Kennenlernen Gastfreundschaft das A und O

Pfarrerin Ursula Arend-Nonnenmann beim Besuch der syrischen Familie: Laila, Zuhir, Rayan, Majd und Ahmad Tekko.
Pfarrerin Ursula Arend-Nonnenmann beim Besuch der syrischen Familie: Laila, Zuhir, Rayan, Majd und Ahmad Tekko. © Foto: Johannes Ihle
Goldbach / Johannes Ihle 24.11.2016
Kennenlernabend: Seit Mai lebt die syrische Familie Tekko im Goldbacher Pfarrhaus. Bei einem Begegnungsabend präsentierte die Familie ihre Heimat.

Auf die Frage, wie es ihm und seiner Familie heute geht, antwortet der 21-jährige Majd Tekko freudestrahlend: „Alles super.“ Vor rund einem Jahr ist die fünfköpfige syrische Flüchtlingsfamilie Tekko nach einer neuntägigen Odyssee in der Landeserstaufnahmestelle in Meßstetten gelandet. Von dort ging es in die Crailsheimer Notunterkunft „Sorglos“, ehe sie in der Hammerschmiede landete. Seit Mai hat die Familie ihre eigenen vier Wände: das Pfarrhaus in Goldbach.

Um sich ihren neuen Nachbarn vorzustellen, organisierte die Familie mit der Goldbacher Pfarrerin Ursula Arend-Nonnenmann und dem Kirchengemeinderat Ende Oktober einen Begegnungsabend. Im voll besetzten Gemeindehaus erzählte die Familie Tekko von ihrer Flucht aus ihrem syrischen Heimatgebiet Idlib in der Nähe von Aleppo. Im vergangenen Herbst beschloss die Familie, mit Rucksäcken, nur gefüllt mit Zeugnissen und Kleidung, ihre Heimat zu verlassen.

Mit Bildern präsentierten sie ihre Lebenssituation in Syrien, die Zerstörung der Stadt und ihres Wohnhauses. Außerdem erwartete die Goldbacher ein reichhaltiges syrisches Büfett, das die Familie vorbereitet hatte. „Es war ein sehr schöner Abend. Mit so vielen Menschen hätten wir nicht gerechnet, zum Glück hat das Essen gereicht“, berichtet Majd, der in seiner Heimat Kommunikationstechnologie studiert hat. „Ihre Gastfreundschaft ist unbeschreiblich“, erzählt Ursula Arend-Nonnenmann, die im Pfarrhaus noch ihr Büro hat und oft mit süßem Gebäck oder arabischem Kaffee überrascht wird.

Deutsch lernen durch Bollywood

Neben der syrischen Heimat werden die restlichen Familienmitglieder und Freunde vermisst. Nur eine Schwester der Mutter ist mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen. Omas, Opas und andere Verwandte sind zurückgeblieben. Dennoch sind die Tekkos glücklich, in Deutschland zu sein. „Die Nachbarn sind super, und sehr hilfsbereit“, sagt Majd.

Aktuell beschäftigt sich die Familie viel mit der deutschen Sprache. Morgens laufen die Sprachkurse in der Schule, zu Hause schauen sie gemeinsam deutsches Fernsehen. „Hauptsächlich Nachrichten, Dokumentationen und Bollywood“, erzählt der 23-jährige Ahmad, der in Syrien Lehrer werden wollte. Zudem gehen alle gerne raus in die Natur. Vater Zuhir und Sohn Ahmad verbindet der Garten. Gemeinsam züchten sie im Pfarrgarten Zucchinis, Kürbisse und Gurken, wie schon in ihrer Heimat Syrien. Ansonsten wird Fahrrad gefahren, im Sommer ging es ins Freibad.

Für ihre Zukunft wünscht sich die Familie vor allem ein ruhiges Leben. Wenn möglich in Deutschland. Sobald sie genügend Sprachkurse absolviert haben, wollen die beiden Söhne arbeiten oder eine Ausbildung machen, die 17-jährige Rayan einen guten Schulabschluss. Mutter Laila (48) möchte gerne in ihren alten Beruf als Hebamme zurück. Vater Zuhir (51), ehemaliger Mitarbeiter bei einer Stadtverwaltung, könnte sich vorstellen, sich künftig um den Haushalt zu kümmern.

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