Magazin Gastredner Rezzo Schlauch stellt die "Katastrophenjahre" im HT-Forum vor - mit Video

Crailsheim / JENS SITAREK 25.11.2015
Wenn es ein Wort gibt, mit dem sich die Präsentation des HT-Magazins "Katastrophenjahre" am Montag gut umschreiben ließe, dann wohl dieses: würdevoll. Der Gastvortrag kam von Rezzo Schlauch. Mit Video.

"Das druckfrische Magazin vorstellen zu dürfen, ist für mich eine besondere Ehre", sagt Schlauch. Die "Katastrophenjahre: Crailsheim und Umgebung im Zeitalter der Weltkriege" mit rund 200 Seiten seien "ein beeindruckendes Werk", weil die Autoren "diese düsteren Kapitel der deutschen Geschichte auf unsere Region Hohenlohe quasi mit einem Teleobjektiv heranzoomen und wie in einem Brennglas überhaupt erst sichtbar machen". Und, so Schlauch weiter, "weil sie die Geschichte konkret herunterbrechen, sie damit erfahrbar machen und ihr im wahrsten Sinne des Wortes Gesicht und Gesichter geben".


Für das HOHENLOHER TAGBLATT sei solch ein Magazin "eine Premiere", betont Redaktionsleiter Andreas Harthan. "Zeitung - das machen wir jeden Tag, aber ein Magazin, das den Tag, den Monat, das Jahr überdauert, das hat uns alle doch ganz erheblich gefordert." Ein besonderes Lob geht an die beiden Hauptautoren Harald Zigan und Sebastian Unbehauen. "Sie haben eine herausragende Leistung erbracht", sagt Harthan, und "sie haben etwas geschaffen, was hoffentlich bald in vielen Bücherregalen in Hohenlohe steht und in vielen Schulen im Unterricht verwendet wird. Es hat das Zeug dazu." Für Geschäftsführer Thomas Radek, der das Projekt von Anfang an unterstützte, steht fest: "Das liest man nicht einfach nur durch."

Alles andere war weit weg

Die Texte wirken - und sie wirken nach. Schlauch berichtet, dass es ihn beim Lesen geschaudert habe. Dazu muss man wissen, dass der frühere Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag eng mit Hohenlohe verbunden ist. Geboren in Gerabronn, aufgewachsen in Bächlingen, fühlt er sich heute mit 68 Jahren "immer noch jagsttalabwärts zu Hause", wie er es formuliert. Natürlich hätten sie in der Schule etwas über das Dritte Reich gelernt - und jetzt kommt das Aber: "Haben wir gelernt, was bei uns passiert ist?" Die Antwort schickt Schlauch gleich hinterher: "Nein! Das wurde totgeschwiegen." Die Schlacht von Stalingrad hätten sie auswendig gelernt, "alles andere war weit weg".

Dass Hohenlohe alles andere als weit weg war, machen Zigan und Unbehauen deutlich, in dem sie einige ausgewählte Geschichten aus dem Magazin vorstellen. Da ist die von Hermann Souchon, dem mutmaßlichen Mörder von Rosa Luxemburg, der einst in Crailsheim lebte, die vom Massenmörder August Häfner aus Schwäbisch Hall, die von Flugpionier August Ströbel aus Kleinbrettheim, die von Adolf Hitlers flüchtiger Begegnung mit Crailsheim und die des Dorfes Oberspeltach, das kurz vor Kriegsende noch in Schutt und Asche gelegt wurde.

"Was habt ihr in der Nazizeit gemacht?"

Die schreckliche deutsche Geschichte hatte natürlich auch einen Einfluss auf Schlauchs politische Sozialisation. "In meiner Generation waren wir noch näher dran", sagt er. Und deshalb war es "nur folgerichtig", dass sie das nicht auf sich beruhen lassen wollte. "Wir haben unsere Väter und Mütter gnadenlos gefragt", so Schlauch weiter. Was habt ihr in der Nazizeit gemacht? Wo seid ihr gestanden? Solche Fragen. Schlauch gehörte zu denjenigen, "die die Schweigemauer einer Gesellschaft, die verdrängen und vergessen wollte, durchbrochen haben".

Das HT-Magazin lasse jetzt "Geschichte fortwirken" und gebe "Orientierung", findet Schlauch noch. Sein Wunsch: "Möge dieses heimatliche Geschichtskompendium viele, viele aufmerksame Leserinnen und Leser finden."

Die bewegenden "Katastrophenjahre" in bewegten Bildern

Wer noch einmal erleben möchte, wie Jeanette Dietrich die Geschichte des Gefreiten Otto Gutöhrlein rezitiert, wie Jörg F. Baier mit seinem Cello die Veranstaltung stilvoll begleitet oder warum Gastredner Rezzo Schlauch das Magazin so beeindruckend findet, dem sei unsere Internetseite (www.hohenloher-tagblatt.de) ans Herz gelegt. Dort gibt es Videos vom Fotografen Roland Bauer. Zudem präsentieren wir in einem Storytelling-Projekt Auszüge der "Katastrophenjahre".

Das Magazin kostet 14,90 Euro (Abonnenten zahlen 9,90 Euro) und ist im HT-Shop erhältlich sowie online hier. Bestellungen (auch Klassensätze) werden unter Telefon 0 79 51 / 40 90 oder per E-Mail an shop.ht@swp.de entgegengenommen.

JS

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