Von 115 Spielen in ihrer vierjährigen Zugehörigkeit zur Basketball-Bundesliga hatten die Hakro Merlins Crailsheim bis Samstag 30 Spiele gewonnen. Alleine in dieser Saison haben sie das Spielfeld nach 13 absolvierten Spielen achtmal als Sieger verlassen gehabt. Am Samstag kam ein weiterer Erfolg hinzu. Und doch ist dieser Sieg etwas ganz Besonderes – „ein Moment für die Ewigkeit, den man gerne für immer festhalten möchte“, wie es Merlins-Geschäftsführer Martin Romig formulierte. Zum ersten Mal in ihrer Bundesliga-Geschichte haben die Crailsheimer Korbjäger eines der drei großen B’s des deutschen Basketballs – Bayern, Berlin und Bamberg – entzaubert. Mit 73:69 besiegten die Merlins den neunfachen deutschen Meister und amtierenden Pokalsieger Brose Bamberg. Damit haben die Hohenloher nach 14 Saisonspielen schon neun Siege auf dem Konto, so viele wie am Ende der vergangenen Spielzeit insgesamt. Mit einer Bilanz von neun Siegen und fünf Niederlagen haben die Crailsheimer in der Tabelle Play-off-Platz 5 inne.

Hakro Merlins spielen gegen Bamberg mit viel Enthusiasmus

Der Sieg gegen Bamberg war völlig verdient, wie Gästecoach Roel Moors anerkannte: „Crailsheim hat mit viel Enthusiasmus gespielt und hat bekommen, was es verdient. Damit meine ich nicht nur das Spiel, sondern die ganze Saison. Wenn du mit Enthusiasmus spielst und mit Freude, dann kann viel passieren.“ Das habe er bei seiner Mannschaft vermisst. Moors bemängelte vor allem die Verteidigungsleistung seiner Truppe und auch die eigensinnige Spielwiese in der ersten Halbzeit. Erst nach dem Seitenwechsel „haben wir ein respektables Gesicht gezeigt und hatten eine kleine Chance“, so der Bamberger Trainer, der auch mit der miserablen Freiwurfquote seiner Mannschaft (8 von 16) nicht zufrieden sein konnte.

Die Gäste erarbeiteten sich mit einem 11:0-Lauf gegen Ende des ersten Viertels ihre größte Führung an diesem Abend (16:13 nach 5:13-Rückstand). Die Merlins lagen zwischenzeitlich mit zwölf Zählern vorne (68:56). Etwas mehr als zwei Minuten vor Schluss des Spiels hieß es 69:60 für die Hausherren, doch durch zwei Dreier von Louis Olinde und Christian Sengfelder verkürzte Bamberg bei noch 58 Sekunden auf der Uhr auf 66:69. 36 Sekunden später traf Darion Atkins nur einen von zwei Freiwürfen zum 67:69. Und als auf der Gegenseite Javontae Hawkins nur einen Freiwurf traf (70:67), nahm Bamberg bei 18 Sekunden Restspielzeit die Auszeit. Tre McLean verpasste den Dreier zum Ausgleich, Fabian Bleck sicherte sich den Rebound und Jeremy Morgan traf nach Foul einen Freiwurf zum 71:67. Olinde brachte Bamberg noch einmal auf 69:71 heran, doch ein schneller Einwurf machte den Deckel drauf. Aaron Jones passte auf Fabian Bleck, der per Korbleger für den Endstand von 73:69 sorgte und damit die Arena Hohenlohe zum Beben brachte.

Ford und Stuckey fehlen

Kurios: Es waren die einzigen beiden Punkte eines Crailsheimers, der nicht in der Startformation stand. Jan Span und der von einer Knöchelverletzung wiedergenesene Dejan Kovacevic kamen nicht aufs Scoreboard, Aleksa Kovacevic, Liam Carpenter und Sören Urbansky bekamen keine Einsatzzeit, Quincy Ford musste mit Problemen im rechten Knie passen und Maurice Stuckey durfte wegen einer Vertragsklausel nicht gegen sein Ex-Team auflaufen.

Dafür legten die Spieler der Merlins-Starting-Five jeweils zweistellige Punkte auf, machten 71 der 73 Punkte. Bei Bamberg kamen nur Tre McLean und Louis Olinde auf eine zweistellige Ausbeute (je 11). Topscorer der Partie war Jeremy Morgan (19), der sich zudem noch neun Rebounds schnappte. Aaron Jones machte zehn seiner 14 Punkte nach fünf Alley-oop-Anspielen, bei denen er die Pässe seiner Mitspieler im Flug aus der Luft pflückte und die Bälle in den Korb dunkte. Alleine die Kombination Herrera/Jones führte auf diese spektakuläre Weise dreimal zum Erfolg. Und der Mann mit dem Afro ließ es noch einmal mächtig krachen, als er beim Stand von 59:56 Darion Atkins erst den Ball stibitzte, dann Richtung Korb zog und bei seinem erfolgreichen Dunk von Atkins unsportlich gefoult wurde (61:56). Eine unheimlich wichtige Aktion im Spielverlauf.

Die restlichen drei Starter der Merlins – DeWayne Russell (12), Sebastian Herrera (12) und Javontae Hawkins (14) – vervollständigten den Punktestand auf der Anzeigetafel, die von vielen Fans nach dem Spiel fotografiert wurde. Merlins 73, Bamberg 69 leuchtete dort auf – Wahnsinn!

„Das war eine sehr gute Defensivleistung von uns heute – wir haben gegen eine solche Mannschaft nur 69 Punkte kassiert. Wenn mir vor dem Spiel jemand gesagt hätte, dass wir ohne Quincy Ford und Mo Stuckey und mit 22 Prozent Dreierquote eine Chance gegen Bamberg haben, dann wäre ich anderer Meinung gewesen“, sagte Merlins-Coach Tuomas Iisalo auf der Pressekonferenz. „Wir spielen mit unglaublicher Energie. Die Jungs spielen füreinander. Dazu mit dieser tollen Stimmung hier in jedem Spiel, das führt zu einem positiven Kreislauf der Energie. Das freut mich, da ich jeden Tag sehe, wie hart die Jungs arbeiten. Es sind junge Spieler, aber sie haben eine Idee, wie man sich verbessern kann.“

So spielten sie


Crailsheim – Bamberg

73:69

Crailsheim: Morgan (19 Punkte, 3 von 10 Dreier, 9 Rebounds), Jones (14,
2 Blocks), Hawkins (14, 6 Rebounds,
3 Steals), Herrera (12, 2 von 4 Dreier), Russell (12, 4 Assists), Bleck (2, 5 Rebounds, 2 Steals), Span, D. Kovacevic

Bamberg: McLean (11 Punkte, 2 von 5 Dreier, 2 Steals), Olinde (11, 7 Rebounds), K. Taylor (9, 6 Assists), Atkins (9, 8 Rebounds, 2 Blocks), Marei (9, 7 Rebounds), Sengfelder (8, 2 von 4 Dreier, 6 Rebounds), Harris (8), Weidemann (2), Obasohan (1), Lee (1),
B. Taylor

Viertel: 13:16, 27:17, 14:18, 19:18
Rebounds: 36:42
Assists: 18:21
Steals: 8:7
Turnover: 11:12
Zweier: 21/35 : 20/44
Dreier: 6/27 : 7/21