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Crailsheim
Crailsheim / Harald Zigan  Uhr
Jungen und Mädchen arbeiten einen Tag lang in Betrieben und spenden ihren Lohn für einen guten Zweck. Gymnasiasten aus Crailsheim sammeln auf Bauernhöfen praktische Erfahrungen.

Die Jugend von heute ist besser als ihr Ruf. Wer zum Beispiel den putzmunteren Jungen und Mädchen der Klasse 6a des Crailsheimer Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG) die Fangfrage stellt, ob es denn lila Kühe gibt, erntet ein müdes Lächeln: „Höchstens, wenn man die Kühe lila anstreicht.“

Die Gymnasiasten zählen zu den wohl über 800 Schülern aus dem Kreis, die gestern am Internationalen Tag des Ehrenamtes die Schulbücher und Kugelschreiber mit Bohrmaschinen und Schaufeln tauschten, in Firmen aller Art ausschwärmten und bei der vom Landkreis-Jugendreferenten Dietmar Winter koordinierten Aktion die Ärmel hochkrempelten.

Dem Landratsamt sind keine Krankheitsfälle nach dem Verzehr der „Demeter-Lammbeißer“ bekannt.

Den Lohn für ihre Arbeit spenden die jungen Leute heuer sowohl für die Fördervereine der Förderschulen im Landkreis als auch für die SOS-Kinderdörfer, die Aktion „Mitmachen und teilen“ (MUT) sowie für den Verein „Help“.

Ärmel hochgekrempelt

Die 25 Schülerinnen und Schüler des ASG mit ihren Lehrerinnen Lisa Müller und Kerstin Dittmann entschieden sich für die Landwirtschaft. Der Kontakt zu zwei Bauernhöfen in Jagstheim war schnell geknüpft, schließlich drückt der Landwirtssohn Jens Wüstner in dieser Klasse die Schulbank und bei seinem Vater Bernhard Wüstner und dessen Partnerin Eva-Maria Schulz musste ohnehin keine große Überzeugungsarbeit geleistet werden: „Die Aktion bringt den Kindern die Landwirtschaft näher und sie sehen, welche Arbeit dahintersteckt“, sagt Bernhard Wüstner, der die Rasselbande zusammen mit seinem Freund Steffen Mayer betreute.

Beim Weihnachtsmarkt der Vereine trifft sich Crailsheim am Wochenende auf dem Marktplatz

Auf dem 150-Hektar-Hof mitsamt Biogasanlage stehen nicht nur Muttersauen und Ferkel in den Ställen, sondern auch Duroc-Schweine auf der Weide, deren Fleisch und Wurst ebenfalls über einen Hofladen direkt vermarktet wird. Das Schweine-Paradies unter freiem Himmel war dann auch der Arbeitsplatz für die Schüler: Den Unterstand ausmisten, Litzen am Zaun ziehen und das Domizil des Borstenviehs mit einem zweiten Dach winterfest und warm machen – das stand hier auf der Agenda.

Streicheleinheiten für Moggele

Zuweilen war die buchstäbliche Bodenhaftung und Erdverbundenheit so groß, dass Schüler mit ihren im Matsch versunkenen Gummistiefeln nur mit vereinten Kräften wieder befreit werden konnten. „Heute Abend werden die Waschmaschinen heiß laufen“, kommentierte die Lehrerin Kerstin Dittmann.

Jede Menge Streicheleinheiten gab es auch auf dem benachbarten Hof, der von Daniel Horlacher und seinen Eltern Monika und Jürgen bewirtschaftet wird. Die Stars auf dem 110 Hektar großen Milchviehbetrieb mit seinen 90 Fleckvieh-Kühen und einigen schwarzbunten Exemplaren waren natürlich die Kälber, die von den Schülern getränkt und gefüttert sowie mit frischer Einstreu versorgt wurden.

Die Bilanz der Jungen und Mädchen war eindeutig: „Das war ein voll cooler Tag“ hieß es unisono.