Ingersheim Gespalten, nicht gesägt

Ingersheim / Ute Schäfer 18.07.2018
Das alte Schulhaus an der Hauptstraße hat eine neue Fassade bekommen, und Ingersheim atmet auf: Es sind jetzt wieder Schindeln dran. Über die künftige Nutzung ist noch keine Entscheidung gefallen.

Es duftet nach Holz, da oben auf dem Gerüst des alten Schulhauses in Ingersheim. „Natürlich“, sagt Gerd Großmann vom städtischen Hochbauamt. „Frisches Holz duftet.“ Großmann betreut das Projekt „neue Fassade für das alte Schulhaus in Ingersheim“, und er ist fast fertig damit. Also kann bald das Gerüst abgebaut werden. Die Fenster sind bereits neu gemacht, die Isolierung ebenso, der Verputz ist dran, das Dach ist mit Biberschwänzen neu gedeckt und, was am wichtigsten ist, die Schindeln sind alle schon angenagelt worden, und zwar jede der 46.000 Stück einzeln. Allerdings nicht wie früher mit Hammer und Nagel. Die Schindeln wurden mit einem Gerät wie beim Tackern „aufgeschossen“, erklärt Großmann.

Die Schindeln sind 60 Millimeter breit und 15 bis 16 Zentimeter lang. Sie liegen also doppelt und dreifach auf der Wand. Sie bestehen aus Lärchenholz, einer heimischen Holzart, die sich für Schindeln besonders eignet, denn sie ist witterungsbeständig.

Die Schindeln sind unbehandelt und werden im Lauf der Zeit „vergrauen“, sagt Großmann. Das ist ein ganz natürlicher Prozess, der der Haltbarkeit nicht schadet. „Schon nach ein paar Regenfällen wird man das an der Westseite sehen.“ In ein paar Jahren, sagt er, werde das dann überall ganz deutlich zu bemerken sein. An den Stellen allerdings, an denen weder Wasser noch Sonne hinkommen, werde die Holzfarbe noch länger frisch bleiben.

Die neuen Schindeln sind übrigens die zweite Garnitur für das Haus. Die erste Hülle hielt immerhin rund 100 Jahre. So haltbar sind Schindeln – wenn sie denn gespalten sind und nicht gesägt.

Schindeln spalten, das ist alte Handwerkskunst. Die Schindel wird dabei so geschlagen, dass das Holz von selbst aufbricht. Das hat zur Folge, dass die Längsfasern des Holzes unbeschadet bleiben. Das Wasser kann daran ablaufen und dringt nicht ein. Beim Sägen ist das nicht der Fall: Hier werden die Fasern verletzt, das Wasser dringt ein und das Holz quillt auf.

280.000 Euro kostet die Fassade

„Dass die Schindeln geschlagen sind, sieht man an der rauen Oberfläche, die die Fasern nachzeichnet“, sagt Großmann. „Die Fassade sollte jetzt wieder Jahrzehnte halten.“ Billig war die Außenfassade nicht, 280.000 Euro wurden veranschlagt.

Schindeln oder Biberschwänze sind ja nicht billig. Wie sich die Kosten verteilen, weiß Großmann noch nicht genau. „Die Endabrechnung steht noch aus.“ Doch dass das Gebäude wieder mit Schindeln verkleidet werden soll, war immer klar. Es steht unter Denkmalschutz. „Außerdem gibt es nicht viele Schindelhäuser in der Stadt. Das ist hier schon etwas Besonderes.“

Innen steht eine Sanierung noch aus, doch die Außenfassade war dringend, denn das Dach war undicht und die Schindeln waren lose. So gab der Gemeinderat das Geld frei, noch bevor eine Entscheidung über die Nutzung des Gebäudes fallen konnte. Die steht im Übrigen auch immer noch aus.

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