Crailsheim Hundewelpen aus Polen eingeschmuggelt

Der illegale Handel mit niedlichen Hundewelpen an allen Gesetzen vorbei blüht, die Gewinnspannen sind hoch.
Der illegale Handel mit niedlichen Hundewelpen an allen Gesetzen vorbei blüht, die Gewinnspannen sind hoch. © Foto: sommai/fotolia.com
Crailsheim / Harald Zigan 03.05.2018
Ein 59 Jahre alter Mann aus Crailsheim hat vor dem Amtsgericht ein illegales Geschäft mit mehreren Tieren gestanden.

Das schmutzige Geschäft mit Welpen blüht: Die Gewinnspannen beim illegalen Handel mit den niedlichen Hundebabys sind enorm. Tiefe Einblicke in eine „Branche“, die sich über alle einschlägigen Gesetze hinwegsetzt, gewährte ein Strafprozess vor dem Amtsgericht in Crailsheim.

Vor der Richterin Dr. Scania Herberger und zwei Schöffen saß ein 59 Jahre alter Mann aus Crailsheim, der mindestens zwölf Welpen ohne Papiere und ohne Impfschutz aus Polen nach Deutschland geschmuggelt hat, die für rund 2900 Euro verkauft wurden.

Auf der Anklagebank fehlte ein früherer Tierarzt, der die Hunde über das Internet zum Kauf angeboten haben soll: Sein Strafverfahren wurde wegen Krankheit abgetrennt.

Streit bringt Stein ins Rollen

Ein Streit in einer Wohnung in Crailsheim brachte den Stein ins Rollen: Einer Polizistin fiel bei dem Einsatz ein Hundebaby auf. Kurze Zeit später starb die Halterin und die Beamtin recherchierte den Verbleib des Tieres.

Dabei kamen die Ermittler dem schwunghaften Handel mit den Vierbeinern auf die Spur. Der 59 Jahre alte Angeklagte besorgte die Tiere auf einem Markt im polnischen Slubice zum „Stückpreis“ von 30 bis 120 Euro. Verkauft wurden die Welpen zu unschlagbar günstigen Preisen zwischen 300 und 400 Euro an Interessenten im ganzen Bundesgebiet.

Als „Lager“ für die Vierbeiner diente ein Anwesen in der Nähe von Wallhausen. Bei einer Hausdurchsuchung stieß die Polizei auf Hunde, die in engen Boxen ihr Dasein fristen mussten. Fünf Labrador-Welpen überlebten nicht: Sie starben kurze Zeit später an einer Virusinfektion.

34 Vorstrafen auf dem Kerbholz

Der illegale Welpenhandel reiht sich fast nahtlos in die kriminelle Karriere des Angeklagten ein, der seit dem Jahr 1974 bereits 34 Vorstrafen nebst diversen Aufenthalten im Gefängnis auf dem Kerbholz hat und sein Glück auch schon als Bordellbetreiber versuchte. Amtsanwältin Sandra Kurz  präsentierte dem vollauf geständigen Mann noch zwei weitere Anklagen: Als Einkommensnachweis für den Vermieter einer Wohnung in Crailsheim fälschte er im Jahr 2017 kurzerhand den Briefkopf einer Versicherung, in deren Diensten er angeblich stand.

Nach Tschechien geflüchtet

Miete für das Domizil bezahlte der Mann allerdings nie – stattdessen gaukelte er drei Interessenten vor, die Immobilie zu besitzen, kassierte Kautionen und Ablöse für Möbel über insgesamt 4700 Euro und ging dann auf Tauchstation. In Tschechien stellte er sich der Polizei, seit Januar 2018 sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Ausführlich befasste sich das Gericht auch mit der Drogensucht des Angeklagten, der nach seinen eigenen Angaben schon seit frühester Jugend exzessiv zu Bier und Schnaps griff und später auch harte Drogen wie Kokain konsumierte. Der Neurologe Dr. Thomas Heinrich aus Weinsberg erkannte keine psychischen Auffälligkeiten bei dem Angeklagten, der mit einer Therapie „endgültig einen Schlussstrich“ unter seine lange kriminelle Karriere ziehen will, die „zu 80 Prozent mit meiner Sucht zu tun hat“, wie der Mann beteuerte.

„Allerletzte Chance“

Den finanziellen „Suchtdruck“ hinter den Taten bezweifelte allerdings die Amtsanwältin Sandra Kurz in ihrem Plädoyer: „Der Handel mit den Welpen zum Beispiel war von langer Hand geplant und organisiert.“ Sie forderte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Der Verteidiger Günther Silcher aus Heilbronn wiederum brachte die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ins Spiel, die laut Gutachter mindestens zwei Jahre dauern müsste. Nach einer erfolgreichen Therapie wäre dann eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung möglich.

Das Schöffengericht erkannte letztlich auf eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und ordnete eine Therapie an. „Das ist die allerletzte Chance, Ihr Leben wieder auf die Reihe zu bringen“, sagte Richterin Dr. Scania Herberger. Der 59-Jährige bleibt weiterhin in Haft. Und in Augsburg  wartet noch ein Prozess auf ihn, bei dem es ebenfalls um Betrügereien geht.

Tierschützer warnen vor dubiosen Züchtern

Die Alarmglocken sollten schrillen, wenn etwa im Internet süße Hundewelpen zu verdächtig günstigen Preisen angeboten werden. Die Tiere stammen nicht selten aus Zuchtanlagen in Osteuropa, wo Hündinnen völlig skrupellos als regelrechte „Gebärmaschinen“ benutzt werden. „Weil Impfungen und Parasitenbehandlungen fehlen, sind die meisten Welpen ernsthaft krank“, schreibt etwa der Deutsche Tierschutzbund auf seiner Webseite, wo es weitere Informationen zu den kriminellen Geschäften mit den Vierbeinern gibt. haz

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