Beim ersten Blaufeldener Neujahrskonzert sorgte der erste öffentliche Auftritt des Crailsheimer Ensembles für ein bis auf den letzten Platz gefülltes "Spektrum".

Tief im Notenfundus gegraben hat Pianist Ali Raddatz, um beschwingte Raritäten präsentieren zu können. Das begann mit dem Eröffnungsstück von Max Oscheit. Die Musiker spielten den "Carmen-Marsch" drahtig, mit leichten Schärfen bei den Akzentsetzungen. Ein anderer, nicht minder schwungvoller Marsch dieses Komponisten mit dem witzigen Titel "Biwakstreiche" eröffnete auch den zweiten Teil des Neujahrskonzerts.

Auch die erste von zwei Zugaben war diesem um 1900 für Unterhaltungskapellen tätigen Komponisten gewidmet: die Marsch-Polka "Nachtvögel", zu der Amelie Baier sang. Ihr Auftritt am Ende des Konzerts zu Fred Ralphs großem Potpourri "Wir spielen Will Meisel" gehörte zu den Höhepunkten des Konzerts. Mit viel Wärme in tiefer Stimmlage sang sie "Wir wollen Freunde sein" oder "Das Lied der Liebe".

Leicht schmachtend gab ihre Kehle die Zeilen "Wann kommst du, süßes Mädchen, du" aus dem Meisel-Lied "Eine Freundin, so goldig wie du" preis - ebenso wie "Die Sonne geht auf", "Ein Walzer für dich" oder das sehnsüchtig intonierte "Zigeunerblut". Gewitzt waren zuvor etwa "Lustiges Wien" und "Erika, brauchst du nicht einen Freund" zu vernehmen.

Feurige, wie mit Schmelz gespielte Csardas-Töne boten zwei weitere, allerdings rein instrumentale Potpourris: Harry Theis" "Piroschka" und Igor Rogoffs "Duschenka"-Fantasie. Die Tempobeschleunigungen zeigten ein schon gut aufeinander eingespieltes Ensemble. Das bewiesen auch die beiden Potpourris "Melodiereise um die Welt" von Oskar Reisinger.

Denn hier galt es die Übergänge zwischen den zahllosen bekannten Melodien aus Volksliedern und Evergreens gut abzustimmen. Durch das Duettieren von Stehgeiger Eckart Baier und Akkordeonspieler Felix Kautter rückten so die beiden Fernweh weckenden Lieder "La Paloma" und "Alohahe" klanglich zusammen.

Kastagnettenklänge von Schlagzeuger Roland Bergdolt bestimmten das italienische "Bella Bimba". Spritzig erklang Emile Waldteufels "Espa·a"-Melodie, sehnsüchtig das "Londonderry Air" (Oh Danny Boy) und das von Jörg Baier auf dem Violoncello zum Klingen gebrachte "Wenn die Balalaika sehnsuchtsvoll singt", zupackend und schmissig Paul Linckes "Berliner Luft"-Marsch, der in der zweiten Zugabe des Konzerts zusammen mit Wenzel Heckys "Prager Polka" in der gesungenen Fassung zu hören war.

Natürlich durften auch Wiener Walzerklänge nicht fehlen. Mit viel klanglichem Schmelz und wunderbar homogen spielte die Salonkapelle Sternenglanz etwa Herbert Küsters "Ein Stückchen Wien". Und zu Johann Strauß Walzerfolge "Rosen aus dem Süden" war aufgrund des transparenten Ensembleklangs endlich einmal die für Wiener Musik so typische Doppelmelodik zu hören.

Nicht nur zu diesem Werk gab es begeisterten Beifall vom Publikum, das am Ende des Konzerts stehend applaudierte. Jörg Baier hatte in seiner Moderation, die er sich mit Eckart Baier teilte, versprochen: "Sterne unvergessener Melodien und Komponisten zum Glänzen zu bringen." Das war offensichtlich gelungen. Info Auf die weiteren "Sternenglanz"-Konzerte in Oberspeltach am Sonntag, 19. Januar, um 17 Uhr in der Burgberghalle und am 8. Februar um 20 Uhr im Ilshofener Rathaus kann das Publikum nach der fulminanten Premiere in Blaufelden also gespannt sein.