Mit Deutsch und Englisch ist das bei Tuomas Iisalo so eine Sache. Der finnische Headcoach der Hakro Merlins Crailsheim beherrscht beide Sprachen. Im Zweifel gibt er Englisch aber den Vorzug. Das wissen etwa Journalisten, die nicht selten eine englische Antwort auf eine deutsche Frage erhalten.

Insofern kann sich Markus Häffner durchaus glücklich schätzen. Ihm, der normalerweise als Moderator des Spieler-Talks nach den Bundesligapartien auftritt, stand Tuomas Iisalo am vergangenen Montag auf Deutsch Rede und Antwort – auch wenn er an der ein oder anderen Stelle doch kurz ins Englische wechselte.

Markus Häffner und Tuomas Iisalo sprachen per Video-Telefonat miteinander, das die Merlins live im Internet übertrugen. Nach Tuomas Iisalo war noch Shooting Guard Maurice Stuckey im Stream zu Gast. „Magic Talk“ nennt der Klub dieses Format. Dabei gehen die Zauberer immer montags um 19 Uhr auf ihrem YouTube-Kanal mit neuen Gästen aus dem und um den Verein auf Sendung.

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Youtube Hakro Merlins: Tuomas Iisalo und Maurice Stuckey im Interview

Tuomas Iisalo in Plauderlaune

„Auch ohne Spiele wollen wir die Fans auf dem neuesten Stand halten“, sagt Pressesprecher Andre Ufer über das neue Format. „Die Talks sollen den Leuten Spieler und Personen im Verein näherbringen.“ Tatsächlich waren die Merlins in den vergangenen Wochen bemüht, über das Internet den Kontakt zu ihren Anhängern zu suchen, häufig auch per Live-Videos in sozialen Netzwerken. „Die Spieler finden das sehr gut. Sie vermissen ja auch die Spiele und die Fans“, sagt Ufer.

Von finnischer Kälte ist bei Iisalo, sonst eher ein zurückhaltender Typ, im Video-Gespräch nichts zu spüren. So erzählt der 37-Jährige lachend, wie er und Bruder Joonas 1993 mit ihrer Oma die NBA-Endspiele zwischen den Phoenix Suns und den Chicago Bulls mit Michael Jordan geschaut haben. Iisalo spricht auch ausführlich über seine Zeit in Crailsheim: von der Enttäuschung, in seiner ersten Saison in die zweite Liga abzusteigen („Wir hatten gute Spieler, aber kein gutes Zusammenspiel“), bis zum Klassenerhalt am letzten Spieltag im vergangenen Jahr („Wir haben unser Lehrgeld bezahlt, aber wurden nicht dafür bestraft“).

Tafelladen in Crailsheim Der Zusammenhalt ist vorbildlich

Crailsheim

Stuckey als Verstärkung

Zur Verpflichtung von Maurice Stuckey, der sich später zuschaltet, plaudert Tuomas Iisalo aus, dass Center Dejan Kovacevic den Verantwortlichen seinen Freund Stuckey als Neuzugang vorgeschlagen hatte. Zum Glück, muss man aus Crailsheimer Sicht sagen, denn Stuckey hat sich in den vergangenen Monaten als echte Verstärkung ausgezeichnet. Unvergessen ist sein Auftritt im Februar gegen Braunschweig, als er sieben Dreier ohne Fehlwurf verwandelte. Dazu sagt Maurice Stuckey nüchtern: „Ich bin froh, dass die Dinger reingefallen sind.“

Während der Spielbetrieb der Basketball-Bundesliga weiter stillsteht, ist am Wochenende eine vierteilige Dokumentation über die laufende Saison der Hakro Merlins Crailsheim gestartet. Die erste Folge von „Pure Magic“, so der Titel der Reihe, gibt es auf Magentasport.de zu sehen. Die Dokumentation nimmt das Innenleben des Vereins unter die Lupe, auch die Vorgänge in der Umkleidekabine. „Nie gab es so intime Einblicke hinter die Kulissen eines deutschen Profi-Basketballclubs“, heißt es auf der zugehörigen Homepage pure-magic.de. Dort werden die Folgen kostenlos abrufbar sein.

Förderverein soll für Entlastung sorgen – Mannschaft ist in Kurzarbeit


Fans und Unterstützer der Hakro Merlins Crailsheim haben nun die Möglichkeit, Mitglied im Förderverein zu werden. Die Mitgliedschaft kostet halbjährlich 19,86 Euro. Im Jahr 1986 wurde der Basketballklub als Schüler-AG gegründet. „Mit der Mitgliedschaft kann sich jeder zu den Merlins bekennen“, sagt Geschäftsführer Martin Romig. Das Geld aus dem Förderverein wird für die Bereiche der Merlins jenseits des Profisports und der zugehörigen GmbH verwendet. Es soll auch den Amateur- und Jugendbereich weniger abhängig vom (finanziellen) Erfolg oder Misserfolg der Profi-Mannschaft machen. Rund 250 Personen sind laut Romig bislang beigetreten.

Eine Person habe eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit abgeschlossen. Es handele sich dabei um einen ehemaligen Jugendspieler, dessen „Herz am Verein und Standort hängt“. Eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit kostet einmalig 1986 Euro. Insgesamt seien die Merlins in der Lage, „diese Saison mit einem blauen Auge irgendwie zu überstehen“. Ob und welche weiteren Aktionen in Zukunft nötig werden, um das Fortbestehen der Merlins zu sichern, sei derzeit unklar.

Die Mitarbeiter der Hakro Merlins, und damit auch die Mannschaft und der Betreuerstab, befinden sich in Kurzarbeit. In der Geschäftsstelle herrsche noch ein „Mini-Betrieb“, aktuell seien große Teile „zum Nichtstun verdammt“, so Romig. Alle Spieler hätten die Maßnahme unterstützt.

Aufgrund der Kurzarbeit hat die Bundesliga-Mannschaft der Hakro Merlins Crailsheim aktuell keinen festen Trainingsplan. Stattdessen würden Spieler sich individuell verabreden und in Kleingruppen in der Hakro-Arena trainieren, so Romig. „Sobald wir wissen, wie es weitergeht und dass ein ordentliches Training stattfinden kann, sind wir wieder am Start.“ Laut Verordnung des Landessozialministeriums ist ein normales Training ohnehin nicht möglich. Profisportler dürfen höchstens zu fünft trainieren und müssen dabei mindestens eineinhalb Meter Abstand untereinander wahren. lex