Klinik Geriatrischen Abteilung Crailsheim - Aktivierende Pflege

Schwester Andrea übt mit einer Patientin das Wechseln vom Rollstuhl auf einen Stuhl oder von der Bettkante auf einen Stuhl und zurück. Foto: Knut Siewert
Schwester Andrea übt mit einer Patientin das Wechseln vom Rollstuhl auf einen Stuhl oder von der Bettkante auf einen Stuhl und zurück. Foto: Knut Siewert
Crailsheim / KS 28.09.2012
Ein elementarer Baustein im Gesamtkonzept der Altersheilkunde am Klinikum Crailsheim ist die aktivierende Pflege. Sie ist sehr praktisch ausgerichtet und spricht den Menschen als Persönlichkeit an.

Menschen, die krank im Bett liegen und nichts tun, ziehen sich schon nach relativ kurzer Zeit zurück, versinken in ihre innere Welt. Damit setzt eine fatale Spirale ein, die immer weiter in Unselbstständigkeit und schließlich in die Hilflosigkeit führt. Auf der Station der Fachabteilung "Akut-Geriatrie" im Klinikum Crailsheim will man mithilfe der aktivierenden Pflege diese Spirale stoppen und umkehren oder verhindern, dass sie überhaupt in Gang kommt.

"Hilfe zur Selbsthilfe" ist das Grundprinzip, erklärt Schwester Andrea. Die aktivierende Pflege fördert die Körperwahrnehmung und das Bewusstsein. Grundlage ist das Bobath-Konzept: Es zielt darauf ab, dass gesunde Hirnregionen durch Krankheit verloren gegangene Fähigkeiten neu lernen und übernehmen. Wo die Eigenaktivitäten eines alten Menschen nicht mehr ausreichend gefördert werden können, um die krankheitsbedingten Schwächen zu überwinden, versucht man, die verbliebenen Fähigkeiten und Kräfte zu erhalten. Auch die Vorbeugung und Verhütung behält man dabei im Blick.

Grundpflege, die Einnahme der Mahlzeiten und Getränke, die Versorgung von Wunden und die Gabe von Medikamenten gehören selbstverständlich zu jedem pflegerischen Klinikalltag. In der Akut-Geriatrie versucht das Team aus Ärzten, Pflegepersonal und Therapeuten, die Möglichkeiten der Patienten realistisch einzuschätzen, die Menschen zu motivieren, ihnen die Versagensangst zu nehmen und sie, so gut es geht, ganz praktisch ins Leben zu holen. Die aktivierende Pflege ist eine ideale Basis und Ergänzung der ineinandergreifenden Arbeit der Physiotherapeuten, der Logopädin und der Ergotherapeutin. Übungs- und Ruhephasen sind in den Tagesablauf eingefügt.

Ganz individuell werden Aktivitäten des täglichen Lebens geübt, auch mit Patienten, die Lähmungen oder sonstige Einschränkungen haben: eigenständig essen (auch mit Spezialbesteck, Antirutschfolie et cetera), Zähne putzen, Gesicht waschen, Körperpflege, selbst aufstehen, kurze Strecken (zur Toilette) gehen und hinsetzen. Es trägt zum Selbstwertgefühl bei, wenn sich jemand gut kleidet, statt den Tag im Nachthemd oder im Schlafanzug zu verbringen. "Auf ein gepflegtes Äußeres sollte man sowieso sein ganzes Leben lang achten", betont Schwester Andrea.

Gefördert wird, dass man - vielleicht mit anderen Patienten gemeinsam - die Mahlzeiten am Tisch einnimmt, sich unterhält und beschäftigt. Die Pflegekräfte in der Akut-Geriatrie unterstützen die hochbetagten Menschen dabei, mit neuen Lebenssituationen und mit Handicaps zurechtzukommen. "Wir geben unseren Patienten, die unter Inkontinenz leiden oder andere Probleme haben, die Gewissheit, dass sie sich deshalb nicht verstecken müssen. Wir zeigen ihnen, wie sie sich trotzdem in der Öffentlichkeit sicher bewegen können", erklärt die Bereichsleiterin: "Die Menschen brauchen immer und immer wieder Zuspruch und Anerkennung für ihre Fortschritte, um sich weiterzuentwickeln: Aber es lohnt sich!"

Patienten sollen sich, so gut es eben geht, wohlfühlen, um schneller wieder auf die Beine zu kommen. Daher gilt es, weitere Komplikationen zu vermeiden. Daher sind die Wundversorgung und die Vorbeugung gegen Wundliegen in der Akut-Geriatrie ganz besonderes wichtig. Auch das Thema "Schmerzen" wird sehr ernst genommen.

Die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin Andrea Kern-Kiutra hat als Führungskraft reiche Pflegeerfahrung. Die gebürtige Roßfelderin war - zusammen mit den meisten Pflegekräften der in Crailsheim neuen Abteilung - von Anfang an in Gaildorf am Aufbau der Akut-Geriatrie im Landkreis Schwäbisch Hall beteiligt. Viele ihrer Kolleginnen haben die Zercur-G-Fortbildung abgeschlossen oder absolvieren dieses zertifizierte Curriculum Geriatrie. Die Pflegekräfte sind eingebunden in das Netzwerk der Akut-Geriatrie, zu dem die Ärzte, die Therapeuten und auch der Sozialdienst gehören.

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