Menschen Hilfe für gefiederte Crailsheimer

Karl Pressler arbeitet das ganze Jahr über zum Wohl der Natur und inbesondere der Vögel. Die Wintermonate nutzt er unter anderem, um im Betrieb, den mittlerweile sein Sohn führt, Nistkästen herzustellen.
Karl Pressler arbeitet das ganze Jahr über zum Wohl der Natur und inbesondere der Vögel. Die Wintermonate nutzt er unter anderem, um im Betrieb, den mittlerweile sein Sohn führt, Nistkästen herzustellen. © Foto: Julia Vogelmann
Gründelhardt/Crailsheim / Birgit Trinkle 13.03.2018

Es ist so still geworden auf den Wiesen und Feldern, in den städtischen Grünanlagen, in den Vorgärten. Still im Vergleich zu dem, was frühere Generationen hörten. Die Vogelschar, die in diesen Tagen und Wochen den nahen Lenz spürt oder eben erst aus dem Süden zurückkommt, reißt den Schnabel zwar noch immer ganz weit auf, ist aber bei Weitem nicht mehr so zahlreich wie ehedem. Und es wäre wohl noch ein bisschen leiser ohne Menschen wie Karl Pressler, der sich seit Jahrzehnten für den Nabu Crailsheim um die Vögel im Altkreis bemüht. Wer Ohren hat zu hören, geht anders durch die Welt. Pressler war immer schon musikalisch, singt seit er denken kann – im Gesangverein in Gründelhardt ist er seit Jahrzehnten eine Institution. Vielleicht hängt seine frühe Vogel-Begeisterung mit wachen Sinnen zusammen.

Eine Lerche erkennen oder eine Nachtigall, einen Kuckuck gar, ist keine Kunst. Aber den Unterschied zwischen einem Schilf- und einem Teichrohrsänger hören? Das bedarf eines geschulten Gehörs.

Die Vögel singen hört er so gern. Und sie anzuschauen ist eine Freude. So war Karl Pressler bereits in ganz jungen Jahren im Deutschen Bund für Vogelschutz engagiert, und auch in der Crailsheimer Ortsgruppe des Nabu hat er sich von Anfang an  für die gefiederten Bewohner der Region starkgemacht. Für die von Mehlschwalben bewohnten Kunstnester an seinem Haus nahm er die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ entgegen, vor allem aber hat er aus den Holzabfällen der Zimmerei Dutzende Nistkästen gebaut, insbesondere Halbhöhlenkästen für Gebirgs- und Bachstelzen sowie Wasseramseln.

Bei Niedrigwasser zieht er sich dann seine Fischerstiefel über und bringt diese Kästen unter Brücken an. Früher, als Holzbrücken allgegenwärtig waren, hatten’s die Vögel deutlich einfacher, sich einen Unterschlupf einzurichten.

91 Pressler-Kästen hängen mittlerweile, in einem rund 20 Quadratkilometer großen Gebiet, und immer wieder muss, etwa nach Hochwasser, neu begonnen werden. In erster Linie bestückt er die Nebenbäche der Jagst; die Jagst selbst ist vielfach zu tief.

Nistkasten-Besetzer

Dann sind da noch 45 Eulen-Kästen, ebenfalls aus den Holzabfällen des Familienbetriebs gemacht. Da wohnen auch mal Dohlen drin, Turmfalken ziehen ein, auch Hornissen haben sich schon in so einem Eulenkasten ausgebreitet: „Ich kann’s den Eulen nur anbieten“, sagt Karl Pressler. Was da reingeht, ist eine ganz andere Geschichte.“ Im Frühjahr sind in schöner Regelmäßigkeit fast alle Kästen belegt, und viele Schleier­eulen-Junge können so schlüpfen. Denn für sie lässt sich in Kirchtürmen keine Kinderstube mehr finden. Seit die Schall-Läden mit Maschendraht vor Haustauben geschützt sind, gestaltet sich die Herbergssuche der Schleiereulen schwierig.

Fledermäuse und Wildbienen

Ein drittes großes Anliegen sind dem Gründelhardter die Fledermäuse. Dass auch die Fledermäuse bedroht sind, findet Pressler bedrückend, und er ist nicht bereit, sich damit abzufinden. Im Winter kommen Fledermäuse in Höhlen unter, aber auch in alten Ställen oder Bierkellern, wo sie kopfüber möglichst ungestört und lange im Winterschlaf verbringen, um Energie zu sparen; Pressler baut Sommerquartiere. Auch  sie werden zuweilen von kleinen Vögeln genutzt, aber wenn es wirklich gelingt, eine Fledermauskolonie unterzubringen, ist das ein schönes Erfolgserlebnis, sagt der Mann, der Maus­ohr-, Mops-, Zwergohr- und Großohrfledermäuse sowie Abendsegler voneinander unterscheiden kann wie andere Leute Automarken.

Generell mag er es sehr, wenn seine kleinen Holzkästen bewohnt sind, ebenso, dass auch der Wildbienenstand in seinem Garten angenommen ist. Etwas fürs Leben tun, das ist eine schöne Aufgabe, findet Karl Pressler.

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