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Crailsheim
Ilshofen / Joachim Mayershofer  Uhr
Verlieren die Hakro Merlins Crailsheim am Freitagabend zu Hause, ist der Abstieg aus der Bundesliga kaum noch zu vermeiden.

Drei Spieltage vor Schluss der Bundesliga-Haupt­runde geht es für die Hakro Merlins Crailsheim (sieben Saisonsiege) schon um alles. Wenn sie am Freitagabend ihr Heimspiel gegen die BG Göttingen (acht Siege) verlieren sollten, ist der Abstieg so gut wie besiegelt. Das größte Problem der Merlins: Sie haben gegen die zwei Konkurrenten Mitteldeutscher BC und Bremerhaven (beide acht Siege) den direkten Vergleich verloren, der dann bei Punktgleichheit am Ende der Hauptrunde ins Spiel kommt und für die beiden Klubs spricht. Beim Schlusslicht Jena (fünf Siege) muss Crailsheim am nächsten Freitag antreten. Hier haben die Merlins das Vorrundenspiel deutlich mit 101:78 gewonnen. Gegen Göttingen verloren die Zauberer hingegen mit 80:93. Um auch im direkten Vergleich mit der BG die Nase vorne zu haben, muss Crailsheim am Freitag also mit mehr als 13 Punkten Differenz gewinnen.

Unterschiedlicher könnte der Saisonverlauf für die beiden Aufsteiger gar nicht sein. Auch wenn die Crailsheimer das Spiel jederzeit offen halten können, gewinnt Vechta dennoch knapp mit 95:92

Göttingen hält mit Sieg die Liga

Dass aber alleine schon der „normale“ Sieg eine schwierige Angelegenheit werden wird, ist angesichts der Ausgangslage klar: Denn mit einem Erfolg gegen Crailsheim hat Göttingen den Ligaverbleib sicher. Die Veilchen haben allerdings wie die Merlins eine schlechte Serie vorzuweisen: Sie verloren die vergangenen fünf Spiele in Folge, darunter gegen die Kellerkinder MBC und Bremerhaven. Crailsheim hat sogar die letzten sechs Partien hintereinander nicht mehr gewonnen. Gegen Ulm (76:82) unterlag Göttingen knapp. „Ich bin zufrieden mit unserer Verteidigung, die sehr physisch war. Wir haben unseren Gameplan gut umgesetzt. Offensiv waren wir phasenweise zu statisch. Wenn wir schnell gespielt haben, waren wir in der Lage, zu punkten. Ich hätte mir ein bisschen weniger Ballverluste und ein paar mehr Offensiv-Rebounds gewünscht“, sagte Göttingens Trainer Johan Roijakkers nach der Niederlage.

Auch wenn Göttingen in Crailsheim verlieren sollte, hätte die BG die Entscheidung um den Klassenerhalt immer noch in der eigenen Hand, da der Mitteldeutsche BC und Bremerhaven am letzten Spieltag gegeneinander antreten müssen. Eines der beiden Teams kann also nur noch auf maximal zehn Siege kommen, und die Göttinger sind in beiden direkten Vergleichen besser.

Während die Hakro Merlins Crailsheim in der Bundesliga um den Klassenerhalt kämpfen, versucht Rasta Vechta, sich den Heimvorteil in den Play-offs zu sichern.

Die Situation, in der sich die Hakro Merlins Crailsheim befinden, ist also verzwickt. Siege gegen Göttingen und Jena sind die Basis dafür, dass es mit dem Klassenerhalt klappt. „Wir müssen dieses Spiel gegen Göttingen gewinnen! Alle anderen Konstellationen, damit wir noch in der Liga bleiben können, sind für uns äußerst schwierig“, nimmt Ingo Enskat, der sportliche Leiter der Merlins, kein Blatt vor den Mund. „Wir müssen gut ins Spiel kommen und von Anfang an wach sein.“

Können die Hakro Merlins ihr volles Potenzial abrufen?

Ob die Mannschaft mit der Drucksituation umzugehen weiß? „Das ist im Vorfeld schwer zu beantworten“, sagt Enskat. „Es hat in dieser Saison schon beides gegeben: Beim MBC war es zum Beispiel auch ein Schlüsselspiel, das wir mit einer sehr starken Leistung gewonnen haben. Es gab aber auch Situationen, wo wir unsere Leistung nicht abgerufen haben. Gegen Göttingen muss jeder 100 Prozent Leistung bringen.“

In den knapp verlorenen Spielen gegen Ulm und in Vechta habe man auf Augenhöhe agiert, sagt Enskat. Es gelte jedoch, die Ballverluste zu minimieren, sich die Rebounds zu packen und nach jedem Ball zu hechten – echte Kämpfermentalität an den Tag zu legen. „Und im Angriff müssen wir unsere Stärken nutzen.“

Ob dabei Spielmacher Frank Turner mithelfen kann, ist noch nicht sicher. „Er ist gegen Vechta umgeknickt. Die Chancen, dass er spielen kann, stehen 50:50. Es wäre sehr wichtig, dass er dabei ist!“ Zudem ist Joe Lawson noch angeschlagen, der wie Sebastian Herrera gegen Vechta nicht eingesetzt wurde. „Joes Knie schwillt bei zu viel Belastung schnell an. Er kann aber spielen, die Reha kann er im Sommer machen.“ Der zuletzt oft aus dem Kader genommene Michael Cuffee machte gegen Vechta Werbung für sich und einen Einsatz gegen Göttingen.

Cuffee musste nach der Verpflichtung des NBA-erfahrenen Hollis Thompson häufig pausieren. „Ich wünsche mir von Hollis, dass er mit höherer Intensität spielt, im Angriff und in der Defensive mehr Präsenz zeigt. Die Mannschaft muss ihn aber auch besser einsetzen, wenn er frei ist. Sie darf sich aber auch nicht nur auf ihn fokussieren“, betont Enskat. Thompsons Entwicklung sehe er positiv, auch wenn noch nicht das Maximale herauskomme, „wenn man rein die Punkte betrachtet. Aber in Statistiken, die man nicht so sieht, kann man Hollis wenig vorwerfen.“

Ein Blick in die Teamstatistiken zeigt: Göttingen erzielt pro Spiel im Schnitt 78,45 Punkte, Crailsheim kommt auf 83,10.

Göttingen wartet mit Sohn einer US-Basketball-Legende auf

Der sportliche Leiter der Merlins hofft, dass das Team gegen Göttingen nicht verkrampft, sondern mit der Unterstützung der Zuschauer viel Schwung aufnimmt und sich pushen kann. „Wir sind drei Spieltage vor Saisonschluss noch mittendrin im Kampf um den Klassenerhalt. Vor der Saison haben uns das realistisch betrachtet doch nur wenige zugetraut, dass wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch eine Chance haben, in der Bundesliga zu bleiben.“

Bei Göttingen ragt Michael Stockton heraus, dessen Vater John zu den besten Spielern in der Geschichte der NBA zählt. Der Spielmacher der Utah Jazz (von 1984 bis 2003) war Mitglied des legendären Dream-Teams mit Michael Jordan, Magic Johnson und Co., mit dem die USA 1992 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Barcelona holte. Sein Sohn Michael, ebenfalls als Spielmacher tätig, ist in dieser Saison bei Göttingen bester Punktesammler (16,0 Punkte pro Partie), Vorlagengeber (7,1 Assists) und Balldieb (1,1 Steals).

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Nach einem 94:85-Derbysieg bei den Hakro Merlins Crailsheim ziehen die MHP Riesen Ludwigsburg nach Pluspunkten mit dem Tabellensiebten Bonn gleich.

Das Restprogramm der Abstiegskandidaten

BG Göttingen (Platz 14, 8 Siege)
Crailsheim (Auswärtsspiel, Platz 17)
Ludwigsburg (Heimspiel, Platz 10)
Jena (A, Platz 18)

MBC (Platz 15, 8 Siege)
Braunschweig (H, Platz 9)
Oldenburg (A, Platz 2)
Bremerhaven (H, Platz 16)

Bremerhaven (Platz 16, 8 Siege)
Frankfurt (H, Platz 12)
Berlin (A, Platz 3)
Mitteldeutscher BC (A, Platz 14)

Crailsheim (Platz 17, 7 Siege)
Göttingen (H, Platz 14)
Jena (A, Platz 18)
Oldenburg (H, in Würzburg, Platz 2)

Jena (Platz 18, 5 Siege)
Bonn (A, Platz 7)
Crailsheim (H, Platz 17)
Göttingen (H, Platz 14)

Info Hakro Merlins Crailsheim –

BG Göttingen, Freitag, 20.30 Uhr