Stadttauben gelten inzwischen als Schädlinge. Durch große Schwärme wildlebender Tauben geht in Stadtgebieten eine Gesundheitsgefährdung für Menschen und andere Tiere aus. Auch in Crailsheim steigt die Taubenpopulation an, die Hinweise und Beschwerden von Grundstückseigentümern und Wohnungsbaugenossenschaften häufen  sich. Dabei haben Stadtverwaltung und Privatleute in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen zur Taubenbekämpfung ergriffen (siehe Infokasten) – doch sie blieben ohne durchschlagenden Erfolg.

Taube als Beute erkennen

Jetzt kommt eine natürlich Methode zum Einsatz: Greifvögel sollen die Tauben aus der Innenstadt und den Stadtteilen vergrämen – also dauerhaft vertreiben. Der Falkner Roland Blum aus Wolpertshausen-Cröffelbach trainiert schon zwei junge Wüstenbussarde, damit sie die nötige Fitness und Ausdauer haben, um gezielt auf Taubenjagd gehen zu können. Außerdem müssen die Vögel lernen, die Taube als Beute zu erkennen. „Wir starten voraussichtlich im Mai“, erklärt Blum. Bis dahin sind die Tiere gut trainiert und die Witterung ist günstig.

Wüstenbussarde seien für diese Aufgabe besonders gut geeignet, berichtet der Falkner. „Sie jagen von Natur aus in Gruppen, sogenannten Kompanien. Sie harmonisieren gut untereinander und können sich eng an den Menschen binden. Ein Verstoßen kann weitgehend ausgeschlossen werden.“

Die Greifvögel werden in einer Transportkiste nach Crailsheim gebracht. Der Falkner läuft dann mit einem Vogel durch die Straßen und lässt ihn immer wieder von der Faust starten. Bei der Jagd fliegt der Greifvogel an den Häusern entlang und schreckt Tauben auf. Blum: „Der Vogel folgt dem Menschen und kehrt immer wieder zu ihm zurück. Manchmal fliegt er auch selber voraus und treibt einen Taubenschwarm.“

Neuen Lebensraum suchen

Drei bis vier Stunden dauert ein solcher Einsatz, den man in den ersten drei Monaten häufig durchführen muss und später in unregelmäßigen Abständen wiederholt. „Das Ziel ist, Unruhe in die Stadt zu bringen: Die Tauben sollen sich hier nicht mehr wohlfühlen und sich außerhalb der Stadt einen neuen Lebensraum suchen“, erklärt Blum. Vor allem sollen sie daran gehindert werden, in der Stadt zu brüten, denn eine Taubenpopulation vermehrt sich rasant.

Zum Einsatz kommen die Greifvögel in den Stadtteilen Roter Buck, im Neubaugebiet Hirtenwiesen, in Altenmünster sowie rund um den Berliner Platz auf dem Kreuzberg. Auch rund ums Rathaus in der Innenstadt sollen die Jäger fliegen, allerdings ist hier noch nicht abzusehen, ob die Vergrämung funktioniert, weil die Ablenkung für die Wüstenbussarde eventuell zu groß ist.

Während der Brutzeit der Störche werden die Greifvögel hier nicht fliegen, sagt der Falkner. Ohnehin sind seine Jäger keine Gefahr für den Storch. „Im Gegenteil: Storchenschnäbel sind scharf wie Messer, da machen meine Vögel einen großen Bogen drum herum“, so Blum.

Taubenabwehrende Maßnahmen in Crailsheim


Schon seit Jahren versucht die Stadt Crailsheim, Tauben aus der Stadt zu vertreiben. So gilt beispielsweise ein Fütterungsverbot in der Stadt.

In den 1990er-Jahren wurde an der Jagst ein Taubenhaus aufgestellt. Dadurch sollten Tauben aus der Innenstadt  umgesiedelt werden. Außerdem ist damit eine Geburtenkontrolle möglich.

Raubvogelattrappen, die an markanten Stellen installiert sind, sollen die verwilderten Haus- und Brieftauben, die sich gern in der Nähe von Menschen aufhalten, abschrecken.

Am Rathaus wurden schon vor Jahren Taubenschutzvorrichtungen angebracht. Diese wurde im Rahmen der Sanierung in den Jahren 2009 bis 2012 ergänzt oder modernisiert. Auch Hausbesitzer in der Innenstadt haben Abwehrnetze und Anflugsperren an ihren Gebäuden angebracht. hof