Interview Haller Psychologin Karin Heil-Bulling arbeitet mit Mobbing-Opfern zusammen

Karin Heil-Bulling führt eine eigene Praxis für Psychotherapie in Schwäbisch Hall.
Karin Heil-Bulling führt eine eigene Praxis für Psychotherapie in Schwäbisch Hall.
Landkreis / Sarah Schwellinger, Lisanne Eklund 12.09.2012
"Mobbing hat durch das Internet eine neue Qualität erhalten", sagt Psychologin Karin Heil-Bulling. Den klassischen Opfertyp gebe es nicht.

HT: Frau Heil-Bulling, haben Sie in Ihrer Arbeit mit Mobbing-Opfern zu tun?
Heil-Bulling: Ja, ich habe schon öfters mit Cybermobbing-Opfern gearbeitet, auch aktuell. Ich versuche, diese zu stabilisieren und ihnen zu helfen.

Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind ein Cybermobbing-Opfer ist, und wie können sie reagieren?
Opfer sind meist angespannt, zurückgezogen und haben Angst, zu berichten. Die Eltern sollten einen Psychologen oder Psychotherapeuten für ihr Kind aufsuchen.

Wie sollen sich Betroffene verhalten?
Sich Hilfe holen, mit jemandem darüber reden und im Extremfall einen Anwalt einschalten. Opfer sollten sich wehren und sich nicht zurückziehen.

Gibt es den klassischen Opfertyp?
Nein, es kann wirklich jeden treffen. Aber meistens trifft es Menschen, die sich von der Masse abheben. Zum Beispiel durch ihr Äußeres oder großen Ehrgeiz. Sie werden eigentlich für ihre guten Eigenschaften gemobbt. Dabei spielen Neid und Missgunst eine Rolle.

Kann man etwas tun, um gar nicht erst gemobbt zu werden?
Man sollte sich von Anfang an wehren und hoch erhobenen Hauptes kämpfen.

Worüber klagen Betroffene?
Oft klagen sie über körperliche Leiden, die durch seelische Störungen hervorgerufen werden.

Worunter leiden sie am meisten?
Da Mobbing ein ständiger Stresszustand ist, löst es oft Burn-Out, Depressionen, Ängste und Konzentrationsstörungen aus. Betroffene befinden sich in einem Teufelskreis und lassen sich leicht in die Opferrolle drängen.

Nach Ihrer Erfahrung: Hat das Mobben durch das Internet eine neue Qualität erhalten?
Auf jeden Fall. Mobbing hat zugenommen. Für den Täter ist es viel einfacher geworden, Angst zu verbreiten und anderen zu drohen, bis hin zu Morddrohungen. Ihre "Gegner" nicht zu kennen, macht den Opfern große Angst.

Würde es Ihrer Meinung nach helfen, Mobbing unter Strafe zu stellen?
Ja. Leider ist es aber oft schwer, Beweise dafür zu finden.

Wo fängt Mobbing überhaupt an?
Wenn sich jemand in die Enge gedrängt fühlt. Aber zu beweisen, dass man vom Chef gemobbt wird, ist nicht einfach.

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