Des Lobes voll war Kabarettist Till Reiners ob der Crailsheimer. „Sie sind alle so wahnsinnig freundlich hier“, sagte er am Samstagabend im Forum der Sparkasse beim Kultic-Abend. Die Dame im Hotel habe ihn sogar zum Lift begleitet, „obwohl der schon dastand“. Und in seiner Garderobe habe er Snacks vorgefunden, „da bekommt man in Berlin drei Familien von satt“. Doch eine Frage beschäftigte ihn. „Wo ist das hier? Franken, Schwaben?“, worauf heftiger Protest zu hören war. „Na ja, ihr macht das, wie ihr mögt“, sagte er und legte mit seinem Programm los.

Erzählte zum Beispiel von einer Einkaufstour, die ihn vor die Frage aller Fragen stellte. „Welche Pfanne passt zu mir?“ (Und nein, lieber Till Reiners, falls Sie dies lesen sollten: Im Hochdeutschen heißt das „Pfanne“, nicht „Fanne“. „Fanne“ versteht auch in Hohenlohe niemand.)

Dennoch war sein Ausflug ins „Fannen-Universum“ gut beobachtet und sympathisch erzählt – wobei er doch eigentlich auf dem besten Weg sei, ein richtiger Idiot zu werden. „Kennt ihr den? Der einen während der Zugfahrt ständig anquatscht – und es nicht checkt? Der Typ bin ich.“

In Konkurrenz zum Buch

Denn quatschen – also viel reden – das konnte Till Reiners. Fast zwei Stunden lang ununterbrochen. Ohne Kulissen, Requisiten, Choreografie. Nur er selbst und sein Humor, der ihn locker durch den Abend trug und die rund 80 Kultic-Besucher gleich mit. „Ich steige also in den Zug ein und suche hungrig nach einem Opfer. Am besten eines mit einem Buch. Denn ich denke mir: Ich werde doch wohl unterhaltsamer sein als ein Buch. So ein Idiot werde ich.“

Einer in jedem Fall, der auch sich selbst mit Augenzwinkern beobachten kann, und der sich so seine Gedanken macht. Doch da habe er unlängst einen Alt-68er getroffen, einen Studienrat, der sich wunderte, dass er als junger Mann eine politische Meinung habe. „Aber was denkt der denn?“, fragte Till Reiners ins Publikum. „Ich bin 33 und darf seit 15 Jahren wählen. Wie lange soll ich denn noch warten, um mich für Politik zu interessieren?“

Denn fraglos interessiert sich Till Reiners für die Welt, die er in dieser sehr persönlichen Art des politischen Kabaretts beschreibt. Dabei legt er den Finger zwar in manche Wunde, doch die sucht er immer bei sich selbst, nie bei anderen. Kapitalismus? „Ich bin das kapitalistischste aller Produkte. Denn ich muss für mich selbst Nachfrage schaffen.“

Der Kern der Intoleranz

Fremdenfeindlichkeit? „Wenn ich mein Leben als richtig ansehe, dann muss das von anderen falsch sein. Das ist der Kern von Intoleranz.“ Nazis? „Nazis ohne das Schlechte, das geht nicht. Ich kann auch nicht zu den Grünen gehen und sagen: Ihr seid eine gute Truppe, aber das mit der Umwelt interessiert mich nicht.“

Vorurteile? „Alle Linkshänder haben einen um 20 Prozent höheren IQ.“ Sprach’s, machte eine Pause, grinste und sagte: „Auch wenn ich mir das ausgedacht habe, ist es noch lange nicht sicher, dass es nicht stimmt.“ Pause. „Denn Fußballfans, die in den Zügen in die Ecken kotzen, sind zum größten Teil Rechtshänder.“

Und so unterhielt er seine Zuhörer bestens, nicht ohne zum Schluss das Lob aufzugreifen, das er schon zu Beginn gespendet hatte: „Ihr macht das hier sehr gut. Ihr habt an den richtigen Stellen gelacht. Ich behalte euch in guter Erinnerung. Vielleicht bleiben wir ja über Facebook in Kontakt“ – und auch das war ein Lacher, denn zuvor hatte er ausführlich erläutert, dass Facebook-Profile vor allem aus Lügen bestehen. „Das ist Selbstdarstellung, natürlich. Denn wenn ich die Wahl hätte, würde ich dann ich selbst sein wollen?“

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Info


Die nächste Veranstaltung von Kultic ist ein Konzert. Die „Jimmy Reiter Band“, Träger des Deutschen Blues Awards 2017, tritt am Samstag, 23. März, 20.30 Uhr im Ratskeller Crailsheim auf. Weitere Informationen gibt es unter www.kultic.de.