Eigentlich, so Achim Bellmann, von 1998 bis 2004 Gemeindediakon in Altenmünster, habe er sich bei der Auseinandersetzung mit dem Sprichwort „Sich regen bringt Segen“ gedacht, man würde der Aussage sofort zustimmen und der Abend wäre gelaufen. Aber er habe sich geirrt, denn das Thema habe doch mehr zu bieten. Dass er damit recht hatte, zeigte sich bei dem in der Reihe „Nachgefragt in Altenmünster“ veranstalteten Kirchentalk im Foyer der Friedenskirche.

Dass die mehr als 60 Zuhörenden einen interessanten wie amüsanten Abend erleben durften, war insgesamt acht Akteuren zu verdanken. Da war zunächst das Moderatorenpaar Winfried Dressler und Andrea Bayerlein-Mittag, die vierköpfige Band mit Dr. Axel Fetzer (Keyboard), Fred Silvester Großpietsch (Gitarre), Simon Müller (Geige) und Joachim Polsfut (Schlagzeug) und die Hauptpersonen Konrad Wysocki sowie der nun in Murrhardt wirkende Pfarrer Achim Bellmann.

Segen als göttliche Kraft

Konrad Wysocki begann seinen Teil sehr pointiert. Man hätte denken können, das zweiteilige Thema sei so strukturiert, dass er als Sportler für den Teil des Regens, der Bewegung, zuständig sei, während „der Herr Pfarrer“ sich mit dem Segen beschäftigen könne. Nachdem er sich aber mit der Definition dessen, was Segen eigentlich bedeute, näher beschäftigt habe, sei ihm klar geworden, dass er selber gesegnet sei. Wenn man Segen als Anteil göttlicher Kraft und Gnade sowie die Förderung von Glück definiere, habe er großen Anteil an seinem Leben: Er sei groß und kräftig, was es ihm erlaube, Basketball zu spielen. Zudem sei er mit Talent gesegnet, der Fähigkeit, in diesem sportlichen Bereich besser zu sein als andere.

Der Merlins-Spieler zeigte sowohl die positiven Seiten der Betätigung als Profisportler als auch die Schattenseiten, nämlich häufiges Training und die Belastung bis an die Grenzen des körperlichen und geistigen Vermögens. Seit 15 Jahren, sagte er, ist es so, als hätte er jede Woche eine Prüfung zu bestehen. Denn man werde immerfort an seiner jeweiligen Spiel-Leistung gemessen.

Zwar gewöhne man sich auch an die täglichen zweistündigen umfangreichen Trainingsabläufe mit anschließender Gesundheitsprüfung, doch bedeute dies ebenfalls viel Stress. In der späteren Fragerunde auf seine „nachsportlichen“ Planungen angesprochen, erklärte er, dass er sich auf die Zeit freue, die ihm dann frei zur Verfügung steht, ohne stets bestimmten Verpflichten ausgesetzt zu sein. Denn als Profisportler habe man so gut wie kein Privatleben. „Was lernt man daraus?“, fragte er weiter. Er kenne seinen Körper besser als alles andere. Auch lerne man sich persönlich kennen und wisse, wie man reagiert. „In jungen Jahren war der innere Schweinehund noch recht groß. Heute kämpft man trotz Schmerz weiter.“ Außerdem werde man lockerer im Umgang mit seinen Mitmenschen und den Medien. Er sei, so lautete sein Fazit, mit vielem gesegnet, habe sich aber auch manches angeeignet.

Achim Bellmann beschäftigte sich erst mit dem Wort „bewegen“. Rückblickend erklärte er, dass er als jüngerer Mensch gejoggt, in Satteldorf geklettert sei und mit anderen eine große blaue Kugel über verschlammte Äcker geschoben habe. Er sei inzwischen aber nicht mehr 26, sondern fast 57 Jahre alt. Er habe zwar vor Kurzem eine Radtour zwischen Murrhardt und Stuttgart mit vielen Höhenmetern unternommen und habe Grund, dankbar zu sein. Doch habe sich mit zunehmendem Lebensalter auch hier einiges verändert.

Wenn aber heutzutage Menschen einer Leistung hinterherrennen, die sie vor Jahren noch zu erbringen imstande waren, um mithalten zu können oder es sich oder anderen zu beweisen, sei dies fragwürdig. Man müsse mit Veränderungen leben.

Wissen, zu wem man gehört

In seiner Tätigkeit als Seelsorger begleitet Bellmann auch Menschen mit Handicap oder Trauernde, bei denen sich die Frage nach Gottes Segen stellt. Es gebe aber durchaus auch Kranke, die sich als gesegnet ansehen und auch gesegnet sterben. Die Frage sei: „Hilft die eigene Kraft, sich dem zu stellen, was einem die Kraft nimmt?“

Dass man unter „sich regen“ nicht nur körperliche, sondern auch geistige Regsamkeit verstehen kann, ist ein anderer Aspekt des Themas an diesem Abend. Während andere sportlich nicht gerade rege seien, so sei er an einem Instrument gar nicht rege. Die unterschiedlichen Talente müsse man durchaus auch als großen Segen ansehen. Daher sei es wichtig zu wissen, zu wem man gehört: zu einer Familie, zu Gott, dem Glauben.

Vier Musikstücke strukturierten den Abend, bei dem die ausführliche Fragerunde noch sehr viel zur Vertiefung des Themas beitrug. Humorvoll und sehr redegewandt wussten beide Hauptakteure das Publikum zu begeistern und waren sich auch mit dem Publikum einig: „Wer gesegnet ist, der hat etwas geschenkt bekommen.“

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