Serie Frische Luft besiegt Biomüll-Geruch

Im Winter ist es kalt und nass draußen. Das erschwert die Arbeit von Müllmann Jens Paulig und seinen Kollegen. Dennoch will der 27-Jährige nichts anderes machen.
Im Winter ist es kalt und nass draußen. Das erschwert die Arbeit von Müllmann Jens Paulig und seinen Kollegen. Dennoch will der 27-Jährige nichts anderes machen. © Foto: Johannes Ihle
Johannes Ihle 02.01.2018
Bei Wind und Wetter müssen die Männer von der Müllabfuhr durch die Straßen der Stadt ziehen. Einer, der damit keine Probleme hat, ist Jens Paulig. Er hat seinen Traumberuf gefunden.

Egal ob die Sonne scheint, es regnet oder schneit und die Temperaturen unter null Grad sinken: Die Männer von der Müllabfuhr müssen raus und ihren Dienst antreten. Denn Müll wird immer produziert. Oftmals wird der Beruf Müllmann, der korrekt eigentlich Müllwerker heißt, belächelt. Einer, der damit kein Problem hat, wenn sich die Menschen über seine Arbeit lustig machen, ist Jens Paulig. „Ich will nichts anderes machen“, sagt der 27-Jährige selbstbewusst. Der gebürtige Nürnberger arbeitet für die Firma Pfahler in Dinkelsbühl, die für die Müllentsorgung in Crailsheim und Umgebung zuständig ist.

Seit rund zwei Jahren tourt Paulig mit seinen Kollegen Tag für Tag durch die Crailsheimer Straßen. Ob Hausmüll, Biomüll, Papiertonnen oder gelbe Säcke, immer wieder wartet eine andere Aufgabe. Der Winter geht auch an den harten Männern von der Müllabfuhr nicht spurlos vorbei. Warm eingepackt mit dicker Jacke und Thermounterwäsche startet die eigentliche Arbeit für Paulig von Montag bis Freitag jeweils um 6 Uhr morgens mit der Leerung der ersten Tonne. Je nachdem welches Gebiet er und seine Mitstreiter anfahren müssen, kann der Arbeitstag auch schon mal um 5 Uhr in der Früh beginnen. Auch wenn es morgens bitterkalt sein kann und es auf dem Trittbrett hinten auf dem Müllfahrzeug zieht, der Winter bringt auch Vorteile mit sich.

„Es riecht nicht so streng“, sagt Paulig. „Das ist ganz klar ein Vorteil unseres Berufs im Winter.“ Vor allem der Biomüll macht ihm im Sommer manchmal zu schaffen. Wenn die Sonne wochenlang auf die Tonne scheint, kann das durchaus sehr eklig sein. Aber: „Man gewöhnt sich dran.“ Zudem gibt es im Winter weniger Biomüll, da der Grünabfall aus den Gärten wegfällt. Ein weiterer Pluspunkt der kalten Jahreszeit. Allerdings hat der ohnehin schon körperlich sehr anstrengende Beruf – Müllcontainer von Wohnblöcken können bis zu 400 Kilogramm wiegen, einzelne Tonnen bis zu 100 Kilogramm – im Winter auch seine Tücken.

Säcke sind klitschnass

„Die Tonnen durch den schweren Schnee zu schieben, geht besonders auf die Schultern und die Beine.“ Der Rücken bleibt auch nicht verschont. Die gelben Säcke, die von oben bis unten klitschnass sind, gestalten den Arbeitstag nicht angenehmer. „Egal, wie man die Dinger anfasst, man wird nass.“ Wenn sie dann auch noch platzen, ist die Sauerei perfekt.

Dennoch übt Paulig seinen Beruf gerne aus – auch im Winter. Vor seiner Zeit bei der Müllabfuhr hat er eine Ausbildung zum Kaufmann für Systemgastronomie gemacht und abgeschlossen. „Aber die Gastronomie war für mich auf Dauer nichts.“ Durch einen Freund kam er dann zur Müll­abfuhr. Auch wenn viele Menschen die Arbeit belächeln, ihm macht sie Spaß. „Man ist den ganzen Tag an der frischen Luft und man bekommt fürs Fitnessmachen Geld. Gibt es etwas Besseres?“, fragt Paulig lachend. Zudem wechselt das Team fast täglich durch, je nachdem welcher Müll abgeholt werden muss. Das bringt Schwung und Abwechslung ins Team. „Es ist nie langweilig bei uns.“

Auch wenn man für die Arbeit als Müllmann keine spezielle Ausbildung benötigt, für jedermann ist sie nichts. Täglich müssen die Mitarbeiter mehrere Tonnen Müll durch die Gegend schieben und im Winter eben durch den Schnee hieven. Da wäre ein wenig Mitarbeit vonseiten der Tonnenbesitzer sehr hilfreich, wie Paulig findet.

„Am liebsten wäre mir, wenn die Leute Sammelstellen in ihren Straßen bilden würden.“ Speziell bei vielem Schnee würde dies die Arbeit enorm erleichtern. Dass dies nicht überall möglich ist, ist Jens Paulig aber auch klar. Der Job ist hart und anstrengend. Daher hat er noch einen Tipp, der leicht umsetzbar ist: „Schon alleine die Mülltonnen in die richtige Position zu stellen, wäre hilfreich.“