Crailsheim / Guido Seyerle  Uhr
Das Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl hat ein erfolgreiches Jahr 2018 mit rund 81 Millionen Euro Umsatz hinter sich. Die Nachfrage nach einem Produkt übersteigt die Produktion.

Der Jahresbeginn schwierig, ab dem Frühjahr dann überaus positiv: Das Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl hat am Freitagabend in der Jagstheimer Jagstauenhalle auf ein erfolgreiches Jahr 2018 zurückblicken können. „Wir können aus heutiger Sicht sagen, es hätte schlimmer kommen können“, sagte Gerd Moser.

Der Vorstandsvorsitzende lobte auf der 81. Generalversammlung den Einsatz der Mitglieder und der Mitarbeiter: „Wir haben viele Themen abgearbeitet: Milch ohne Gentechnik, Neubau sowie die Sanierung Eiswasser. Und wir blicken auf eine erfolgreiche Grillkäsesaison zurück.“

Im Januar/Februar 2018 stiegen die Milchmengen, die Preise gingen zurück. „Man erwartete das Schlimmste“, erinnerte sich Moser. „Doch der Markt beruhigte sich schnell. Wie im Vorjahr war das Fett sehr stark an der positiven Entwicklung beteiligt.“ Aber kurz darauf begann der trockene Sommer. Die Landwirte konnten nicht die übliche Anzahl von Grünlandschnitten einbringen. Seitdem sind die Futtervorräte begrenzt. Das erschwere eine Prognose für 2019, so Moser.

Transportunternehmer Klaus Vaigle zieht sich aus dem aktiven Berufsleben zurück.

19.502 Tonnen Käse hergestellt

Die Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren sind beeindruckend. Seit 2013 stieg die durchschnittliche Anlieferung je Lieferant von 231.021 auf 371.244 Kilogramm, die gesamte Milchverarbeitung betrug 143 Millionen Kilogramm. Daraus wurden 19.502 Tonnen Käse hergestellt.

Allerdings gab es auch Rückgänge: Beim Balkankäse betrug das Minus 400 Tonnen, beim Kash­kaval 100 Tonnen. Aber es gibt ja noch den Renner im Sortiment, den Grillkäse. 4079 Tonnen stehen in der Bilanz – ein Plus von sage und schreibe 1000 Tonnen im Vergleich zu 2017. Trotz Produktionsbeginn im Dezember 2017 und Sieben-Tage-Wochen konnte die Nachfrage nicht ganz gedeckt werden, im Juni kam es zu Lieferengpässen.

Höherer Milchpreis im Vergleich

Eine positive Folge: Das Milchwerk zahlte einen höheren Milchpreis, er lag netto um vier Cent höher als die durchschnittlichen 34,5 Cent in Deutschland. Der Vertrieb von Grillkäse und das Gesamtportfolio bei Käse wurden über die Firma Garmo in Stuttgart abgewickelt, die Verbraucher kennen die Produkte unter dem Markennamen Gazi.

Umgebung prächtig, Getränk sowieso: Die erste Mostprobe des Bollemer Obstbauvereins im Rathauskeller war ein Genuss.

Milchwerk-Geschäftsführer Josef Vögele freute sich über einen Mitarbeiterzuwachs von 25 Vollzeit- und vier Teilzeitkräften. „Die Grillkäseproduktion bindet sehr viel Personal. In der Vergangenheit wurde das fast ausschließlich mit Leiharbeitskräften ausgeglichen. Durch die geänderte Gesetzgebung ist es inzwischen besser, gute Mitarbeiter zu übernehmen“, sagte Vögele. Zum Jahresende gab es 365 aktive Milcherzeuger, ein Minus von 13 Milchbauern. Dieser Punkt zog nach Versammlungsende viele Gespräche unter den 500 Besuchern nach sich.

Der Strukturwandel ist trotz attraktivem Auszahlungspreis in vollem Gang. „Aus ökonomischer Sicht befinden wir Nutztierhalter uns in einem Konflikt zwischen grundsätzlich engen Gewinnspannen und der Zunahme an Forderungen und Auflagen, die allermeist steigende Kosten mit sich bringen“, betonte Moser. Als Beispiele nannte er Tierschutz, Tierwohl, Klimaschutz, Erhalt der Biodiversität und Schonung der Ressourcen. „Aber die höheren Kosten müssen bezahlt werden. Und dafür brauchen wir die Bereitschaft des Verbrauchers, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.“

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Mehr Mitarbeiter, weniger Mitglieder

Diese Kennzahlen 2018 des Milchwerks lassen sich sehen, in Klammern der Vergleich zu 2017 oder die Kennzahlen aus dem Jahr: 
Umsatz: 80,9 Millionen Euro (+ 8,8 Millionen Euro)
Mitarbeiter: 201 (+ 29)
Investitionen: 3,9 Millionen Euro (2,4 Millionen Euro)
Absatz Käse: 19 502 Tonnen (+ 57 Tonnen, inklusive Käserei Crailsheim)
Zahl der Mitglieder: 695 (- 24)
Bilanzgewinn 92 160,63 Euro (74 000 Euro) sey