"Gott sei Dank sind Sie heute nicht mehr als Versicherungsmakler tätig", sagte Amtsgerichtsdirektor Norbert Strecker nach dem Urteil. Die ihm vorgeworfenen Taten hatte der Mann gestanden, er war auch sonst recht mitteilsam zu den Fragen, die ihm der Richter stellte. Der erste Eindruck stärkte die Vorstellung, dass der heute 31-Jährige in seiner Zeit als Versicherungsmakler durchaus Zugang zu seinen Kunden gewinnen konnte.

Als selbstständiger Makler arbeitete der Crailsheimer in Ellwangen, wo er "das Vertrauen einer Kundin schamlos missbrauchte", wie Richter Strecker in seiner Urteilsbegründung formulierte.

Nach seiner Ausbildung sei er "blauäugig" in die Selbstständigkeit gestartet, schildert der 31-Jährige. "Wie das Geld reinkam, habe ich es ausgegeben, keine Rücklagen gebildet." Nach dem ersten Arbeitsjahr sei das "große Erwachen" gekommen: Krankenkasse und Finanzamt kommen mit Tausenden Euro hohen Nachforderungen an Beitragszahlungen und Steuern. Unter dem Eindruck "eines Batzen Schulden" habe er angefangen zu spielen, in der Hoffnung auf den rettenden Gewinn. Teilweise sei er täglich in ein Sportwettenstudio gegangen, um seine Tipps zu setzen. 300 bis 400 Euro seien dabei pro Tag futsch gewesen. Er sei irgendwann von allem "überfordert gewesen". In seiner Misere begeht der 31-Jährige dann im Jahr 2012 zwei Betrugsfälle: Er überzeugt eine Kundin, einmal 20.000 und einmal 10.000 Euro über ihn bei seinem Vertragspartner, einer großen deutschen Versicherung, anzulegen. Dann fälscht er die Vertragsunterlagen, lässt sich das Geld auf sein Konto überweisen, tilgt daraus alte Schulden und verzockt auch große Summen davon.

Als die Kundin nach einem Jahr die Auszahlung ihrer Anlage fordert, fälscht der Makler die Unterschrift ihres Ehemanns und fingiert so eine Auszahlung von gut 20.000 Euro aus dessen Rentenversicherung, um daraus seine Kundin zu bedienen. Die Betrugsfälle fallen schließlich auf, der Versicherer begleicht die fehlenden Zahlungen an die Geschädigte und hat mittlerweile Vollstreckung eingereicht, um die Summen vom 31-Jährigen ersetzt zu bekommen.

Für den jungen Makler endet der Prozess mit einer Verurteilung. Oberstaatsanwalt Jürgen Vollmer fordert 15 Monate Haftstrafe für zwei Fälle des Betruges und einer Urkundenfälschung. Ein "deutliches Signal", das wegen des Vertrauensmissbrauchs nötig sei, zugleich aber verbunden mit einer Bewährungschance unter Anerkennung seines Geständnisses und keiner Vorstrafen.

Verteidiger Paul Feil hält das für einen "fairen Vorschlag" und auch Richter Strecker kommt zur gleichen Bewertung.

Im Prozess zeigt sich der 31-Jährige, der inzwischen als kaufmännischer Angestellter arbeitet, geläutert: "Ich sehe jetzt, dass die Selbstständigkeit ein Fehler war, weil ich mit Geld nicht umgehen kann." Der Mann hat eine Therapie wegen seiner Spielleidenschaft begonnen und muss diese laut Auflage im Urteil auch erfolgreich abschließen. Außerdem muss er eine Geldstrafe von 1000 Euro in Raten abstottern.