Crailsheim / MATHIAS BARTELS Die kleine Gruppe des Crailsheimer Hospizdienstes erhält in Kürze Verstärkung: Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer des jetzt abgeschlossenen Einführungskurses haben Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert.

Anstrengend, durchaus belastend, aber zugleich ungemein bereichernd: Das war das nahezu einhellige Urteil der 13 Damen und zwei Herren, die jetzt im Haus der Diakonie aus der Hand von Gabriele Hopfinger ihre Teilnahme-Zertifikate ausgehändigt bekamen. Seit März lief der Kurs, den Hospizgruppenleiterin Gisela Seichter und Christa Hampele organisiert hatten und der in entscheidende Aspekte dieser so wichtigen Arbeit der Sterbebegleitung schwerkranker Menschen einführte.

"90 Prozent aller Menschen haben den Wunsch, zu Hause sterben zu können", klärte Gabriele Hopfinger vom Diakonieverband Schwäbisch Hall während des Abschlussabends auf. Die Realität sieht anders aus: Rund 50 Prozent sterben in einem Krankenhaus, weitere 20 in einem Pflegeheim. Nur etwa 30 Prozent der Menschen wird ihr Wunsch erfüllt. "Sie sind es", sprach Hopfinger die Kursteilnehmer an, "die diese Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten und dadurch für sie, aber auch für deren Angehörige zu einer ganz besonders wichtigen Person werden." Dazu gehöre Mut und die Unterstützung in der Gruppe, etwa beim monatlichen Feedback-Abend.

Finanziell entscheidend unterstützt worden war die kostenlose Ausbildung der Frauen und Männer vom Crailsheimer Rotary Club. An sechs Abenden und drei Wochenenden hatten Experten für die Hospizarbeit wichtige Themen behandelt. Unter anderem ging es im Kurs um die persönliche Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tod, um rechtliche Fragen, um Palliativmedizin und um Spiritualität. Referenten waren acht hoch qualifizierte Dozenten. Die Interessenten sollten möglichst 40 Jahre alt sein und "mitten im Leben stehen", so die Vorgabe.

Die Gruppe arbeitet ökumenisch und interreligiös und ist laut Gisela Seichter "offen für alles". Und in nächster Zeit wohl wieder zukunftsfähig, denn über die Jahre hatten immer mehr Freiwillige nach und nach aufgehört. "Es ist eben halt doch eine sehr anstrengende Arbeit", sagt Gisela Seichter.

Sehr interessant waren die Motive der Kursteilnehmer, die sie am Abschlussabend kundtaten. Von "Berührungsängsten" war da die Rede, aber auch von der Überzeugung, "genau die richtige Wahl getroffen zu haben", auch wenn sich das Thema für viele schließlich als "doch nicht so easy" dargestellt hat. "Irgendwann während des Kurses war ich noch ratloser als zuvor", erklärte eine Absolventin, doch mit der Zeit, das bestätigten ihr die erfahrenen Hospiz-Mitarbeiter, komme zur Erfahrung auch das beruhigende Wissen darum, dass jeder dieser Freiwilligen seinen eigenen Weg gehen und ihn auch finden werde.

"Der bereichernde Kurs hat mich dazu gebracht, mich selber mit dem Tod und dem Sterben auseinanderzusetzen", gestand eine frischgebackene Helferin, die nicht, wie andere, über eine eigene Trauerphase zum Kurs angeregt worden war. Ein wenig "Bammel vorm Einstieg in die konkrete Arbeit" hatten mehrere festgestellt. Sie wissen aber, "dass sie nicht allein gelassen werden".

Info Weitere Auskünfte erteilt Gisela Seichter, Telefon 0 79 51 / 2 75 55.