Crailsheim Heiße Liebesnacht bleibt unvergessen

Walter Beiser (vorne) hat zum letzten Mal während des Volksfestes Dienst in der Feuerwache mit seinen Kollegen Werner Weinmann, Jochen Bolze und Dirk Müller (von links). Foto: Mayershofer
Walter Beiser (vorne) hat zum letzten Mal während des Volksfestes Dienst in der Feuerwache mit seinen Kollegen Werner Weinmann, Jochen Bolze und Dirk Müller (von links). Foto: Mayershofer
Crailsheim / JOACHIM MAYERSHOFER 20.09.2013
Für den hauptberuflichen Gerätewart der Crailsheimer Feuerwehr, Walter Beiser, steht dieses Jahr der letzte Volksfest-Einsatz an. Nach 38 Jahren im Dienst feiert er nächsten September dann als Rentner mit.

Er und seine Kollegen Jochen Bolze, Dirk Müller und Werner Weinmann haben im Laufe der Jahre einiges erlebt: vom geplatzten Hydraulikschlauch am Riesenrad, an dem Öl austrat, über ausströmendes Gas an einem Grillstand, bis hin zum Gefahrguteinsatz in der Flügelau am Samstag vor dem Festumzug. Unvergessen: In der Nähe von Neuhof brannte einmal ein Auto völlig aus, in dem sich ein Pärchen nach dem Volksfest eine heiße Liebesnacht gegönnt hatte.

"Auch immer amüsant ist, wie die Leute um 19 Uhr an der Wache vorbei zum Volksfestplatz laufen und am Morgen dann teilweise heimschwanken", sagt Jochen Bolze grinsend. Seit 20 Jahren teilt er die Feuerwehrler zu den Diensten am Volksfest ein. Probleme, Freiwillige zu finden, habe es nie gegeben. "Früher als junger Kerl musste man sogar schauen, dass man überhaupt eine Volksfest-Wache machen darf", erklärt Bolze. Es werde bei der Einteilung stets darauf geachtet, dass jeder mal das Fest oder den Umzug verfolgen kann. Oftmals gebe es sogar eingeschworene Teams, die immer gemeinsam Dienst schieben wollen.

Beim Deutschen Roten Kreuz ist es ähnlich. "Es gibt wirklich keinen, der nicht arbeiten will", erklärt Marcus Wegner, der Leiter der Crailsheimer DRK-Bereitschaft. Mit ein Grund: "Man kann sein Wissen auch einmal einbringen und anwenden." Ein anderer: Über die Jahre hinweg haben sich einige "Stammschichten" ergeben. Nach getanem Dienst wird privat dann gemeinsam das Volksfest genossen. Manchmal habe man zwar das Gefühl, dass Schaulustige bei einem Einsatz "am liebsten im Rucksack drinstehen" würden, aber damit wissen die Helfer mittlerweile umzugehen, so Wegner. Mit Trillerpfeifen bahnen sich die DRK-Helfer ihren Weg durch die Menschenmasse. "Ein Abstand von zwei bis drei Metern würde uns am Einsatzort aber schon helfen", findet der Bereitschaftsleiter.

"Ich hoffe für unsere Kräfte, dass alles ruhig bleibt", wünscht sich Thomas Heiner, der Leiter des Crailsheimer Polizeireviers. Um einen Großeinsatz ist die Polizei schon jetzt herumgekommen - und das trotz der anstehenden Bundestagswahl. Wäre nämlich Kanzlerin Angela Merkel auf ihrer Wahlkampfreise gestern zum politischen Abend ins Engel-Zelt gekommen, hätte das für die Beamten viel mehr Arbeit bedeutet. Wie damals beim Besuch des früheren Ministerpräsidenten Stefan Mappus "angesichts der politischen Brisanz mit Landtagswahl und Stuttgart 21", so Heiner. Der Revierleiter und seine Kollegen wollen in den nächsten Tagen besonders darauf achten, dass im Zelt und auf dem Festplatz der Jugendschutz ernst genommen wird. "Alkohol darf nicht mitgebracht werden. Wir werden verstärkt auch Rucksäcke kontrollieren", kündigt Heiner an.

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