Gerabronn / Melanie Boujenoui  Uhr
Jetzt geht das Unternehmen in die Regelinsolvenz – bis September soll das Werk den Betrieb einstellen.

Bei Atlas Components in Gerabronn hängt der Haussegen mächtig schief. Während Brahim Stitou, Geschäftsführer der Atlas GmbH im niedersächsischen Delmenhorst, dem Betriebsrat vorwirft, die Umstrukturierung zum profitablen Unternehmen blockiert zu haben, ­befindet IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Rüdiger Bresien, dass die betriebliche Kalkulation seit Langem nicht gepasst habe. So oder so ist seit Montag eines gewiss: Der Betrieb wird bis September geschlossen. Das hat die Geschäftsführung von Atlas Components gegenüber dem Betriebsrat und der Gerabronner Belegschaft klargemacht.

Bis dahin hatten viele Mitarbeiter laut Bresien gehofft, dass die Sanierungsmaßnahmen, die seit fast einem halben Jahr laufen, doch noch fruchten könnten. Im Dezember 2018 meldete das Unternehmen für das Werk in Gerabronn Insolvenz in Eigenverwaltung an.

Nach langer Talfahrt kam am Jahresende der Antrag. Jetzt soll der Betrieb in Eigenverwaltung fortgeführt werden.

Schließung von Atlas Components trifft einige Beschäftigte „emotional stark“

Fast der Hälfte der zu dem Zeitpunkt über 100-köpfigen Belegschaft wurde daraufhin gekündigt – 26 davon haben dagegen geklagt, was laut Atlas Components den Investorenprozess erheblich erschwert habe. Dennoch seien die Verluste auch nach den „erheblichen Einschnitten“ nicht beseitigt und die „wesentlichen Kunden“ – namentlich die Atlas GmbH in Niedersachsen sowie der Crailsheimer Maschinenhersteller Yanmar – nicht bereit gewesen, für die Gerabronner Bauteile „angemessene“ Preise zu bezahlen, erklärt Stitou. Und weiter: „Letztlich haben die hohen Produktkosten zu anhaltenden Verlusten von bis zu sechs Millionen Euro geführt.“ Deshalb bleibe der Geschäftsleitung nur die Betriebsschließung. Mit der gescheiterten Sanierung beantragt die Geschäftsführung nunmehr den Wechsel in das sogenannte Regelinsolvenzverfahren. Wobei das Gericht voraussichtlich den bisherigen Sachwalter Dr. Malte Köster zum Insolvenzverwalter bestellt.

Der Württembergischen Drahtwarenfabrik in Hall drohte zu Jahresbeginn die Zahlungsunfähigkeit. Jetzt hat sich das Unternehmen neu aufgestellt. Alle 50 Arbeitsplätze werden erhalten.

Ein Großteil des aktuellen Mitarbeiterstabs bei Atlas Components sei Mitte 50 und schon eine beachtliche Zeit beim Unternehmen, weiß Bresien. Er sagt: „Was von außen betrachtet vielleicht seit einiger Zeit absehbar war, hat einige Beschäftigte zum Teil doch emotional stark getroffen.“ Immerhin gelte mit dem konventionellen Insolvenzverfahren für alle die dreimonatige Kündigungsfrist, unabhängig vom Beschäftigungszeitraum.

In der kommenden Woche soll mit dem Betriebsrat der Interessenausgleich über die Betriebsschließung verhandelt werden.

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