Michelfeld Hohenloher Zwischentöne Mitreißender Mundartgottesdienst in der Michelfelder Kirche

ELVIRA PROBST-LIPSKI 30.04.2013
Mundartgottesdienst in der Michelfelder Kirche: Die vielen Zuhörer erlebten einen Abend zwischen Nachdenklichem und Freudigem.

Der Gottesdienst bestand aus einer Komposition von sehr beeindruckenden Texten von Pfarrer Karl Gerlinger aus Ernsbach - er entschied sich für den "Merchentoler" Dialekt, also aus Mergentheim - und der Musik vom Chor pichorbello.

Die Konzertreihe ist überschrieben mit "Godd had gschocht", sie bringt Hohenloher Zwischentöne: "I bin där, där i bin". Gerlinger hat den Abend in fünf Sequenzen unterteilt. In der Hohenloher Mundart nimmt er kein Blatt vor den Mund, spricht Missstände und gesellschaftliche Entwicklungen, beispielsweise Raffgier von Banken und Gutbetuchten, an. Dabei stellt er die Verbindung zu den Propheten aus dem alten Testament her.

Nachdem im ersten Teil von Mose die Rede ist, geht es mit "Schdia uff und ess" um den Generationenkonflikt, um Burn-Out als gesellschaftliche Herausforderung und die Botschaft, dass Gott nicht mit einem Sturm, sondern mit einem Hauch daherkommt: "Er hat alle Zeit der Welt. Ihm kann man vertrauen." Über den Propheten Jeremia, der sich trotz jugendlichen Alters seiner Verantwortung stellt, kommt er zu unserer Jugend, "der man auch mal was zutrauen solle". Gerlinger spricht bei seinem Segen Worte, die "oifach guat tua solla".

Diese nehmen die Zuhörer gerne auf. Dazwischen erfreut der Chor die Zuhörer mit einem beeindruckenden Spektrum seines Könnens. Die 35 Sängerinnen und Sänger werden von Ulrich Dachtler professionell angeleitet, alle Lieder werden auswendig gesungen. Die Chormitglieder strahlen unbändige Freude aus.

Das überträgt sich vom ersten Ton an auf das Publikum, das öfters miteinbezogen wird, klatscht, schnipst und mitsingt. Die Bandbreite ist enorm: Die Lieder sind selbstverständlich mehrsprachig, der Vortrag immer angepasst, mal leise und verhalten, mal spritzig temperamtvoll, mal richtig laut. Die Liedauswahl reicht von Baba Yetu, dem tansanischen Vater Unser, über das Opernlied "Caro mio ben", buis hin zu "Halleluja" aus Händels Messias.

Pfarrer Karl Gerlinger wünschte den Anwesenden in seinem "Seecha": "Ein sanfter Mairegen soll dich wie Segen umrieseln". Das trat bereits an diesem Abend ein, als die Zuhörer beglückt aus der Michelfelder Kirche traten.