Crailsheim Gesamtfeuerwehr: Fehlalarme kosten Kraft

Crailsheim / Sebastian Unbehauen 12.03.2018
Der Crailsheimer Stadtbrandmeister Armin Klingenbeck hat am Samstag in Jagstheim eine Gesamtfeuerwehr in sehr gutem Zustand präsentiert – aber auch auf Ärgernisse hingewiesen.

Stadtbrandmeister Armin Klingenbeck, der bekanntlich von jenseits der Landesgrenze stammt, pflegt nicht nur ein rollendes „R“, sondern auch eine durchaus spitze Zunge – was seiner Rede auf der Hauptversammlung der Crailsheimer Gesamtwehr am Samstagabend in der Jagstauenhalle eine angenehme Kurzweil verlieh.

So wies er etwa darauf hin, dass man noch zu wenige Atemschutzgeräteträger in den eigenen Reihen habe und erklärte das kurzerhand auch mit der neuen Bartmode, die dem dichten Anliegen der Maske zuwiderlaufe. So berichtete er auch von einem Dauerbrenner im Leben eines Feuerwehrmanns: der Katzenrettung. „Wenn da einer mit einer Funzel steht und 25 Leute schreien: Da würde ich als Katze auch nicht vom Baum kommen.“ Und so echauffierte er sich über Einsätze, die eigentlich nicht sein müssten – wenn zum Beispiel, wie geschehen, Wasser drei Zentimeter hoch in einem Aufzugschacht steht, und der Hausmeister nicht einfach selbst zur Pumpe greift: „Da ist die Feuerwehr das Ventil für die eigene Faulheit.“

Löscheinsatz bei Glatteis

Man kann solchen Ärger verstehen, schließlich gehen die Übungsstunden der Crailsheimer Wehr in die Tausende, und schließlich gibt es auch jede Menge ernster Einsätze (siehe Zahlen unten). Wohnhaus-Brände in Kirchberg, ein brennender Schweinestall in der Gemeinde Blaufelden und der Brand einer Lackiererei in Ingersheim bei widrigen Glatteis-Bedingungen ragten im vergangenen Jahr aus der Masse der Einsätze heraus.

Angesichts des großen Aufwands, den das Engagement fürs Gemeinwohl mit sich bringt – für das sich Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer, Landrat-­Stellvertreter Michael Knaus und Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Alfred Fetzer bedankten – ist es umso erstaunlicher, dass die Zahl der Aktiven in Crailsheim 2017 um 14 auf 322 gewachsen ist. Der Trend in anderen Feuerwehren zeigt meist in die andere Richtung. Und, ebenfalls sehr positiv: Die Crailsheimer Jugendfeuerwehr ist nach wie vor die größte im Kreis.

Fehlalarmierungen durch Brandmeldeanlagen in Betrieben sind freilich immer noch ein großes Ärgernis. Sage und schreibe 124-mal rückten die Brandbekämpfer im vergangenen Jahr deshalb grundlos aus. Das waren fast 40 Prozent aller Einsätze. Der Stadtbrandmeister appellierte an die Betriebe, den Brandschutz ernst zu nehmen. Schlügen die Flammen nämlich erst einmal aus dem Dach, dann könne die Feuerwehr das Gebäude nicht mehr retten – und die Arbeitsplätze seien gefährdet. Klingenbeck: „Wenn heute ein Großbetrieb abbrennt, hat bereits im Vorfeld eine ganze Menge an Struktur versagt.“ Er kündigte an, das Gespräch mit Geschäftsführungen zu suchen.

Klingenbeck und OB Grimmer waren sich übrigens völlig einig, dass die dezentrale Feuerwehrstruktur in Crailsheim genau die richtige sei – schließlich sei es viel leichter, den Nachwuchs für ein Engagement direkt am Wohnort zu begeistern. Und Grimmer betonte, die Wertschätzung von Stadtverwaltung und Gemeinderat drücke sich auch darin aus, dass derzeit in einer ganzen Reihe von Stadtteilen Neubauten oder Erweiterungen von Magazinen geplant seien.

Westgartshausener richten aus

Einen Neubau soll es etwa in Westgartshausen geben. Von der schwierigen und nicht abgeschlossenen Standortsuche berichtete Ortsvorsteher Hermann Wagner. Die Westgartshausener Abteilung richtete die Hauptversammlung aus – in Jagstheim, weil in der heimischen Halle Tischtennis gespielt wurde.

Ehrungen, Verabschiedungen und Beförderungen

Für 40 Dienstjahre erhielt das Feuerwehr-Ehrenzeichen in Gold: Jürgen Horlacher

Für 25 Dienstjahre erhielten das Feuerwehr-­Ehrenzeichen in Silber: Thomas Bretz, Frank Kettemann, Gerhard Meißner, Dirk Müller, Steffen Rothmer, Stefan Rück, Larissa Vogt, Jürgen Voß und Harald Wüstner

Aus dem aktiven Dienst verabschiedet: Hauptfeuerwehrmann Wilhelm Schierle, Brandmeister Jürgen Ziegner und Oberbrandmeister Helmut Schenkel. Letzterer wurde zum Ehrenkommandanten ernannt.

Zum Löschmeister befördert: Patrick
Breuer, Markus Butz, Andreas Marek, Benjamin Mihalik und Bernd Otterbach

Zum Hauptlösch­meister befördert: Tim Woisetschläger

Zum Brandmeister befördert: Andreas Groß, Markus Keck und Sebastian Schmidt

Zum Oberbrandmeister befördert: Marcus Swonke

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