Tarifrunde Genug zum Leben haben

Die Gewerkschaft IG Metall hält eine Steigerung der Löhne für dringend nötig. Archivfoto
Die Gewerkschaft IG Metall hält eine Steigerung der Löhne für dringend nötig. Archivfoto
CORINNA SCHARNAGL 13.02.2013
Die Gewerkschafter sind überzeugt, dass die Tariflöhne wegen der steigenden Verbraucherpreise und der Marktentwicklung erhöht werden müssen - wie hoch die Forderung sein wird, ist noch nicht klar.

Wenn es nach Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt geht, ist eine Erhöhung der Tariflöhne wie im vergangenen Jahr dieses Jahr nicht drin. Im Schnitt sind 2012 die Tariflöhne und -gehälter um 2,7 Prozent gestiegen. Nach Abzug der Inflation blieb real 0,7 Prozent mehr Geld übrig. "Die Arbeitgeber sperren sich nicht gegen jede Lohnerhöhung", erklärte er Ende Januar. Aber sie wollten gemeinsam mit den Gewerkschaften den Weg differenzierter und produktivitätsorientierter Abschlüsse weitergehen. "Alles über dem Anstieg der Produktivität vernichtet Arbeitsplätze", warnt er.

Ende April laufen in der mitarbeiterstärksten Branche, der Metall- und Elektroindustrie, die Tarifverträge ab. Daher ist es jetzt an der Zeit, die Ziele genau zu definieren.

Heidi Scharf, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Schwäbisch Hall sieht großen Bedarf bei den Beschäftigten. "Höhere Entgelte bringen wichtige Impulse für die Binnenkonjunktur", unterstreicht sie die Notwendigkeit einer Erhöhung. "Die Metall- und Elektroindustrie kann im Durchschnitt auf eine stabile Entwicklung bauen, wenn es auch eine größere Streuung der Situation in den Betrieben gibt. Die jüngsten Konjunktursignale zeigen klar nach oben", beschreibt sie die wirtschaftliche Situation der Branche. Auch Gerd Koch, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Tauberbischofsheim, hält eine Lohnerhöhung für Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie für dringend nötig: "Alles wird teurer, die Preise steigen stetig - da muss man für die Arbeitnehmer einen Ausgleich schaffen", ist er überzeugt. "Die Preisrate wird um circa zwei Prozent ansteigen, die Produktivitätsrate in den Betrieben um circa ein Prozent - da braucht es also schon einmal mindestens ein Plus von drei Prozent, damit die Arbeitnehmer keinen Verlust erleiden", ist er überzeugt.

Es gibt viele Gründe für eine Erhöhung. Auch einheimische Gewerkschaftsvertreter sind der Meinung, dass die Tarife der aktuellen Entwicklung angepasst werden sollen. So ist der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Firma Mahle in Gaildorf überzeugt, dass eine "kräftige Erhöhung" angebracht ist, um auf die steigenden Energiepreise, zum Beispiel bei Strom und Benzin, zu reagieren. Die IG-Metall-Vertrauensleute des Verpackungsmaschinenherstellers Huber in Öhringen fordern einen festen Erhöhungsbetrag. Damit wollen sie vermeiden, dass der Abstand zwischen niedrigen und höheren Lohngruppen weiter auseinandergeht, wie es die Folge von prozentualen Erhöhungen ist.

Mitte des nächsten Monats werden die Gremien der Gewerkschaft die Diskussion der Mitglieder bewerten und beschließen, wie hoch die Forderung ausfallen soll. Denn ein erster Verhandlungstermin zwischen Arbeitgeber und IG Metall steht schon fest: der 21. März.