Crailsheim Für ein differenzierteres Bild der Türkei

Quo vadis, Türkei? In einem Vortrag an der VHS Crailsheim soll ein differenziertes Bild gezeichnet werden.
Quo vadis, Türkei? In einem Vortrag an der VHS Crailsheim soll ein differenziertes Bild gezeichnet werden. © Foto: privat
Crailsheim / Julia Vogelmann 08.11.2018
Mit dem Vortrag „Erdogans Staat? – Die Türkei von innen“ vermittelt Dr. Hans Werner Schmidt Erfahrungen, Eindrücke und Ansichten, die das Land in einem anderen Licht zeigen sollen.

Mit seinem Beitrag will er zu einem differenzierteren Türkeibild beitragen und für eine Vertiefung der Kontakte zwischen den Menschen werben“, heißt es über Dr. Hans Werner Schmidt im Programmheft der VHS. Schmidt, ehemaliger Leiter des Goethe-Instituts Schwäbisch Hall, ist mit einer Türkin verheiratet und hat viele Jahre in der Türkei, in Istanbul, Ankara und Izmir gelebt und gearbeitet. Jetzt, im Ruhestand, verbringt er auch privat noch die Hälfte des Jahres in der Türkei, deren Bild in Deutschland stark von der Person Erdogan geprägt ist.

„Wir sind nicht immer ganz einverstanden mit der Darstellung der Türkei in den Medien. Mir ist es ein Anliegen, dass wir zu einem differenzierteren Bild kommen“, beschreibt Schmidt, was ihn antreibt, jetzt im Ruhestand Vorträge zu halten. Was ihn besonders stört, ist, dass die Türkei und das Bild von ihr durch die Person Erdogan in Deutschland heftig eingetrübt ist. „Das Land wird mehr und mehr mit Recep Tayip Erdogan gleichgesetzt, der beim Blick von außen in wenigen Jahren vom Europäer des Jahres zu einer Hassfigur geworden ist“, kritisiert er, auch wenn er Verständnis dafür hat, wie dieses Bild zustande kommt.

Für Rechtsstaat und Demokratie

Deshalb soll es auch nicht vorrangig um die Person Erdogan gehen, sondern darum, ein realistisches Bild von der Türkei zu zeichnen, wie sie heute gesellschaftlich und politisch aufgestellt ist. „Es wird häufig nicht gesehen, wie viele Menschen sich unter schwierigen Bedingungen für Rechtsstaat und Demokratie einsetzen“, betont er. Deshalb sei es gerade jetzt wichtig, hinter das allgemeine Bild zu blicken. Dieser Blick von innen, den er sich nicht nur als Vertreter von Institutionen, sondern auch als Privatperson angeeignet hat, zeigt neben Erdogan-Anhängern auch die andere Hälfte, zeigt eine „dynamische und auch gegen Mediendominanz und Repression lebendige türkische Zivilgesellschaft, in der Millionen öffentlich für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und den Erhalt der säkularen Ordnung eintreten.“

Sein Vortrag soll ein Appell an europäisches Denken sein im Hinblick auf künftige Entwicklungen. Mit Blick auf die demokratischen Kräfte in der Türkei sagt er deshalb: „Europa sollte ihnen gerade deshalb so gut es geht beistehen und die Beziehungen nicht abbrechen, sondern vertiefen.“

Angst ist nicht rational

Damit spricht er auch den Einbruch der Tourismusbranche an, die sich nur langsam wieder erholt. „Wenn jemand Angst hat, hat er Angst, aber ich finde es  nicht rational“, sagt er und ermuntert dazu, die Türkei wieder als Reiseland wahrzunehmen.

Ein politikwissenschaftlicher Vortrag soll es nicht werden, auch wenn die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation in der Türkei eine Rolle spielen werden. „Ich will auf die aktuelle Situation eingehen und vielleicht auch etwas spekulieren, wohin die Türkei sich entwickeln könnte“, gibt er einen kleinen Ausblick auf den Inhalt seines Vortrags, den er stets den aktuellen Geschehnissen anpasst. Den „deutschen Blick“ auf das Land, den er nach eigenem Bekunden teilweise nicht abschalten kann, will er dabei ebenso ansprechen wie die Faszination, die das Land auf ihn ganz persönlich ausübt. Geprägt wird dieser Vortrag auch sein von der Freiheit, nicht mehr als Vertreter einer Institution über die Türkei zu sprechen, sondern als Privatmensch, den das Land als Mensch verändert hat.

Info

Der Vortrag „Erdogans Staat? – Die Türkei von innen“ ist am Mittwoch, 21. November, um 19.30 Uhr im Konvent der VHS. Anmeldung ist erwünscht unter www.vhs-crailsheim.de oder per Telefon, 07951/4 03 38 00.

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