Würth IG Metall reagiert verärgert auf Brandbrief von Würth

Mit seinem Brandbrief sorgt Reinhold Würth für viel Wirbel.
Mit seinem Brandbrief sorgt Reinhold Würth für viel Wirbel. © Foto: Würth
Künzelsau / DPA 13.09.2012
IG Metall reagiert verärgert auf den Brandbrief von Reinhold Würth, mit dem der "Schraubenkönig" seinen Außendienstmitarbeitern Beine macht.

Nach der Veröffentlichung des Brandbriefes (das HT berichtete) fordert die Gewerkschaftsbevollmächtigte für Schwäbisch Hall, Heide Scharf, einen Betriebsrat und Tarifvertrag für die Würth-Mitarbeiter. In den von der Stuttgarter Zeitung veröffentlichten Auszügen des siebenseitigen Briefes liest der Vorsitzende des Stiftungsaufsichtsrates der Künzelsauer Würth-Gruppe seinen Außendienstmitarbeitern kräftig die Leviten.

Im ersten Halbjahr 2012 hätten sie nur 3,3 Prozent Wachstum erzielt. Dabei wolle der Konzern bis zum Jahr 2020 rund 20 Milliarden Euro erwirtschaften, also den Umsatz in den kommenden acht Jahren verdoppeln. Wegen der "miserablen Umsatzzuwachsrate" des ersten Halbjahrs könne der Firmengewinn so unter Druck geraten, "dass wir uns von Außendienstlern, die vielleicht nicht mehr als ihre eigenen Kosten verdienen, trennen müssten". Würth zitiert dabei die Weisheit "Morgenstund" hat Gold im Mund" und legt den Außenmitarbeitern nahe, sich ein Beispiel am Innendienst zu nehmen. Die Angestellten in der Zentrale seien mit Mittagspause von 7.30 bis 17.15 Uhr im Dienst. "Sind Sie um 7.30 Uhr beim ersten Kunden?" Seine 63-jährige Berufserfahrung sage ihm, dass ein großer Teil der Außendienstmitarbeiter die Arbeitszeit nur zu 60 bis 70 Prozent nutze.

Die Gewerkschaft ist entsetzt: "Eine solche Schärfe, was den Vertrieb angeht, kenne ich nur aus dem Betrieb Würth", sagte Scharf. Trotz knapp 66.000 Mitarbeiter weltweit und mehreren Tausend in der Region gebe es bei Würth keinen Betriebsrat - nur einen Vertrauensrat ohne jegliche rechtliche Grundlage. Es sei höchste Zeit, einen Betriebsrat zu wählen, forderte sie. Auch müssten die Gehälter der Mitarbeiter mit einem Tarifvertrag geregelt werden. Die Initiative müsse allerdings von den Mitarbeitern kommen. Norbert Heckmann, Vorsitzender der Würth-Geschäftsführung erklärt,die Führung sei leistungsbezogen und darauf aus, eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit zu generieren.In jährlichen anonymisierten Mitarbeiterbefragungen werde ihnen eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit im Außendienst bestätigt.