Im vergangenen Jahr hatte es die rote Mohnblume – das Markenzeichen des Hohenloher Kultursommers – ziemlich schwer, ordentlich zu blühen. Das Coronavirus brachte sie quasi fast vorzeitig zum Welken. Doch mittlerweile blüht sie wieder – zumindest auf dem Cover des Programmhefts zur nun 35. Saison des Hohenloher Kultursommers. Bereits vor Weihnachten wurden zahlreiche Exemplare an Mitglieder und Kunden des Musikfestivals verschickt. Weil die üblichen Auslegestellen derzeit nicht immer zugänglich sind, kommen die Broschüren wohl erst nach und nach in Umlauf. Erstmals kann man über die Homepage des Kultursommers aber auch online durch den mehr als 90 Seiten umfassenden Prospekt blättern.

Treue Stammkunden

Der Vorverkauf läuft bereits. „Wenn man’s genau nimmt, hat der Vorverkauf seit einem Jahr ja eigentlich nie richtig aufgehört“, erklärt Marcus Meyer, Intendant des Kultursommers und Geschäftsführer der Kulturstiftung Hohenlohe. Die Saison 2021 besteht quasi zu 90 Prozent aus den Nachholterminen des von Corona gebeutelten Sommers 2020. Viele Stammkunden hätten ihre Tickets gar nicht zurückgegeben und damit auf Rückzahlungen verzichtet. Dafür ist Meyer dankbar. Nun können sie sich auf die Nachholtermine freuen. Allerdings mussten auch im noch jungen Jahr 2021 bereits zwei Termine abgesagt werden. Vergangenen Samstag hätten in der Kunsthalle Würth in Hall Sprecher Henning Westphal und Sebastian Manz, Soloklarinettist im SWR-Symphonieorchester, Erich Kästners „Konferenz der Tier“ darbieten wollen. Nun musste dieser Nachholtermin erneut verschoben werden. Auch aus dem für Sonntag, 24. Januar, geplanten Winterkonzert mit der Donau Philharmonie Wien wird nichts. Die Operettengala mit Kompositionen Franz Léhars in der Öhringer Kultura entfällt.
Für die weiteren anstehenden Nachholtermine ab 14. März ist Marcus Meyer aber zuversichtlich. Er und sein Team wollen auch kurzfristig auf neue Corona-Regeln reagieren können. Überhaupt setzt der Kultursommer auf Flexibilität: Sämtliche Eintrittskarten sind fortan „ad lib.-Tickets“. Der musikalische Begriff „ad lib.“ in Partituren erlaubt Freiheiten in der Interpretation – nach Belieben also. „Die Leute gehen kein Risiko ein“, sagt Meyer. Das heißt, dass die Tickets auch bis eine Woche vor dem Konzert gebührenfrei zurückgegeben, umgebucht oder umgewandelt werden können.
Bei der Bestuhlung in den einzelnen Spielstätten habe er fürs erste Halbjahr die Kapazitäten auf jeden Fall reduziert, erklärt Meyer. Dann müsse man einfach sehen, was coronabedingt möglich ist: „Jeweils drei bis vier Wochen vorher schauen wir, wie die Situation ist, und reagieren dann. Wir werden Lösungen finden, und vielleicht muss man auch mal den Aufführungsort wechseln.“ Das etablierte Festival ist gut vernetzt und Meyer hat nicht nur einen Plan B auf Lager. „Die Abstandsregeln werden uns auch noch eine ganze Weile begleiten“, vermutet er und hofft aber auch auf einen positiven Effekt der nun erfolgenden Impfungen.
Was die Flexibilität betrifft, ist der Intendant froh, auf die unkomplizierte Anpassungsfähigkeit der Musikprofis zählen zu dürfen. Für ihr Verständnis ist Meyer sehr dankbar. „Musik ganz nah“ lautet die Devise des Hohenloher Kultursommers. Das ist in Coronazeiten freilich nicht wörtlich zu verstehen, räumt Marcus Meyer ein: „Es geht vielmehr um eine Unmittelbarkeit zwischen Publikum und Musikern.“ Sie brauchen einander, und das zeichne den Kultursommer auch aus.

Der Kultursommer erklingt bereits im Frühjahr


Bevor der Hohenloher Kultursommer mit seinen beiden Eröffnungskonzerten am 5. Juni auf Schloss Neuenstein und am 6. Juni auf Schloss Kirchberg in die 35. Saison startet, sind bereits im Frühjahr weitere Nachholtermine geplant: Pianist Christoph Soldan tritt am 14. März gemeinsam mit den schlesischen Kammersolisten im Theater Dörzbach auf.

Die Pianistin Tamar Halperin ist am 21. März mit Kompositionen von Satie, Debussy, Care und Corea im Bildungshaus Kloster Schöntal zu Gast. Am selben Ort sind am 9. Mai „Tango Sensations“ mit Friedemann Wuttke (Gitarre), William Sabatier (Bandoneon) und Winfried Holzenkamp (Kontrabass) geboten.

Oli Bott (Vibraphon) und Anna Carewe (Cello) sind am 15. Mai mit „Zeitreisen“ im Reinhold-Würth-Haus in Bad Mergentheim zu Gast. Helmut Eisel (Klarinette) und Birke Falkenroth (Harfe) treten am 16. Mai in der ehemaligen Synagoge in Michelbach/Lücke auf.
www.hohenloher-
kultursommer.de