden jetzt Richtlinien für Sondererlaubnisse für die Außenbewirtschaftung auf öffentlichen Flächen beschlossen. Die Verwaltung hatte einen Kompromissvorschlag erarbeitet, der einerseits die Interessen der Anwohner – also den Lärmschutz – berücksichtigen und andererseits dem Recht des Gastwirts auf unbeschränkte Ausübung seines Gewerbes gerecht werden soll.

Danach wird die Innenstadt künftig in drei Zonen eingeteilt, in denen jeweils ein anderes Bewirtschaftungsende gilt. Im Bereich der Bahnhofstraße, der Gaildorfer Straße 20 und 27, der Haller Straße bis Nr. 29 und von der Einmündung der Sauerbrunnenstraße bis zum Kreisverkehr Roßfeld wird Außenbewirtschaftung bis 23 Uhr zugelassen. Der Grund: Die Bewirtung im Freien erfolgt entlang von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Lärmbelästigungen entstehen hier vor allem durch den Verkehr. Außerdem haben sich in der Vergangenheit nur wenige Anwohner über nächtliche Ruhestörung durch Kneipenbesucher beschwert.

Eine Stunde länger, also bis Mitternacht, dürfen Lokale in der Worthingtonstraße 2 bis 14 ihre Gäste unter freiem Himmel bewirten. Die Verlängerung ist aus Sicht der Verwaltung insofern gerechtfertigt, da hier ein Abstand von 80 Metern zu den Wohngebäuden besteht. Auch hier gab es kaum Anwohnerbeschwerden.

In der Innenstadt sieht die Lage anders aus. „Hier haben wir regelmäßig Beschwerden von Anwohnern wegen Lärmbelästigung“, berichtete Christoph Jung, Ressortleiter Sicherheit und Bürgerservice in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag. Zwar wünschten sich die Gastronomen ebenfalls eine Ausschankzeit bis Mitternacht, dies sei jedoch nicht möglich, wenn man einen Interessenausgleich anstrebe.

Besonders sensibel ist der Bereich Adam-Weiß-Straße, weil hier mehr Anlieger wohnen als in den übrigen innerstädtischen Bereichen. Die Beschwerden waren hier so massiv, dass die Stadt vor rund zehn Jahren Außengastronomie auf öffentlichen Flächen strikt verboten hat.

Ein Ausgeh-Viertel entsteht

Da  im Bereich Lange Straße/Jagststraße aktuell ein kleines Ausgeh-Viertel entsteht, sollen die Gastronomen in den Sommermonaten ihre Gäste hier künftig bis 22 Uhr im Freien bewirten dürfen. Die Nachtruhe von 22 Uhr gilt ebenfalls für den vorderen Teil der Ringgasse. In der restlichen Innenstadt darf bis 23 Uhr außen bewirtet werden.

„Fair sieht anders aus“, urteilte Stadtrat Markus Schmidt (Grüne) und forderte eine einheitliche Grenze von 23 Uhr für alle Gaststätten. „Es geht nicht, dass einige ein und manche sogar zwei Stündle länger machen dürfen.“ Schmidts Antrag, im sensiblen Innenstadtbereich die Sperrstunde von 22 auf 23 Uhr zu verlängern, wurde jedoch knapp abgelehnt. Auch Ceylan Bisgin und Dennis Arendt (beide SPD) sprachen sich für eine einheitliche Regelung aus. Gerhard Neidlein (CDU) fragte, ob eine Klage, die sich auf den Gleichheitsgrundsatz beruft, vor Gericht Chancen hätte.

Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer erinnerte daran, dass manche Gastronomen in der Innenstadt bislang keine Außenbewirtung hatten und diese künftig bis 22 Uhr betreiben dürfen: „Das ist eine Verbesserung.“

Am Ende wurde der Verwaltungsvorschlag mit großer Mehrheit angenommen. Die Neuregelung gilt zunächst bis Ende 2019, danach werden die Erfahrungen damit ausgewertet.

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Uhr ist das späteste Bewirtschaftungsende im Außenbereich. Gastwirte dürfen danach keine Getränke mehr ausgeben. Der Gast hat noch 20 Minuten Zeit, sein Getränk auszutrinken.

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