Ruppertshofen Grantig oder migrantig?

Tabuloser Lustigmacher: der in Niederbayern aufgewachsene Django Asül in Ruppertshofen.
Tabuloser Lustigmacher: der in Niederbayern aufgewachsene Django Asül in Ruppertshofen. © Foto: Stauferpress
Ruppertshofen / WERNER SCHMIDT 12.11.2014
Nun wissen alle, dass Ruppertshofen Provinz ist: Man müsse schon weit fahren, um einen Ort ohne Mobilfunknetz zu finden, spottete am Donnerstagabend Kabarettist Django Asül in der Erlenhalle.

Mit geschätzten 120 Besuchern war der Auftritt von Django Asül in Ruppertshofen ausverkauft. Auch drei türkischstämmige Gäste hatten den Weg in die Erlenhalle gefunden. Der Saal, der deutliche Gebrauchsspuren als Turnhalle für die Zenneck-Grundschule zeigt, wird von Django Asül gleich zum "modernen Kulturzentrum, erbaut mit Mitteln, die man nicht bei Stuttgart 21 untergebracht hat" erklärt. Sein Rückblick auf die Geschichte des knapp 2000-Einwohner-Dorfs endet 1609, als ein Großbrand in Ruppertshofen wütete: "Ein Großbrand im kleinen Ruppertshofen - da hat man sich aber viel Mühe gegeben."

Dem in Niederbayern aufgewachsenen Sohn türkischer Eltern ist kein Thema heilig. Wobei, das muss man schon anmerken, sein Programm "Paradigma" in die Tage gekommen ist. Ugur Bagislayici, so der kaum zu schreibende Geburtsname des Kabarettisten, der sich auf der Bühne Django Asül nennt, hat echt "olle Kamellen" drauf. Egal, ob das die inzwischen längst vergessenen Schlagzeilen um einen Tebartz van Elst sind oder die Querelen um die Beschäftigung von Angehörigen im bayerischen Landtag - auch das ein Thema im Bundes-Vorwahlkampf des vergangenen Jahrs. Insofern könnte das Programm durchaus eine Frischzellenkur vertragen, ohne an Spannkraft zu verlieren.

Das Feindbild Lehrer dagegen ist durchaus nachvollziehbar: "Die alten Lehrer saufen, um die letzten 30 Jahre zu vergessen, die jungen Lehrer saufen, um die nächsten 30 Jahre gar nicht erst mitzukriegen." Lehrer habens aber auch nicht leicht. Kommen sie ins Klassenzimmer, stellen sie fest: "Die eine Hälfte der Schüler ist grantig, die andere Hälfte migrantig."

Eine Feststellung, die Lehrerin Irene Spielmann aus eigener Erfahrung sogar noch präzisierte: "Ein Zehntel der Schüler sind grantig und sogar neun Zehntel migrantig." Sie kennt Django Asül von verschiedenen Auftritten und auch für Daniela Schabio ist er kein Unbekannter. Sie vergleicht ihn mit Bruno Jonas: "Vielleicht auch, weil sie beide diesen superschönen bayerischen Dialekt haben."

Für den 2011 eingedeutschten Django Asül sind auch seine Landsleute kein Tabu: "Ich hatte immer Angst, dass mich der türkische Staat aus phonetischen Gründen ausbürgert", erklärt er und zitiert die angebliche Äußerung eines Mitarbeiters in der türkischen Botschaft, als er sich dort als Staatsbürger abmeldete: "Das ist aber schade. Sie waren schon so etwas wie ein anatolischer Florian Silbereisen für uns."

Asül ging zwar nicht auf den derzeit schwelenden Streit zwischen der Bundesrepublik und der Türkei ein, der durch die Karikatur in einem baden-württembergischen Schulbuch ausgelöst worden war. Der türkische Ministerpräsident Erdogan fühlt sich dadurch diskriminiert. Allerdings ist diese Karikatur für Seret Okumus und Selcuk Yücel, die aus Schwäbisch Gmünd nach Ruppertshofen gekommen sind, durchaus Gesprächsstoff: "Eine Karikatur in der Zeitung kann man akzeptieren. Aber in einem Schulbuch? Was soll es den Kindern bringen? Das erschließt sich mir nicht", stellen die beiden fest. Dass Asül sich über Deutsche und Türken lustig mache, damit kämen sie hingegen problemlos klar.

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