Im „Crailsheimer Aufruf“ wendet sich die „Initiative Erinnerung und Verantwortung“, in der sich Bürger – unter ihnen auch Stadträte – vor vielen Jahren zusammengeschlossen haben, gegen den Politikstil der Alternative für Deutschland. Die AfD könne, „wie jede andere zugelassene Partei“ auch, Wahlkampfveranstaltungen in Crailsheim machen.

Berechtigt seien aber auch alle Bürgerinnen und Bürger Crailsheims, „gegen den Politikstil und die politischen Inhalte und Zielsetzungen dieser rechtspopulistischen Gruppierung zu protestieren“.

Die würden, heißt es in dem Aufruf, „fundamental gegen die Grundsätze einer auf Humanität, Offenheit und gegenseitigem Respekt basierenden Stadtgesellschaft verstoßen“. Und das, so die Initiative, in einer Stadt wie Crailsheim, die sich als Geburtsstadt Hans Scholls und Eugen Grimmingers in der Tradition der Werte der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ sieht.

Nachfolgend der „Crailsheimer Aufruf“ im Wortlaut:

 

„Wir wenden uns entschieden

  • gegen einen Politikstil, der vorwiegend auf Provokation, Übertreibungen und Diffamierung beruht!
    Politische Auseinandersetzung gehört zum Wesen der Demokratie. Sie kann und muss kritisch und konfrontativ sein, aber sie muss sich an Fakten und Problemlösungen orientieren und die Spaltung der Gesellschaft durch die Verunglimpfung Andersdenkender unterlassen.
  • gegen die Ausgrenzung und Stigmatisierung bestimmter Menschengruppen und Religionen, gegen Menschenverachtung und Rassismus
    Eine moderne Stadtgesellschaft lebt von Vielfalt, Offenheit und Toleranz. Wir begegnen deshalb allen Menschen in unserer Stadt, unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion, mit Respekt und laden sie ein, sich für Crailsheim zu engagieren.
  • gegen eine Politik des Nationalismus und der nationalen Alleingänge!
    Nur die europäische und internationale Zusammenarbeit kann eine Antwort finden auf die großen Probleme der Gegenwart, wie etwa den Klimawandel oder eine gerechtere Weltordnung.
  • gegen eine Einschränkung der Frauenrechte, gegen Homophobie und eine verachtende Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung!
    Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner sexuellen Orientierung oder einer Behinderung benachteiligt werden. Allen Menschen müssen die gleichen Chancen und Perspektiven offenstehen.
  • gegen eine Einstellung, die der Freiheit von Kunst und ­Kultur feindlich gegenübersteht ­und ­eine nationalistische Indienstnahme der Kultur propagiert!
    Kunst und Kultur sind frei, sie entstehen als innovative Kraft durch das Zusammenfließen und die Auseinandersetzung vielfältiger Einflüsse, sie müssen nicht gefallen und dürfen nicht dienen.
  • gegen jede Form von Geschichtsrevisionismus und die die Opfer verhöhnende Reduzierung der Nazidiktatur auf einen „Vogelschiss“ der deutschen Geschichte!
    Die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus bleibt auch in Zukunft Verpflichtung und wichtiger Orientierungspunkt für die Gestaltung einer humanen Gesellschaft.
  • gegen eine Partei, die in Teilen mit Neonazis gemeinsame Sache macht und in der offen ­antisemitische und rassistische Positionen vertreten werden!
    Wir treten stattdessen ein für die energische Verteidigung unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung mit ihrer Verpflichtung auf Menschenrechte und humane Werte.

Bei allen Enttäuschungen und Ungerechtigkeiten, die viele Menschen angesichts der politischen Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten empfinden, kann die Antwort darauf nicht eine Politik der nationalistischen Abschottung, der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit oder des Rassismus sein. Wohin eine solche Politik führt, hat die Geschichte des 20. Jahrhunderts hinlänglich gezeigt, auch und gerade hier in Crailsheim. Niemand, der diese Politik unterstützt, kann später sagen, er hätte von nichts gewusst! Gemeinsam setzen wir deshalb ein Zeichen gegen Rechtspopulismus, Nationalismus und Menschenfeindlichkeit in unserer Stadt – und treten ein für ein offenes, buntes und tolerantes Crailsheim!“

 

Crailsheim

Unterschrieben haben: Karin Durst, Peter Erler, Folker Förtsch, Peter Gansky, Roland Klie, Sebastian Klunker, Anja Koppermann, Gernot Mitsch, Malte Möller, Ursula Mroßko, Charlotte Rehbach, Konrad Schneider, Anne Technau.

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