Vortrag Google-Direktor Lars Lehne sprach bei der IHK über Mittelstand und Internet

Experten auf dem Podium (von links): Prof. Dr. Dieter Hertweck (Electronic Business Institute Hochschule Heilbronn), Titus Höflich (Bechtle AG), Moderator Martin Meyer-Gossner, Lars Lehne (Google), Günter Steffen (Venture Forum Neckar) und Dr. Carsten Ulbricht (Rechtsanwalt). Foto: Stephan
Experten auf dem Podium (von links): Prof. Dr. Dieter Hertweck (Electronic Business Institute Hochschule Heilbronn), Titus Höflich (Bechtle AG), Moderator Martin Meyer-Gossner, Lars Lehne (Google), Günter Steffen (Venture Forum Neckar) und Dr. Carsten Ulbricht (Rechtsanwalt). Foto: Stephan
MARIUS STEPHAN 09.11.2012
Welchen Mehrwert bieten Internet und Social Media einem Unternehmen? Lars Lehne von Google Deutschland beantwortet dies mit einer Gegenfrage: "Ja wollen Sie denn nicht gefunden werden?"

Im voll besetzten Frankensaal im Heilbronner Haus der Wirtschaft stellte Lehne die Fakten in den Raum: "Aktuell verarbeitet Google jeden Tag vier Milliarden Suchanfragen. Bis zum Ende der Dekade rechnen wir mit über fünf Milliarden Menschen, die online sind."

Gesehen werden ist die Devise. Deshalb ist, auch nach Meinung der Experten, die nach Lehnes Vortrag auf dem Podium zur Diskussion zusammenkamen, das Internet ein Medium, dem sich ein Unternehmen nicht verschließen darf. Günter Steffen vom Venture Forum Neckar und ehemaliger IHK-Präsident Heilbronn-Franken, ist überzeugt, dass Firmen, die sich dem Online-vertrieb verschließen, ins Hintertreffen geraten.

"Allerdings", führte Titus Höflich, Bereichsvorstand Managed Services der Bechtle AG aus, "ist heute nicht nur die richtige Auswahl, sondern auch der verantwortungsvolle Umgang mit IT-Lösungen der springende Punkt." Denn mittlerweile gäbe es für jedes Problem "ein halbes Dutzend Lösungen, wenigstens". Um hier erfolgreich zu sein, bedarf es vor allem einer offenen Herangehensweise. Lars Lehne: "Es gibt Manager 2.0, und zwar in allen Altersklassen - aber auch Beton- und Granitköpfe. Es gibt Firmen, deren Geschäftsmodell quasi ein Online-Geschäftsmodell ist, sie nutzen das Netz aber nicht. Da gilt es Aufklärungsarbeit zu leisten."

Trends sieht Prof. Dr. Dieter Hertweck von der Hochschule Heilbronn vor allem im In-memoryComputing, das wesentlich schnellere Zugriffszeiten bietet als herkömmliche Systeme. In Verbindung mit Cloud-basierten Datenbanken im Netz ergibt sich daraus ein enormer Geschwindigkeitsvorteil. "Zukünftig muss der Mittelstand einfach schnell sein, ein kleines Unternehmen kann flexibler entscheiden als ein Konzern und muss diesen Vorteil nutzen." Höflich stimmt zu, Inhalte oder das eigene Sortiment für Mobilgeräte anzubieten, sei ein Trend, der nicht aufzuhalten sei, Firmen müssen sich dort integrieren - "das ist eine riesige Zielgruppe".

Besonders vorsichtig sind deutsche Firmen nach Einschätzung der Experten bei der Sicherheit. Vor allem Cloud-Services bereiten dem Mittelstand Bauchschmerzen. Für Hertweck kein Wunder: "Viele Firmen in der Region sind Weltmarktführer in einem ganz speziellen Bereich ihres Tätigkeitsfeldes. Diese Daten sind einfach sensibel." Eine Tatsache, der Google mittlerweile Rechnung trägt. "Datenschutz bei Google ist global ,made in Germany", weiß Lehne.

Günter Steffen bringt es auf den Punkt: "Das Internet ist eine Verkaufsmaschine, die heute kein Unternehmen mehr ignorieren darf. Die Wenigsten haben kapiert, dass die Leadgenerierung - also Neukundengewinnung - per Internet die Zukunft ist. Hier ist ein Paradigmenwechsel notwendig. Und die, die das kapieren, sind die Gewinner." Diese "Gewinnformel" habe aber auch Grenzen, gab Titus Höflich zu bedenken, "und zwar immer da, wo die Komplexität des Produktes zu groß wird." Das Internet intern wie auch extern zu nutzen, sei heute ein Muss. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern wie.