Bildung Hilferuf an die Landesregierung

Die Außenfassade wird gerade saniert. Nun soll die der Christoph-von-Pfeil-Schule in Unterdeufstetten demnächst auch im Innenbereich auf Vordermann gebracht werden
Die Außenfassade wird gerade saniert. Nun soll die der Christoph-von-Pfeil-Schule in Unterdeufstetten demnächst auch im Innenbereich auf Vordermann gebracht werden © Foto: Luca Schmidt
Wildenstein / Ralf Mangold 05.01.2018
Heftig diskutiert wurde bei der vergangenen Gemeinderatssitzung in Fichtenau die mangelhafte Lehrerversorgung an der Grundschule.

Erika Hönig bringt nichts so leicht aus der Ruhe. Doch was sie in diesem Schuljahr bereits durchgemacht hat, das hat die Schulleiterin der Christoph-von-Pfeil-Schule in Unterdeufstetten in dieser Form trotz langjähriger Berufserfahrung noch nicht erlebt. „Die Ereignisse in der letzten Monaten haben sich förmlich überschlagen“, berichtet sie von einem bedrohlichen Notstand bei der Lehrerversorgung an ihrer Schule.

Zum Schuljahresbeginn war eigentlich noch alles in Ordnung, obwohl schon bei der Planung durch das  Schulamt lediglich von einer 95-prozentigen Grundversorgung die Rede war, „da sollte dann aber niemand ausfallen“. Von zwei Vollzeitkräften musste sie jeweils fünf Unterrichtsstunden an eine andere Schule abgeben, ein Lehrer wurde komplett abgezogen, da es seit diesem Schuljahr keine Hauptschule mehr in Fichtenau gibt. „Zumindest die Hauptfächer waren gut mit Lehrkräften abgedeckt, bei den Randfächern mussten wir von Anfang an Streichungen vornehmen.“

Lehrerin fällt immer noch aus

Schon seit der dritten Schulwoche fällt nun aber eine Lehrerin mit vollem Deputat krankheitsbedingt aus, und so geriet die gesamte Planung aus den Fugen. „Es war nicht absehbar, dass die Kollegin so lange ausfallen würde.“ Da keine Vertretung für einen krankheitsbedingten Ausfall vorgesehen ist, mussten die Kinder in andere Klassen aufgeteilt werden, „das kann aber nur eine kurzfristige Lösung sein“. Die Fächer Mathe, Deutsch, Sachunterricht, Englisch und Religion konnten abgedeckt werden, doch Sport und Musikunterricht war nicht mehr uneingeschränkt möglich. Als dann auch noch zwei weitere Lehrer grippebedingt ausfielen, war das Chaos perfekt. „Die Kinder mussten ja irgendwie beaufsichtigt werden.“ So strich die Rektorin ihre Bürostunden und musste kurzfristig umplanen. In der ganz heiklen Phase mit drei Lehrerausfällen wurden die Randstunden gestrichen, an ein paar Tagen mussten die Schüler sogar ganz zu Hause bleiben. „Es war eine verheerende Situation, ein untragbarer Zustand. Alle Lehrer waren am Limit. Wir konnten wirklich nur noch Minimalprogramm fahren.“

Zumindest ein wenig Entlastung brachte die Rückkehr einer Lehrerin aus der Elternzeit, die allerdings nur sieben Stunden zur Verfügung steht. Auch konnten die zehn an eine andere Schule abgetretenen Unterrichtsstunden wieder zurückgeholt werden. „Kompliment. Die Schule hat es in diesem Chaos trotzdem gut hinbekommen“, lobte Bürgermeisterin Anja Wagemann. „Die Kollegen haben tolle Arbeit geleistet.“ Der erschreckende Jahresbericht der Schule sorgte für heftige Diskussionen im Gemeinderat. „Das ist ein Skandal, wie mit unseren Kindern umgegangen wird“, so Ratsmitglied Gerald Ilg. „Unser Land verwehrt unseren Kindern das Grundrecht auf Bildung.“ Auch Konrad Meiser war beunruhigt, dass nach dem Verlust der Hauptschule nun auch noch die Grundschule gefährdet sein könnte. „Die Eltern sind in großer Sorge.“ Letztlich wurde im Gemeinderat der Beschluss gefasst, den offenen Brief der Schulleitung an die obersten Landesstellen zum Thema „Lehrerversorgung in Fichtenau“ zu befürworten. „Wir wollen uns Gehör verschaffen und auf die auf die Notstände hinweisen“, betont die Schulleiterin. „Unser Ziel ist es, die Stunden, die noch immer fehlen, zu bekommen.“

Auf andere Lehrkräfte zurückzugreifen sei derzeit nicht möglich, weil trotz intensiver Bemühungen hierfür derzeit keine ausgebildete Lehrkraft zur Verfügung stehe, antwortete Joachim Rimmele vom staatlichen Schulamt in Künzelsau  auf HT-Nachfrage. „Auch die Recherche nach eventuell einsatzwilligen Pensionären blieb leider erfolglos.“  Momentan wisse man nicht, ab wann die ausgefallene Lehrkraft wieder dienstfähig sein werde. „Sobald die Lehrkraft wieder einsatzfähig ist, wird es auch für die Fächer Musik und Sport eine Lösung geben.“

Großer Renovierungsbedarf

Doch damit nicht genug der schlechten Nachrichten. Die Grundschule soll so schnell wie möglich in das Gebäude der ehemaligen Hauptschule umziehen. Die energetische Sanierungsmaßnahmen sind in vollem Gange und liegen im Zeit -und Kostenplan. Doch auch bei den deutlich in die Jahre gekommenen Klassenräumen gibt es einen großen Renovierungsbedarf. Dies belegte der Bildvortrag von Ortsbaumeister Alfons Fischer, bei dem die teilweise erschreckenden Zustände des Schulinneren dem Gemeinderat gezeigt wurden.

Sanierung für eine Million?

Für die Sanierung wurden in den Haushaltsplänen bis 2019 bislang 320 000 Euro zurückgestellt. Aber mit kleineren Umgestaltungen wie Gruppenräumen neben den elf Klassenzimmern, Kreativzimmer, Rückbau der Physiksäle und einem Raum für die Hausaufgabenbetreuung dürfte die Sanierung trotz möglicher Zuschüsse jedoch viel teurer für die Gemeinde werden.

„Das muss es uns Wert sein“, betonte die Bürgermeisterin, „damit zumindest der Grundschulstandort erhalten bleibt.“ Sie forderte eine altersgerechte Umgebung mit zeitgemäßen Unterrichtsräumen für eine attraktive Grundschule. „Nach einer ersten groben Schätzung dürften sich die Kosten für die Renovierung auf über eine Million Euro belaufen“, erklärte Ortsbaumeister Fischer. „Die Elektroinstallation muss auf jeden Fall gemacht werden.“ Er stellte in einer Skizze auch gleich dem Gemeinderat vor, wie die Räume zukünftig genutzt werden könnten. Einen Grundsatzbeschluss über die Raumbelegung fasste das Gremium nach lebhafter Diskussion schließlich doch noch mit einer knappen Mehrheit von neun Stimmen bei sieben Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

„Es gibt einfach keine Bewerbungen“

Auch Rektorin Cordula Gehringer von der Oberlin-Schule in Unterdeufstetten beklagte in ihrem Jahresbericht die problematische Lehrerversorgung. „Es gibt einfach keine Bewerbungen“, erklärte die Rektorin und sprach von einer belastenden Situation, da keine vernünftige Planung mit Lehrkräften mit befristeten Lehraufträgen möglich sei. Zudem spiele die Individualisierung an der Schule eine immer größere Rolle, sodass drei Klassenräume im ehemaligen Hauptschulgebäude zukünftig unbedingt benötigt werden.

Momentan besuchen 55 Schülerinnen und Schüler in sechs Klassen die Oberlin-Schule. Elf Lehrkräfte in Teil- und Vollzeit unterrichten.

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