Niederstetten Hymne der Region aus über 800 Kehlen

Die Gruppe „Annâweech“, die vor Jahren auch die Idee zu einem „Hohenloher Mundartgipfel“ hatte, sorgte für Begeisterung. Unter das Publikum mischte sich Annâweech-Sänger Frank Winkler.
Die Gruppe „Annâweech“, die vor Jahren auch die Idee zu einem „Hohenloher Mundartgipfel“ hatte, sorgte für Begeisterung. Unter das Publikum mischte sich Annâweech-Sänger Frank Winkler. © Foto: Peter Wagner
Niederstetten / Peter D. Wagner 26.06.2018
Hohenloher Mundartgipfel in Niederstetten: Insgesamt fünf Bands und Liedermacher der Musikszene und Mundart geben sich zum dritten Mal ein Stelldichein.

Beste Stimmung und Unterhaltung war in der ausgezeichnet besuchten Frickentalhalle in Niederstetten beim 3. Hohenloher Mundartgipfel prägend. In der mit mehr als 800 Besuchern komplett gefüllten Frickentalhalle gaben sich fünf Bands und Liedermacher der Hohenloher Musikszene und Mundart ein Stelldichein. Musikalisch Mitwirkende waren unter dem Motto „Hohâloisch – was sunschd ?“ die Gruppen Iwwerzwerch, Annâweech, Johkurt & Paulaner mit Bearnd und Kurt Klawitter sowie der Liedermacher Werner Pikulski. Veranstalter waren das Kulturamt Nieder­stetten in Kooperation mit Annâweech.

Nachdem es beim zweiten Mundartgipfel im vergangenen Jahr auf der Burgruine in Forchtenberg überwiegend geregnet habe, könnten sich heuer alle über einen hochsommerlichen und regenlosen Konzertabend freuen, betonte die Niederstettener Bürgermeisterin Heike Naber zur Begrüßung.

Den musikalischen Auftakt bildete das Hohenloher Mundartduo Iwwerzwerch mit Roland Dietz und Markus Martin am Akkordeon und an der Gitarre mit „zwei Liedern, die man uns geklaut hat“. Nämlich zum einen den von Michael Holm im Deutschen interpretierten Hit „Mendocino“ („Baura fahred naus und mähed Silo“) und den Beatles-Klassiker „Let it be“, den diese bei ihrer Hohenlohe-Tour gemaust hätten, „als sie uns beim Schlachten zugeschaut haben“ („Brocken und Brieâ“).

„Die Norddeutschen essen Fisch, die Bayern essen Ochs und Stier – die Frage ist, was essen wir?“, beantworteten die zwei Lokalheroen aus Niederstetten mit „Huâ-Aah“ („Hühnerei“) und „Bräädere brade Nudln“.

„Hohâloisch“ sei gar nicht so schwer, meinte Werner Pikulski aus Crailsheim („Barde von Onolzheim“), der unter anderem das „Hohenloher Land“ besang. Ein ganz spezielles Markenzeichen des Solisten waren seine witzigen Zeichnungen, mit denen er seine Lieder und Gedichte unterlegte.

Spaß und Kurzweil

Seit über zwei Jahrzehnten sind „Annâweech“, die vor Jahren auch die Idee zu einem „Hohenloher Mundartgipfel“ hatten, eine Institution der Hohenloher Musik- und Mundartszene. Die fünf Musiker, unter anderem mit den beiden Sängern und Gitarristen Frank Winkler und Peter Botsch sowie Bassist Harry Weber, präsentierten erneut eingängige Songs und brachten das Publikum mit ihrer Musik und kurzweiligen Geschichten geradezu reihenweise zum Lachen. Samstag sei der schönste Tag der Woche, denn da ist „Ouhengerlesdôôch“. „Viel Fendt, viel Ehr“ und „Nix fer uhguât“ lauteten weitere Devisen der Gruppe, die darüber hinaus mit einer breiten Varietät an Musikstilen glänzte, wie etwa beim „Hohenlohe-Reggae“ oder dem rockigen „Mou un Maadle“. Nicht fehlen durfte bei Annâweech natürlich die Hymne „Hohâloher Land“, bei der das Publikum begeistert mitsingen konnte. Ebenfalls schon seit sehr vielen Jahren haben „Johkurt und Paulaner“ einen Kult- und Legendenstatus inne. Inzwischen ist das ursprüngliche Duo mit dem Pianisten „Bearnd“ als „bekennende Tagesformpassivisten mit wohldosiertem Abstand zur Perfektion und unmittelbarer Nähe zum Hohenlohe Sapiens“ unterwegs. Durchwegs lebendig, bauernschlau und unüberhörbar sowie manchmal etwas derb, bot das Trio abwechslungsreiche und melodiös rockende Songs wie etwa den „Mouschd Blues“, einen „Draufgänger-Blues“, die Ballade über „Windisch-Bockenfeld“ sowie zum Mitsingen das Lied vom „Alten Reisbrei“ und „Spätzle mit Saidewäerschd“.

Moderatoren auf Hohenlohisch

Den Abschluss des offiziellen Programms gestaltete der Sänger Kurt Klawitter aus Wiesenbach mit seinen Begleitmusikern an Schlagzeug und Gitarre. Nach dem „Weihnachtsmann-Flamenco“ ließ das Trio zum Beispiel einen „Bahnhofsklo-Reggae“, die Hymne „Frankenbräu“ und die Ballade „I hab di liab“ erklingen.

In der Rolle zweier Mitglieder der Seniorenabteilung der freiwilligen Feuerwehr sorgte das Komiker-Duo Ernst & Ernst als Moderatoren ebenfalls in purer Hohenloher Mundart für Spaß. Unter anderem gaben beide bekannt, sich auf eine Stelle beim Niederstettener Kindergarten bewerben zu wollen. Zudem verschonten die beiden schrulligen Feuerwehr-Altkameraden kaum jemanden und etwas, auch nicht Ex-Bürgermeister Rüdiger Zibold und die jetzige Amtsinhaberin Heike Naber.

Als weit am späten Abend alle Sänger und Musiker auf der Bühne gemeinsam „I’ tanz mit dir, du tanzt mit mir“ zum Besten gaben, war trotz der bereits sehr späten Stunde die Frickentalhalle bei gleichsam bester Stimmung immer noch sehr reichlich gefüllt.

Abrundender Ausklang des 3. Hohenloher Mundartgipfels, der das Publikum rundum begeisterte und mitriss, war in dieser lauen Sommernacht das gemeinsam mit allen Akteuren und Zuschauern gesungene Abschlusslied „Die Gedanken sind frei“.

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