Crailsheim Gemeinsam gegen Gewalt

Crailsheim / BIANCA GAGSTATTER LUIS HAMPEL 16.02.2013
"Es ist mitreißend, wenn die ganze Welt tanzt", sagt Sarah Thulé strahlend. Sie ist eine von 40 Aktivisten, die am Donnerstag in klirrender Kälte tanzen, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen.

. Durch Freunde hat Sarah Thulé von der Aktion "One Billion Rising" erfahren, deren Organisatoren für den 14. Februar auf der ganzen Welt solche Flashmobs planten. Für Thulé ist es wichtig, dass nicht nur Frauen, sondern auch Männer teilnehmen und sich klarmachen, wie viele Frauen weltweit durch Gewalt eingeschüchtert werden. Die Mutter dreier Kinder ist fest davon überzeugt, dass jeder dagegen etwas tun kann, wenn man nur daran glaube. Es ist das erste Mal, dass sie an so einer Aktion teilnimmt, und sie ist offen gegenüber dem, was auf sie zukommt.

Kurz vor 17 Uhr sammeln sich immer mehr Menschen mit rosafarbenen Erkennungszeichen vor Baiers Café Frank. Auch für Erdmute Röcke , die in der Lebensgemeinschaft Tempelhof in der Gemeinde Kreßberg wohnt, ist dieser Flashmob etwas ganz Besonderes. Dies sei der erste Flashmob in Crailsheim, bemerkte eine Tänzerin erstaunt. Erdmute Röcke findet, dass auch die Presse mehr darauf aufmerksam machen sollte, was weltweit viele Frauen erfahren müssen.

Punkt 17 Uhr fangen manche Tänzer an zu pfeifen, dann erstarren plötzlich alle Teilnehmer, und hören auf zu reden. Sie strecken ihre Arme in die Luft, stehen da wie versteinert. Als die fröhliche Musik aus dem Auto der Thulés erklingt, beginnen auf einmal alle zu tanzen und lösen sich aus ihrer starren Position. Sie singen aus "Break the Chain", dem offiziellen Lied der "One Billion Rising"-Kampagne, immer wieder die Textzeile "We are beautiful" mit. An Passanten, die staunend am Straßenrand stehen bleiben und der tanzenden und singenden Gruppe interessiert zusehen, verteilen Handzettel.

Vorbeifahrende Autofahrer schmunzeln über die tanzende Ansammlung. Die Menschen feiern und freuen sich sichtlich, beim ersten Flashmob Crailsheims dabei zu sein. "Jeder sollte etwas gegen Gewalt an Frauen unternehmen, auch Männer", sagt ein anderer Bewohner der Tempelhof-Gemeinde. Als die Musik endet, bleiben die Menschen aller Altersgruppen noch beisammen, reden, und verteilen weiterhin die Flyer der Organisation. Auch die Kinder helfen mit, in der ganzen Innenstadt die Flugblätter unter die Menschen zu bringen. Schaulustige empfinden die Demonstration als einen guten Anfang für eine weltweit freundlichere Gesellschaft. Die Teilnehmer machen einen zufriedenen Eindruck und plaudern über das Erlebte.